Fed US-Leitzins sinkt auf 2,25 Prozent

Die US-Notenbank Fed hat den Leitzins um weitere 75 Basispunkte auf 2,25 Prozent gesenkt. Auf diesen Schritt hatten die Akteure des Finanzmarkts gehofft. Mit aggressiven Zinssenkungen versucht Fed-Chef Ben Bernanke, den Absturz der Wirtschaft aufzufangen.

Washington - Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat erneut die Zinsen gesenkt. Der Zielsatz für Tagesgeld (Fed Funds Rate) werde um 75 Basispunkte auf nun 2,25 Prozent zurückgenommen, teilte die Fed am Dienstagabend in Washington mit. An den Finanzmärkten war eine Senkung um bis zu 100 Basispunkte als Reaktion auf die Finanzkrise und eine drohende Rezession erwartet worden.

Damit hat die Fed den Leitzins seit Ausbruch der Hypothekenkrise im vergangenen Sommer um insgesamt 3,00 Punkte gesenkt. Erst im Januar hatten die Währungshüter in Washington den Leitzins in zwei Schritten um insgesamt 1,25 Prozentpunkte zurückgenommen. Die Federal Reserve hatte in den vergangenen Wochen mit einem Bündel von Maßnahmen auf die massiven Kredit- und Liquiditätsprobleme der Finanzwirtschaft reagiert. In einem historischen Schritt gewährte die Notenbank am Sonntag den bedrängten Investmentbanken Zugang zu ihrem sogenannten Diskont-Fenster, einem Kreditprogramm, das bisher nur Handelsbanken offenstand.

Volkswirte hatten vor der Sitzung mit einer deutlichen Leitzinssenkung gerechnet, insbesondere nach der jüngsten Zuspitzung der US-Bankenkrise und der überraschenden Senkung des Diskontsatzes seitens der Fed. Die Spanne der Zinssenkungserwartungen war mit 0,50 Punkten bis hin zu 1,25 Punkten allerdings sehr groß. Experten hatten vor einer Beschleunigung der Inflation und zusätzlichem Druck auf den Dollar  gewarnt, sollte der Schnitt zu aggressiv ausfallen.

Gleichzeitig senkte die Notenbank den Diskontsatz, zu dem sich Geschäftsbanken direkt bei der Fed refinanzieren können, ebenfalls um 75 Basispunkte auf 2,5 Prozent. Zur Begründung erklärte die Fed, der Wachstumsausblick für die USA habe sich weiter verschlechtert. So habe sich das Wachstum der Konsumausgaben verlangsamt und der Arbeitsmarkt abgeschwächt. Die Situation an den Finanzmärkten sei weiterhin deutlich angespannt. Auch die Verschärfung der Kreditvergabebedingungen und der weiter schwächelnde Häusermarkt sollten eine Belastung für das US-Wachstum in den nächsten Quartalen darstellen.

Zwei Gegenstimmen im Ausschuss

Zwei Gegenstimmen im Ausschuss

Die Zinsentscheidung solle moderates Wachstum fördern und die Risiken für die Wirtschaftsaktivität verringern. Die Notenbank werde "zeitnah" handeln, um nachhaltiges Wachstum wie auch Preisstabilität zu gewährleisten, hieß es weiter. Inzwischen geht die Mehrheit der Ökonomen davon aus, dass die größte Volkswirtschaft der Welt sich bereits in der Rezession befindet.

Den Angaben zufolge fiel die Entscheidung mit acht zu zwei Stimmen im Offenmarktausschuss. Für einen "weniger aggressiven" Zinsschritt hätten die regionalen Notenbankpräsidenten von Dallas, Richard Fisher, und Philadelphia, Charles Plosser, gestimmt.

Die Inflation habe sich beschleunigt, hieß es in der Begründung. Zudem deuteten "einige Indikatoren" auf gestiegene Inflationserwartungen hin. Gleichwohl sollte sich die Teuerung in den kommenden Monaten abschwächen, wobei sich allerdings die Unsicherheit über den Inflationsausblick erhöht habe, schreibt die Fed. Daher müsse die weitere Entwicklung an der Preisfront genau beobachtet werden. Eine steigende Inflation wäre ein Signal für sinkende Zinsen.

Ängste über eine Rezession in den USA hatten zuvor zu massiven Kursverlusten an den asiatischen und europäischen Börsen geführt. Auch am Montag war es nach der Beinahe-Pleite der US-Investmentbank Bear Stearns  erneut zu deutlichen Kurseinbrüchen an den Börsen gekommen. Nach der Zinsentscheidung gaben die Aktienkurse einen Teil ihrer Tagesgewinne vorübergehend ab. Die Anleger hatten demnach mit einer noch aggressiveren Zinssenkung gerechnet. Der Dow Jones  schloss jedoch mit einem deutlichen Plus von 3,51 Prozent auf 12.393 Punkten.

Die Fed hat nach Einschätzung der Postbank den Märkten mit ihrer begleitenden Erklärung einen "kleinen Zinswarnschuss" gegeben. "Die Erklärung der Fed ist deutlich differenzierter als zuletzt ausgefallen", sagte Postbank-Experte Heinrich Bayer am Dienstag. So habe die Fed Inflationsrisiken merklich stärker betont als in den letzten Monaten. Zudem deute der Ausgang der Entscheidung mit zwei Gegenstimmen darauf hin, dass sich die Meinung über den geldpolitischen Kurs zusehends differenziere, sagte Bayer.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afx

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