Finanzkrise OECD rechnet mit Stagnation in USA

Angesichts der schlimmsten Krise seit Jahrzehnten auf den internationalen Finanzmärkten droht der US-Wirtschaft nach Einschätzung der OECD der Stillstand. Die Preise für Rohstoffe fallen - doch die Wall Street reagiert äußerst gelassen.

New York - Im ersten Quartal rechnet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) lediglich mit einem Wachstum von 0,1 Prozent im Vorjahresvergleich.

Im zweiten Quartal sei sogar mit einem Nullwachstum - also einer Stagnation - zu rechnen, erklärte die Organisation am Donnerstag in Paris in ihrem Zwischenbericht. Dagegen erhöhte die OECD ihre Prognose für Deutschland.

"Das Wirtschaftswachstum der USA wird in den ersten beiden Quartalen sehr schwach sein", sagte OECD-Chefökonom Jorgen Elmeskov. Von einer Rezession - einem Schrumpfen - zu sprechen, sei vielleicht zu früh. Doch die Wirtschaftsleistung werde immer schwächer.

US-Wachstum sehr schwach

Trotz neuer negativer Nachrichten hat sich die Lage an den internationalen Märkten am Donnerstag merklich entspannt. Gold, Rohöl und Euro entfernten sich noch weiter von ihren Rekordständen von Wochenbeginn. Die erneut schlechten Aussichten zur US- Konjunktur trübten die Stimmung ebenso wenig wie die schwere Schieflage eines weiteren amerikanischen Immobilienfinanzierers. Der Dow Jones  legte bis 20 Uhr um rund 200 Punkte zu.

Gleichzeitig erhöhte die OECD ihre Wachstumsprognose für Deutschland leicht: Die deutsche Wirtschaft werde im ersten Quartal 2008 voraussichtlich um 0,6 Prozent im Vorjahresvergleich wachsen, das sind 0,2 Prozentpunkte mehr als noch im Dezember vorhergesagt.

"Man muss klar sagen, dass das erste Quartal soweit wohl besser läuft als gedacht", sagte OECD-Deutschlandexperte Felix Hüfner der dpa. Die Aufwärtsrevidierung sei Folge der guten Zahlen für Deutschland, etwa in der Industrieproduktion, am Bau oder beim ifo Geschäftsklima- Index. "Die Auftragslage ist stabil, der Export läuft gut."

"Wir spüren bislang keine großen Auswirkungen der Krise", sagte Hüfner. Grund sei unter anderem, dass die deutschen Unternehmen weniger abhängig von externer Finanzierung seien. Es sei aber auszuschließen, dass die Finanzkrise und der starke Euro Deutschland auch künftig nicht berühren werden. Es komme nur noch auf den Zeitpunkt und die Stärke der Auswirkungen an. Für das zweite Quartal rechnet die OECD mit einem Wachstum von 0,4 Prozent.

Für den Euroraum soll das Wachstum bei 0,5 im ersten und 0,6 Prozent im zweiten Jahresviertel liegen. Hier macht ein Konjunkturprogramm oder eine Zinssenkung nach Meinung von Elmeskov derzeit keinen Sinn. So liege die Inflation angetrieben von hohen Preisen für Öl, Rohstoffe und Nahrungsmittel bereits "oberhalb eines angenehmen Niveaus" und die Wirtschaftsleistung wiederum nur wenig unterhalb des Potenzials.

In den USA werde das realwirtschaftliche Wachstum trotz des Konjunkturprogramms der Regierung auch in der nächsten Zeit schwach bleiben, sagte Elmeskov. Die Finanzkrise war ursprünglich vom Einbruch des US-Immobilienmarktes ausgegangen.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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