Einzelhandel Gerüchte um Kaufhausehe

Die Gerüchte um einen möglichen Zusammenschluss der beiden größten deutschen Warenhausketten Kaufhof und Karstadt halten sich seit Monaten. Am Dienstag haben sie nun wieder neue Nahrung bekommen. Metro-Chef Eckhard Cordes kündigte an, die Konzern-Tochter Kaufhof stehe zum Verkauf.

Essen/Köln/Düsseldorf - Mögliche Interessenten für das auf mehrere Milliarden Euro geschätzte Geschäft nannte Cordes ausdrücklich nicht und gab sich bei der Suche betont entspannt: "Es gibt Stimmen, die drängen uns zur Eile - mit Verweis auf den Konsolidierungsprozess im europäischen Warenhaussegment. Diese Hektik kann ich nicht nachvollziehen", stellte der Manager fest.

Auch beim Essener Karstadt-Mutterkonzern Arcandor gab man sich zurückhaltend. "Wir haben das mit Interesse verfolgt", stellte Konzernsprecher Jörg Howe lediglich fest. Außer von dem Essener Konkurrenten wären dem Metro-Chef wohl auch Offerten anderer Bieter willkommen. "Cordes hat den Hut in den Ring geworfen als Aufforderung an mögliche Investoren", beschrieb der Sprecher der deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Jürgen Kurz, die Lage in Düsseldorf.

Wertvoller Immobilienbesitz

In anstehenden Verkaufsverhandlungen kann der Metro-Chef vor allem den wertvollen Immobilienbesitz von Kaufhof in die Waagschale werfen. Von den 141 Standorten des Unternehmens befinden sich viele in den Zentren deutscher Innenstädte. Arcandor-Chef Thomas Middelhoff hat dagegen die Immobilien der 90 Karstadt Warenhaus-Standorte im Ringen um eine Sanierung des Konzerns bereits verkauft. Der Konzern ist nun nur noch Mieter in seinen Warenhäusern.

Bei einem Zusammengehen der beiden deutschen Konkurrenten schätzen Beobachter zudem die möglichen Einsparungen etwa durch einen gemeinsamen Einkauf oder eine Zusammenlegung der Verwaltungen auf einen Wert von bis zu 400 Millionen Euro im Jahr. Auf der Suche nach Konzepten für die Zukunft des deutschen Warenhausgeschäfts haben beide Konkurrenten zudem bereits einen ähnlichen Weg eingeschlagen. Der Kaufhof gilt als Vorreiter des sogenannten "Galeria-Konzepts", das in der Branche derzeit als eine Art Wunderwaffe im Kampf gegen sinkende Umsätze und ausbleibende Kunden gilt. Mit Stefan Herzberg sitzt seit kurzem ein ehemaliger Kaufhof-Manager in der Karstadt-Geschäftsführung.

"In jeder Hinsicht desaströs"

Statt endloser Kleiderständer mit Dutzenden verschiedenen Röcken Blusen oder Hosen in langen Reihen soll mit einem ausgewählten Sortiment in aufwendigen Markenshops die Lust aufs Einkaufen geweckt werden. Besonderer Wert wird dabei auf die profitablen Sortimente rund um Mode, Schönheit und Accessoires gelegt. Erst vor wenigen Tagen hat Karstadt in Essen ein sogenanntes "Idealhaus" nach diesem Muster eröffnet. Die Umstellung der weiteren Karstadt-Warenhäuser ist geplant.

Doch nicht alle deutschen Warenhäuser eignen sich für das neue Luxus-Konzept. Im Zuge der Sanierung des angeschlagenen damaligen KarstadtQuelle-Konzerns hatten sich die Essener bereits 2005 von 74 kleineren Warenhäusern getrennt, die von britischen Investoren heute unter dem Namen Hertie weiterbetrieben werden. 16 Karstadt-Häuser stehen aktuell noch mit unsicheren Zukunftsaussichten auf der Kippe. Bei einem möglichen Zusammengehen der beiden Konkurrenten fürchten Beobachter weitere Einschnitte ins Filialnetz.

"In jeder Hinsicht desaströs"

"Eine platte Fusion wäre in jeder Hinsicht desaströs", meint die Handelsexpertin und stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Verdi, Margret Mönig-Rahne, zu einem möglichen Zusammengehen der beiden Unternehmen. Die Gewerkschaft werde sich für qualifizierte Arbeitsplätze in einem beratungsintensiven Einzelhandel einsetzen, kündigt sie an.

Rund 44.000 Beschäftigte wären von einer Warenhausfusion in Deutschland betroffen, davon knapp 25.000 bei Karstadt und 19.000 bei Kaufhof. Zusammen kämen beide Konkurrenten auf einen Umsatz von knapp acht Milliarden Euro und würden damit zu einem der größten europäischen Warenhausunternehmen werden. Wenn Arcandor-Chef Middelhoff sich mit einem Coup verabschieden will, hat er nicht mehr viel Zeit: Noch in diesem Jahr will er seinen Posten räumen.

Uta Knapp, dpa

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.