IKB Vor die Wand gelaufen

Milliarden hat die IKB bekommen, um ihren Zusammenbruch zu verhindern und das Institut zu sanieren. Doch jetzt scheiterte gleich der erste größere Versuch dazu - und plötzlich wackelt der ganze Sanierungsplan. Die Bank wird wohl über Jahre keine Gewinne machen.
Von Karsten Stumm

Düsseldorf - Die angeschlagene Mittelstandsbank IKB  bekommt die geplante ruhige Sanierung offenbar nicht hin. Nach Informationen von manager-magazin.de aus Düsseldorfer Bankenkreisen scheiterte das Geldhaus damit, ein Bündel riskanter strukturierter Wertpapiere im erwarteten Wert von mehr als 400 Millionen Euro zu verkaufen. Angesprochene Interessenten hätten "substanziell weniger" dafür geboten.

Die IKB wollte dazu nicht Stellung nehmen. Mittlerweile gestand sie aber ein, dass der Vorstand der Bank die gesamte Auktion "im aktuellen Marktumfeld" vorerst abgebrochen habe. "Die Absicht zur Veräußerung dieser Investments besteht gleichwohl weiter", sagte IKB-Sprecher Jörg Chittka.

An der Börse sackte der Aktienkurs der IKB  zeitweise um rund 13 Prozent ab und ging am Donnerstag schließlich mit einem Verlust von 2,77 Prozent auf 4,92 Euro aus dem Handel. Zwischenzeitlich waren die Anteilsscheine vom Handel ausgesetzt.

Aktie bricht weiter ein

Der Nasenstüber kommt der IKB höchst ungelegen, denn das zum Verkauf angebotene Wertpapapierpaket ist ausgerechnet Teil jener Problempapiere, von der sich die Bank eigentlich trennen muss; nach eigenen Angaben hat die IKB ausfallgefährdete Wertpapiere im Volumen von drei Milliarden Euro in ihren Depots liegen.

Genau die sollen aber Zug um Zug verkauft werden, um die Bank selbst für Käufer interessanter zu machen - und in letzter Linie den Steuerzahler nicht weiter zu belasten. Schließlich gehört die IKB zu rund 43 Prozent der bundeseigenen Förderbank KfW.

Nun aber muss die IKB, wie soeben bestätigt, zusätzliche Verluste in Höhe von 450 Millionen Euro auf das unbekömmliche Drei-Milliarden-Pakets einkalkulieren. Und zwar zusätzlich zu den 630 Millionen, die sie darauf bereits abgeschrieben hat. Doch es kommt noch schlimmer:

Neben diesem Berg von Problemkrediten sitzt die IKB noch auf einem ähnlich hohen Berg angeblich weniger riskanter Geschäfte. "Doch auch für das bisher als sicherer eingestufte Portfolio von nominal 2,8 Milliarden Euro müssen wir jetzt weitere Bewertungsverluste von 140 Millionen Euro vornehmen, nachdem im Februar bereits Marktwertverluste von 320 Millionen Euro aufgelaufen sind", gab Chittka heute zu.

Für Deutschlands Steuerzahler aber ist die Nachricht unter Umständen nicht weniger schlecht als für das angeschlagene Bankhaus selbst.

Denn sollte die IKB bei kommenden Verkaufsversuchen wiederum weit weniger für ihre Problempapiere geboten bekommen als erhofft, muss sie darauf noch weitere hohe Millionensummen abschreiben. Schließlich ist sie gezwungen, die Papiere zu den neuen Marktpreisen zu bewerten, sobald sie den Verkaufsprozess dafür einleitet. Und das hat schon jetzt üble Folgen.

Millionen-Stütze vom Steuerzahler

Millionen-Stütze benötigt

Die höheren Bewertungsverluste führen bereits heute zu so einer hohen Belastung des Eigenkapitals der IKB, dass die Bank sie alleine erneut nicht stemmen kann. "Zum Ausgleich hat die KfW – wie im Rahmen des Maßnahmenpakets von Mitte Februar 2008 vorgesehen – der IKB eine weitere Kapitalverstärkung gewährt, und zwar als Darlehen über 450 Millionen Euro", gab die Bank heute kleinlaut zu.

