Tui Frenzel beugt sich den Investoren

Entwaffnend ehrlich kommentiert Tui-Chef Michael Frenzel seine jüngste 180-Grad-Wende in der Konzernstrategie: Man könne ein Unternehmen nicht dauerhaft gegen den Markt führen. Tui setzt jetzt voll auf Touristik und will sich schnell von der Reederei Hapag-Lloyd trennen - genau wie von Großaktionären gefordert.

Hannover - Die seit Jahren wegen zu niedriger Gewinne und ständiger Strategiewechsel kritisierte Tui  setzt künftig alles auf die Touristik. Tui-Chef Michael Frenzel will die vom Aufsichtsrat beschlossene Trennung von der Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd möglichst noch in diesem Jahr umsetzen. Der daraus erhoffte Erlös werde zum Schuldenabbau und zum Ausbau des Tourismusgeschäfts genutzt, kündigte Frenzel am Dienstag in Hannover an.

Er will Reiseveranstalter vor allem außerhalb Europas sowie Hotelgesellschaften kaufen und die Kreuzschifffahrt ausbauen. Für die Touristik sieht Tui nach dem deutlichem Wachstum im vergangenen Jahr gute Perspektiven. Tui beugt sich mit dieser strategischen Kehrtwende dem Druck von Aktionären wie dem norwegischen Reeder John Fredriksen. Von den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat hagelte es Schelte.

"Man kann ein Unternehmen nicht auf Dauer gegen den Markt und gegen die Investoren führen", sagte Frenzel, der jahrelang Tui als Zwei-Säulen-Modell pries und noch im Januar Hapag-Lloyd auf den Mutterkonzern Tui verschmelzen wollte. An wen die weltweit fünftgrößte Reederei gehen könnte, sei offen. Auch eine Fusion mit einem Partner oder eine Abspaltung (Spin-off), bei der Hapag-Aktien an die Tui-Aktionäre ausgegeben würden, werde geprüft. Letzteres brächte dem Konzern aber kein Geld.

"Im Interesse unserer Aktionäre werden wir die Variante wählen, die maximal Wert schafft", sagte Frenzel. In der Bilanz steht Hapag-Lloyd mit 3,5 Milliarden Euro. Dazu dürfte noch ein erheblicher strategischer Aufpreis kommen. Ein denkbarer Interessent sei die Reederei Neptune Orient Lines  aus Singapur, mit der Tui aber noch nicht verhandle, sagte Frenzel. Die Reederei hat Branchenkreisen zufolge einen Preis von bis zu fünf Milliarden Euro für Hapag-Lloyd genannt.

Frenzel zeigte sich auch offen für eine Investorengruppe aus Hamburg um den Hauptgesellschafter der Privatbank M.M. Warburg, Christian Olearius. Sie wollen Hapag-Lloyd als eigenständige Reederei erhalten. Diese "Hamburger Lösung" wird auch von den Arbeitnehmern unterstützt.

Russischer Stahlmagnat als Partner

Russischer Stahlmagnat als Partner

Mit einem Verkauf von Hapag-Lloyd will Tui seine Schulden von 3,9 Milliarden Euro "signifikant abbauen". Zugleich wolle er mit Tui nun ganz in der Touristik ankommen - ein Ziel, das er mit dem Vorgängerkonzern Preussag bereits beim Kauf der Reederei vor gut zehn Jahren gehabt habe, sagte Frenzel. Neue Pläne habe er für Wachstumsmärkte wie Indien und China.

In Russland will Tui zusammen mit seinem Großaktionär, dem Stahlmagnaten Alexej Mordaschow, investieren. Auch anderswo werde nach Zukäufen geschaut. "Wir haben derzeit eine Liste im Aufbau mit möglichen Akquisitionszielen." Potenzial sieht Tui bei den Hotelgesellschaften. Diese sind schon jetzt gewinnträchtiger als das übrige Reisegeschäft. Denkbar seien Investitionen in der Karibik, wo Hotels ganzjährig gebucht werden könnten und neben Europäern viele Nordamerikaner Urlaub machten, sagte Hotel-Chef Karl Pojer. Auch in die neue Kreuzfahrt-Tochter Tui Cruises mit Royal Caribbean als Partner soll Geld fließen.

Für 2008 verbreitete Tui trotz der unsicheren Konjunktur Zuversicht. Der Konzern rechnet mit einem Umsatzzuwachs um knapp einem Fünftel auf 26 Milliarden Euro. In vielen Ländern lägen die Reiseumsätze für 2008 deutlich über Vorjahr. "Am Urlaub wird zuletzt gespart", sagte Frenzel. Auch der Gewinn soll steigen - 2007 war ein Gewinn nach Anteilen Dritter von 175 Millionen Euro geblieben, 2006 hatte noch ein Verlust von 890 Millionen Euro zu Buche gestanden.

Frenzel sieht sich ungeachtet der jüngsten Turbulenzen fest im Sattel. Im Aufsichtsrat habe niemand seinen Rücktritt gefordert. Er wünsche sich einen stabilen Kreis von Aktionären, die das Unternehmen künftig vor feindlichen Übernahmen schützen könnten. Eine wichtige Rolle könnte Mordaschow spielen, der eine Aufstockung seines 5-Prozent-Anteils angekündigt hat. Der Name Fredriksens, der die Abspaltung ins Rollen gebracht hat, fiel auf der Bilanzpressekonferenz kein einziges Mal.

Tui-Aktien waren mit minus 1,58 Prozent auf 16,87 Euro am Dienstag unter den Verlierern am deutschen Aktienmarkt zu finden. Mit dem Prinzip "Sell on good news" begründete Analyst Jochen Rothenbacher von equinet die Abschläge und verwies auf die positive Kursentwicklung der vergangenen Tage. Fundamental gebe es keine Gründe dafür, da der Ausblick des Konzerns positiv überrascht habe.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afx

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