Anlageobjekt Insel 14 Prozent Rendite, keine Nachbarn

Schon mal überlegt, eine Insel zu kaufen? Wenn ja, sollten Sie Farhad Vladi kennenlernen. Der Hamburger gilt als größter Inselmakler der Welt. Gegenüber manager-magazin.de erklärt er, warum er Inseln als Kunstwerke sieht, weshalb sich diese besonders gut zur Geldanlage eignen - und warum er sich genau daran so sehr stört.

mm.de: Herr Vladi, wie viele Inseln besitzen Sie eigentlich selbst?

Vladi: Zwei. So ist ja auch meine Firma entstanden. Ich wollte mir vor 30 Jahren selber eine Insel kaufen und habe mich intensiv mit dem Thema beschäftigt. Da stellte ich fest, dass ich auf dem Gebiet Pionier bin. Die erste Insel war dann einfach zu teuer, sodass ich sie wieder verkaufte. Und dann standen die Freunde des Käufers ante portas, die auch Inseln haben wollten. Zehn Jahre später legte ich mir tatsächlich in Kanada meine erste eigene Insel zu. Weitere fünf Jahre später habe ich noch eine neuseeländische Insel erworben, die ich heute noch besitze und schätze.

mm.de: Und was ist der Grund, aus dem Sie und Ihre Kunden Inseln besitzen wollen?

Vladi: Das ist der Wunsch eines jeden, ein Urlaubsidyll zu haben, mit dem Gefühl, das, was man sieht, auch zu kontrollieren. Da gibt es keine störenden Nachbarn, man hat seine Ruhe in einer neutralen Umwelt, bei der es noch Spaß macht, sie zu erleben. Also kein schmutziges Wasser oder überfüllte Strände. Dort spürt man eine ganz andere Energie - ich sage immer: Eine Insel ist die Apotheke für die Seele. Und wenn wir über Geld reden, ist das mit Sicherheit auch die Rendite, die man für sein Investment bekommt.

mm.de: Aber es gibt dabei ja auch eine wirtschaftliche Rendite.

Vladi: Ja, es ist eine gute Geldanlage. Denn Inseln werden nicht mehr gemacht, das Angebot ist konstant beziehungsweise sogar sinkend. Viele Inseln sind einfach zu groß für einen Privatmann und werden deshalb parzelliert. Sie verschwinden also vom Markt. Auf der anderen Seite steigt die Nachfrage, zum Beispiel weil der bisher immer bestehende Infrastrukturnachteil der Inseln durch die fortschreitende Technologie absorbiert wird. Heute können Sie zum Beispiel Strom auf einer Insel ebenso bekommen wie auf dem Festland. Kabellose Telefone kennen wir ebenfalls alle. Das alles gab es vor vielen Jahren nicht. Die Folge ist, dass die Inselpreise steigen.

mm.de: Zu den Preisen später mehr. Sie bezeichnen sich nicht gern als Makler, sondern als Kunsthändler der Natur. Was bedeutet Ihnen dieser Unterschied?

Vladi: Das hat nichts damit zu tun, dass der Beruf des Maklers ein schlechtes Image hätte. Das hat mich nicht so sehr gestört wie der Mechanismus des Geschäftes. Wie ich schon sagte werden Inseln nicht mehr gemacht. Damit sind wir auf einer Ebene mit dem Kunstmarkt. Denn wenn Künstler versterben, gibt es von ihnen ebenfalls keine neuen Bilder mehr. Hinzu kommt, dass jede Insel ihren eigenen Charakter, ihr Gesicht und ihre Persönlichkeit hat. Das ist nicht vergleichbar mit einer Eigentumswohnung, 60 Quadratmeter in Straße A. Der Marktmechanismus ist einfach genau der gleiche wie beim Kunsthandel. Inseln sind die Kunstwerke der Natur.

"Die Spekulanten machen mir Angst"

mm.de: Sehen Ihre Kunden das genauso?