Zudem wird das Geldhaus immer weniger wert, so dass die erhofften Verkaufserlöse dem Bund und seinen Bürgern entsprechend weniger Entlastung für ihre Hilfe versprechen. Bis zum Sommer wollte die Bundesregierung das Kriseninstitut eigentlich los sein. "Mit einem Ende des Verkaufsprozesses ist aus heutiger Sicht im dritten Quartal 2008 zu rechnen", heißt es in einer Antwort der Regierung auf eine kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion von vergangener Woche. Verbindliche Angebote der Interessenten würden bis Ende April erwartet.

Dass die nun bei der bisherigen Höhe bleiben, ist unwahrscheinlich. Denn die Bank muss aufgrund der fehlgeschlagenen Verkäufe ihrer Problemkredite und den anschließenden Retuschen an ihrer Bilanz nicht nur einen erheblichen Verlust für das Geschäftsjahr 2007/2008 von ungefähr 800 Millionen Euro bekanntgeben. Vor allem aber ist sie über Jahre zu Teilrückzahlungen an ihre Notkapitalgeber von Deutscher Bank und Co. bis hin zum Bund verpflichtet.

"Das führt voraussichtlich dazu, dass für mehrere Geschäftsjahre keine oder nur geringe Überschüsse im Konzern und in der IKB AG ausgewiesen werden", gab die Bank heute bekannt. Welcher Käufer ist da noch bereit, einen anständigen Preis für das Geldhaus zu zahlen?

Einem Interessenten allerdings könnte der weitere Wertverlust der IKB womöglich gerade recht kommen: Der ebenfalls angeschlagenen WestLB, deren Firmensitz nur wenige Straßenbahnhaltestellen von dem der IKB in Düsseldorf entfernt liegt. Die ist ganz offen an dem profitablen Mittelstandsgeschäft der IKB interessiert, das sie mit ihrem Kapitalmarktgeschäft gut kombinieren könnte. Und viel Geld kann die WestLB derzeit selbst nicht für Zukäufe auf den Tisch legen, die ihre eigene Zukunft sichern sollen.

Kauft jetzt die WestLB?

Kauft jetzt die WestLB?

Immerhin: Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) hat ein großes Interesse daran, eine möglichst große und selbständige Bank am Finanzplatz Düsseldorf zu halten. Das könnte durch eine Fusion beider Häuser - eventuell ergänzt um einen Finanzinvestor - klappen.

Ohnehin ist das Interesse an der IKB abseits der WestLB bisher gering. Nur drei oder vier Kreditinstitute sollen unter den Interessenten sein, darunter die BayernLB und die schwedische SEB . Außerdem interessieren sich Private-Equity-Firmen wie JC Flowers oder Ripplewood auch für das Mittelstandsgeschäft. Und so hat Rüttgers Landesregierung nach Informationen von manager-magazin.de aus Eigentümerkreisen bereits mit Flowers über ein gemeinsames Gebot von Flowers und der WestLB für die IKB gesprochen. Flowers hatte im Jahr 2006 knapp 27 Prozent an der HSH Nordbank gekauft.

Mittlerweile droht auch noch ein weiterer möglicher Bieter aus dem Kreis der IKB-Interessenten herauszufallen. Die einst stolze BayernLB muss Monat für Monat aufs Neue eingestehen, doch tiefer in die internationale Kreditkrise verstrickt zu sein als lange behauptet worden war. So seien im Januar und Februar weitere Wertkorrekturen von rund einer Milliarde Euro aufgelaufen, heißt es in München. Bislang hatte die Bank ihre Belastungen aus der Kreditkrise per 31. 12. 2007 mit 1,9 Milliarden Euro beziffert. Die BayernLB hält nach eigenen Angaben zurzeit problematische Wertpapiere (ABS) im Wert von 32 Milliarden Euro, rund vier Milliarden davon betreffen Verbriefungen von Immobilienkrediten an Schuldner zweitklassiger Bonität.

Ebenfalls immer tiefer in den Kreditsumpf sinkt auch die LBBW, die noch vor Wochen unbedingt die WestLB übernehmen wollte, aber am Widerstand der nordrhein-westfälischen Landesregierung gescheitert ist. Auch sie muss plötzlich eingestehen, Milliarden in der Subprimekrise verloren zu haben. Das Stuttgarter Institut hatte in der vergangenen Woche selbst Belastungen von 1,1 Milliarden Euro aus der US-Hypothekenkrise einräumen müssen.

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