Dienstag, 25. Februar 2020

Hugo Boss "Vita lässt uns im Stich"

Der Modehersteller Hugo Boss verliert seinen Chefkontrolleur Giuseppe Vita und damit den dritten Spitzenfunktionär innerhalb weniger Wochen. Im Gespräch mit manager-magazin.de äußert sich Vize-Aufsichtsratschef Antonio Simina zum Konflikt mit dem Finanzinvestor Permira - und zur saftigen Sonderdividende für den Großaktionär.

mm.de: Herr Simina, seit vergangenem Sommer gehört Hugo Boss Börsen-Chart zeigen zu 88 Prozent dem britischen Finanzinvestor Permira. Private Equity und Mode, Profitorientierung und schwäbische Tradition - wie passt das zusammen?

Antonio Simina ist seit 25 Jahren Betriebsratschef bei Hugo Boss. Zudem fungiert er als stellvertretender Aufsichtsratschefvorsitzender.
Simina: Das müssten Sie eigentlich unseren früheren Eigentümer fragen, das Modeunternehmen Marzotto. Die Italiener haben Hugo Boss an Permira verkauft und eine Menge Geld daran verdient. Die Frage, ob das gut zusammen passt, war da wohl eher zweitrangig. Und der Einfluss von Seiten der Arbeitnehmervertreter auf solche Transaktionen ist sehr gering. Wir müssen das jetzt so hinnehmen, wie es gekommen ist.

Grundsätzlich erkenne ich die Bereitschaft der Permira-Leute zur Zusammenarbeit - auch mit dem Betriebsrat. Aber jetzt müssen sie sich beweisen. Ich kann nichts dafür, dass der Ruf von Permira in der Öffentlichkeit nicht allzu positiv ist. Unser Großaktionär muss sein Image selbst verbessern, diese PR-Arbeit können wir für ihn nicht erledigen. Wenn es den Permira-Vertretern gelingt, mir meine Skepsis zu nehmen, werde ich ihnen genauso viel Vertrauen entgegenbringen wie den früheren Eignern auch.

mm.de: Bislang hapert es jedoch mit der Selbst-PR von Permira. Vergangene Woche hat der Investor bei Hugo Boss eine Sonderdividende von insgesamt rund 350 Millionen Euro durchgesetzt - offenbar gegen den Widerstand der Arbeitnehmervertreter.

Simina: Man muss fairerweise sagen, dass man mit Permira durchaus reden kann. Wir haben viele ordentliche Gespräche geführt. Aber ich weiß, dass ich mir davon nichts kaufen kann. Ich hoffe, dass die Gespräche künftig stärker in unserem Sinne laufen, und dass Permira uns in Ruhe arbeiten lässt. Permira hatte schon länger angekündigt, eine Sonderdividende erhalten zu wollen - ursprünglich sogar eine wesentlich höhere Summe.

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