Vladi: Ja, hundertprozentig. Die betrachten Inseln ebenfalls als Kunstwerke. Auch die Art und Weise, wie sie an eine Insel herangehen, ist anders, als an eine Immobilie auf dem Festland. Die gesamte Familie wird mit einbezogen. So etwas hält die Familie übrigens auch sehr stark zusammen. Neulich erst erzählte mir ein Vater, wie wunderbar er sich auf der Insel mit seinem Sohn unterhalten kann. Der hat keinen Walkman mehr auf, kein Computer ist in der Nähe. Die beiden entdecken die Natur auf der Insel, was doch sehr schön ist.

mm.de: Welches ist denn eigentlich Ihre Klientel? Man kann sich vorstellen, dass es sich vor allem um besonders vermögende Menschen handelt.

Vladi: Nicht unbedingt. Es wäre gelogen, wenn man sagte, es sind die Armen oder der Mittelstand. Der gehobene Mittelstand und die Reichen können sich so etwas natürlich leisten. Aber selbst der Reichste weiß, dass man schon geboren sein muss, um eine Insel zu kaufen. Und man muss Spaß dran haben. Auf einer Insel muss man einen starken Hang zur Natur haben. Und man muss zum Teil improvisieren. Wenn da ein Baum umfällt spielt es keine Rolle, ob jemand arm oder reich ist. Da muss man sich zu helfen wissen.

mm.de: Thema Geldanlage: Es gibt ja Menschen, die Inseln ausschließlich als Anlageobjekte erwerben.

Vladi: Das ist richtig und ich finde das sehr bedauerlich. Es gibt zwei Gruppe von Anlegern. Die einen sagen: Inselpreise steigen, dass ist ein Spekulationsobjekt, da gehe ich rein. Eine zweite Gruppe macht das auch, aber mit dem Hintergedanken, die Insel nicht zu verkaufen. Die sagen sich: Ich bin jetzt 35, an der Spitze einer aufstrebenden Firma. Wenn ich einmal 50 bin, habe ich Zeit und möchte die Insel zur Erschließung haben. Die legen sich die Insel praktisch auf die Seite und träumen davon. Das ist auch ok. Angst machen mir die reinen Spekulanten, die die Preise hochtreiben.

mm.de: Wie stark sind denn die Auswirkungen?

Vladi: Bis vor vier Jahren hätte ich gesagt, dass Inseln eine stetige Wertsteigerung von 6 bis 14 Prozent pro Jahr haben, in einigen Fällen auch etwas höher. In den letzten vier Jahren haben sich die Preise pro Jahr aber zum Teil verdoppelt, verdreifacht, ja sogar verzehnfacht. Vor allem in der Karibik, wohin viel Geld aus den USA strömt, war dies zu beobachten. Angesichts der Subprime-Krise, die ja noch nicht zu Ende ist, stellt man jetzt schon fest, dass die Leute sich umdrehen und sage: Wer wird mir die Insel noch abnehmen. In der Karibik wird es daher demnächst sicher einen Rückschlag geben.

mm.de: Das heißt, die Inflation der Vermögenswerte, die weltweit in den vergangenen Jahren zu beobachten war, gab es auch in diesem Markt.

Vladi: Ja, aber nur in gewissen Gegenden. Das finden Sie nicht in Norwegen, nicht in Schweden, Irland oder Schottland. Aber in der Karibik, durch die amerikanische Nachfrage. Da gab es einen Trend, dass jeder noch so eine Insel haben wollte. Das gehörte einfach zum guten Ton eines Investors, ob er sie brauchte oder nicht.

"Bahamas? In zwei Jahren zum halben Preis"

mm.de: Haben ausschließlich Privatinvestoren gekauft, oder auch institutionelle, beispielsweise Hedgefonds?

Vladi: Nein, ich kenne keinen Fonds, der in diesem Markt investiert. Es wäre für einen solchen Fonds auch schwer, den Gedanken zu transportieren. Das würde sicher falsch verstanden.

mm.de: Sie sehen also in bestimmten Regionen die Gefahr, dass demnächst eine Spekulationsblase platzt?

