BMW Mehr Gewinn trotz Gegenwind

Schwacher Dollar, schwieriger US-Markt, teure Rohstoffe: Trotz kräftigen Gegenwinds will der Münchener Automobilhersteller BMW in diesem Jahr wieder mehr Geld verdienen.

München - Das Ergebnis vor Steuern werde über dem bereinigten Vorjahreswert von 3,78 Milliarden Euro liegen, möglicherweise aber unter 3,9 Milliarden, sagte Vorstandschef Norbert Reithofer am Dienstag in München.

Durch Effizienzgewinne und Personalabbau sollen sich die Gewinnmargen verbessern, bei denen BMW  zuletzt den Anschluss zur Konkurrenz verloren hatte. "Wir stehen vor enormen Herausforderungen", sagte Reithofer.

Nach Jahren mit hohen Millionenbelastungen bekommt BMW die Probleme mit dem starken Euro endlich besser in den Griff: Die Währungsbelastungen sollen 2008 "unter 400 Millionen Euro" liegen, sagte Finanzvorstand Michael Ganal. Zuletzt lagen sie bei 517 Millionen Euro. Der Konzern habe Währungseffekte nicht nur finanziell abgesichert, sondern stocke auch die Produktion im US-Werk Spartanburg auf und weite den Einkauf im Dollarraum aus, was die negativen Folgen dämpft.

"Beherrschbare Herausforderungen"

Langfristig wolle BMW in den USA wieder mehr Geld verdienen. Der schwache Dollar belastet BMW besonders, weil die USA mit gut einem Fünftel des Absatzes von 1,5 Millionen Autos der größte Einzelmarkt für die Bayern sind - weit vor Deutschland. Auch wenn die Kreditkrise die Kauflaune der US-Verbraucher bremse, werde BMW dort 2008 mindestens so viele Autos verkaufen wie im Jahr zuvor (335.840), sagte Reithofer.

Käufer von Oberklasse-Autos seien von der Krise weniger stark betroffen, begründete Ganal den Optimismus. Etwas mehr Kreditausfälle im Finanzdienstleistungssektor und niedrigere Gebrauchtwagenpreise seien ebenso "beherrschbare Herausforderungen" wie ein weiterer Anstieg der Rohstoffpreise, die 2007 mit 288 Millionen Euro zu Buche schlugen.

"Abgerechnet wird immer zum Schluss"

Gegensteuern will BMW mit vielerlei Sparmaßnahmen: Größere Effizienz drückte die Kosten schon im Vorjahr um 351 Millionen Euro; für 2008 ist erneut ein dreistelliger Millionenbetrag angepeilt.

Finanzchef Ganal sagte, Geld lasse sich auch den Bau von weniger Prototypen sparen, stattdessen soll es mehr Versuche am Computer geben. Die geplanten Absatzrekorde bei BMW, Mini und Rolls-Royce sollen mit weniger Mitarbeitern gestemmt werden. BMW baut 7500 Stellen in Deutschland und 600 im Ausland ab. Bis 2012 will der Konzern die Gesamtkosten damit um sechs Milliarden Euro drücken.

Bei der Effizienz habe der Konzern "noch Hausaufgaben zu machen", räumte Ganal ein. Während die Münchener im Autobau zuletzt unverändert eine Umsatzrendite vor Zinsen und Steuern (Ebit-Marge) von 6,4 Prozent auswiesen, glänzte Mercedes mit 9,1 Prozent. Audi folgte mit 8,0 Prozent. Der Vorstand zeigte sich unbeirrt: 2012 werde BMW auf 8 bis 10 Prozent Ebit-Marge kommen.

Das Sparprogramm schlage erst später an, dann aber richtig. "Abgerechnet wird immer zum Schluss", meinte Reithofer. Wachstumschancen sieht er bei verbrauchsärmeren Fahrzeugen, an denen der Konzern seit Jahren arbeitet. Er kündigte für die erste Hälfte des neuen Jahrzehnts ein völlig neuartiges, schadstofffreies Großstadtauto an, das auch mit Elektromotor fahren könnte. Ob es eine vierte Marke geben werde, sei offen. An der Börse war BMW einer der größten Kursgewinne. Die Aktie lag mehr als 6 Prozent im Plus bei 33 Euro.

Irene Preisinger, reuters

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