IKB Dicke Luft vor der Hauptversammlung

Die Zukunft der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB steht auf der Kippe. Kurz vor der Hauptversammlung hält die Bundesregierung offen, ob das auch mit Steuergeld geschnürte Rettungspaket von rund 2,3 Milliarden Euro zur Stabilisierung ausreicht.

Berlin - Der Sprecher von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) sagte am Dienstag, das Finanzministerium und das Wirtschaftsministerium werden auf der Hauptversammlung an diesem Donnerstag in Düsseldorf über den staatlichen IKB-Hauptaktionär KfW darauf hinwirken, dass eine aktienrechtliche Sonderprüfung veranlasst werde. Ziel sei festzustellen, welche Verantwortlichkeiten für die Krise der IKB  bei dem alten Vorstand und bei dem Aufsichtsrat liegen.

"Wir gehen davon aus, dass diese Prüfung wie alle bisherigen ergeben wird, dass der Aufsichtsrat seinen Pflichten voll nachgekommen ist", sagte der Sprecher. Es sei aber wichtig, dass vor einer Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat volle Transparenz hergestellt werde. Deswegen werde die KfW "ebenfalls darauf hinwirken, dass die Entlastung beider bis zur Vorlage des neuen Gutachtens verschoben wird".

Die FDP wirft Steinbrück und der Finanzaufsicht vor, bei der Kontrolle der IKB versagt zu haben. Der IKB-Vorstand hatte noch Mitte Juli 2007 behauptet, die Probleme mit faulen US-Immobilienkrediten hätten praktisch keine Auswirkungen. Nur wenige Tage später drohte die Insolvenz.

Schadenersatzforderungen in Milliardenhöhe

Die Staatsbank KfW ist mit rund 43 Prozent größte IKB- Aktionärin. KfW, Bund und Banken haben bereits mit mehr als acht Milliarden Euro die Bank vor dem Aus gerettet. Davon trägt der Staat rund sechs Milliarden Euro.

Während der Hauptversammlung wollen Vertreter der Kleinaktionäre Aufsichtsrat und Vorstand ihre Entlastung verweigern. Eine Nicht-Entlastung hat keine rechtlichen Konsequenzen, würde aber das Image des IKB-Aufsichtsrates mit seinen Regierungsvertretern schädigen.

Der IKB drohen zudem Schadenersatzforderungen von Anlegern in Milliardenhöhe. Am vergangenen Donnerstag hatte die im MDax  notierte Bank die Märkte erneut mit hohen Abschreibungen geschockt. Die KfW will die IKB so schnell wie möglich verkaufen.

Verkauf: Zahl der Interessenten schrumpft

Mittlerweile droht auch noch ein weiterer möglicher Bieter aus dem Kreis der IKB-Interessenten herauszufallen. Die einst stolze BayernLB muss Monat für Monat aufs Neue eingestehen, doch tiefer in die internationale Kreditkrise verstrickt zu sein als lange behauptet worden war. So seien im Januar und Februar weitere Wertkorrekturen von rund einer Milliarde Euro aufgelaufen, heißt es in München. Bislang hatte die Bank ihre Belastungen aus der Kreditkrise per 31. 12. 2007 mit 1,9 Milliarden Euro beziffert.

Ebenfalls immer tiefer in den Kreditsumpf sinkt auch die LBBW, die noch vor Wochen unbedingt die WestLB übernehmen wollte, aber am Widerstand der nordrhein-westfälischen Landesregierung gescheitert ist. Auch sie muss plötzlich eingestehen, Milliarden in der Subprimekrise verloren zu haben. Das Stuttgarter Institut hatte in der vergangenen Woche selbst Belastungen von 1,1 Milliarden Euro aus der US-Hypothekenkrise einräumen müssen.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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