Vladi: Richtig. Das gilt ganz besonders für die Bahamas und karibische Länder. Wenn mir nahestehende Personen sagen, sie möchten sich dort eine Insel kaufen, würde ich sagen, warte noch ein bis zwei Jahre. Dann bekommst Du sie zum halben Preis. Das betrifft aber nicht Westeuropa, Australien, Neuseeland und andere Länder.

mm.de: Wie liquide ist denn der Markt für Inseln eigentlich?

Vladi: Das ist unterschiedlich. Ich habe zum Teil Objekte, da ist der Prospekt noch nicht einmal gedruckt und sie sind schon verkauft. Auf anderen Märkten dauert es länger. Ich hatte auch schon Objekte drei oder vier Jahre im Angebot - und plötzlich gab es vier Interessenten.

mm.de: Welche Rolle spielt bei der Marktentwicklung der zunehmende Wohlstand in Schwellenländern wie China, Indien oder Russland?

Vladi: Ich beobachte tatsächlich zurzeit verstärkte Nachfrage aus Indien. Seit ein paar Wochen sind indische Käufer unterwegs, allerdings nur im Bereich des indischen Ozeans. Ich habe noch keinen Inder gesehen, der in Kanada oder Frankreich, an der bretonischen Küste eine Insel sucht. Russen haben wir auch schon als Kunden gehabt. Die entdecken vor allem Europa.

"In Norwegen den Einsatz verdoppeln"

mm.de: Wie viele Inseln kommen weltweit überhaupt für einen Erwerb in Frage?

Vladi: Wenn man unsere Kriterien zugrunde legt, würde ich sagen, dass es in Ländern, wo man unbeschränkt kaufen kann, vielleicht 3000 bewohnbare Inseln gibt. Mit Ländern, wo man die Genehmigung des Staates braucht, wie zum Beispiel in Australien, kommen Sie vielleicht auf 12.000 Inseln.

mm.de: Worauf sollte ein reiner Kapitalanleger bei der Auswahl eines Objektes achten?

Vladi: Die Kriterien sind die gleichen, wie bei jenen, die die Insel vor allem nutzen wollen. Man sollte beispielsweise darauf achten, dass man unumschränktes Eigentum erwirbt. Sie muss gut erreichbar sein, das nächste Krankenhaus sollte nicht weiter als 90 Minuten entfernt sein. Es muss einfach eine bewohnbare Insel sein. Damit macht man eigentlich immer Geld.

mm.de: Wo liegen die besonderen Risiken einer solchen Anlage?

Vladi: Es gibt kaum welche. Ein Risiko liegt vielleicht im politischen Bereich, wenn man beispielsweise zu exotisch kauft. Da könnte es passieren, dass ein Regime sagt, wir brauchen hier keine ausländischen Investoren mehr. Dadurch kann ein großes Nachfragepotenzial wegfallen, während im Gegenzug der lokale Markt vielleicht nicht sehr viel hergibt. Anders ist es zum Beispiel in Norwegen. Dort könnten Sie aufgrund des hohen Wohlstands der Norweger Ihre Insel trotzdem noch sehr gut verkaufen. Wenn ich ausschließlich Investor wäre, würde ich immer darauf achten, dass es einen guten Lokalmarkt gibt.

mm.de: Wo sehen Sie zurzeit die besten Investmentchancen?

Vladi: Mit Sicherheit in Nordeuropa und Westeuropa. In Norwegen bekommen Sie heute eine Insel mit Haus für 200.000 Euro. Es gibt praktisch kein politisches Risiko, das Land ist traumhaft schön, auch wenn das Klima dies etwas eingeschränkt. Für eine vergleichbare Insel müssten sie auf den Bahamas heute 3,5 Millionen bezahlen - mit der Frage, wo die Reise hingeht. Der Markt dort ist ausschließlich von ausländischen Investoren beherrscht. Ein Bahamese ist nicht in der Lage, 3,5 Millionen auf den Tisch zu legen. Wenn ich dagegen in Oslo etwas kaufe, kann ich meinen Einsatz in ein paar Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit verdoppeln.

Kanada, Karibik, Krokholmen: Inseln für Investoren

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