Kreditkrise Die Anwälte sind am Zug

Die Subprime-Krise hat weitreichende juristische Folgen: Es wird eine gewaltige Aufgabe sein, die vielen komplizierten Rechtsverhältnisse abzuwickeln, die durch Hypothekenverbriefungen entstanden sind. Ein Großteil der Last liegt dabei auf den US-Bundesgerichten und auf den Gerichten der Bundesstaaten.
Von Deborah Sturman

New York – Die Vorstellungskraft dürfte kaum ausreichen, um sich die breite Palette an rechtlichen Angriffsmöglichkeiten auszumalen, mit der man Ansprüche verfolgen kann. Nicht nur die Verlusthöhe durch den Handel mit Kreditverbriefungen, sondern auch die fragwürdigen Verfahren, die das Ausmaß der Verluste in dieser Größenordnung erst ermöglicht haben, geben Anlass, Fragen zu stellen.

Die offensichtlichsten Ansprüche sind diejenigen, die Anleger gegen Anbieter von Kreditverbriefungen aufgrund der Verstöße gegen das amerikanische Wertpapierrecht geltend machen können, etwa wegen irreführender Angaben über den wahren Inhalt der Pakete.

Es wird jedoch auch um die Ansprüche von Emissionsbanken gegen die ursprünglichen Kreditgeber gehen, weil letztere die Darlehen nicht, wie vereinbart, zurückkauften. Schadensersatzansprüche können auch geltend gemacht werden von Anlegern gegen Investmentbanken, und zwar auf Entschädigung für Anleihenverluste, weil die Banken Verbriefungen verkauft hatten und die darin enthaltenen Kredite nur fahrlässig geprüft haben.

Und schließlich wird es um die Ansprüche institutioneller Anleger auf Schadensersatz gehen, weil andere Investitionsvehikel wie etwa Hedgefonds ihre Anlageentscheidungen nicht sorgfältig genug getroffen haben. Und dies sind sicher noch nicht alle möglichen Ersatzansprüche im Zusammenhang mit der Subprime-Krise, die ihren Weg vor die US-Gerichte finden werden.

Jeder Anleger, der auf diesem besonderen Markt erhebliche Verluste erlitten hat, sollte sich fragen, ob es für ihn sinnvoll ist, seine Ansprüche direkt in den USA geltend zu machen. Institutionelle Anleger, die nennenswerte Verluste im Zusammenhang mit dem Handel von Kreditverbriefungen erlitten haben, können die Rechtsverfolgung spezialisierten amerikanischen Rechtsanwälten anvertrauen, die Ansprüche des Anlegers auf Erfolgsbasis verfolgen.

Das Konzept der US-Kanzleien beruht darauf, aussichtsreiche Ansprüche ihrer Mandanten auf Erfolgsbasis und damit ohne jedes Kostenrisiko für die Mandanten geltend zu machen. Die Kanzleien übernehmen das gesamte Prozessrisiko von Gerichtskosten über Gutachterkosten bis hin zu Spesen für Tatsachenermittler und anderen anfallenden Kosten – und das auch im Falle einer Niederlage.

Da also auch europäische institutionelle Anleger ohne jegliches Kostenrisiko ihre Ansprüche geltend machen können, wäre es unverständlich, wenn sich diese passiv verhalten würden und auf ihren Verlusten aus dem Handel mit Kreditverbriefungen sitzen blieben.

Investoren klagen bereits

Institutionelle Anleger unter Handlungsdruck

US-Investoren haben bereits damit begonnen, ihre Verluste an den amerikanischen Gerichten einzuklagen. Und ebendies wäre auch europäischen Anlegern zu raten. Was darüber hinaus an Fällen im Zusammenhang mit der Subprime-Krise besonders deutlich wird, ist der Unterschied zwischen klassischen, auf Wirtschaftsrecht fokussierten Anwaltskanzleien, und spezialisierten Klägeranwälten, die auf Erfolgsbasis arbeiten.

Die möglichen Beklagten (Emissionsbanken, Hedgefonds, Versicherungsunternehmen und andere Finanzdienstleister) sind entweder bereits Mandanten dieser Wirtschaftsrechtskanzleien oder werden von ihnen umworben. Weil es zu einem Interessenkonflikt kommen würde, wenn diese Kanzleien ihre Mandanten verklagen würden, können oder wollen diese Wirtschaftsrechtskanzleien keine Kläger in solchen Verfahren vertreten. Und selbst wenn eine Wirtschaftsrechtskanzlei ein Klägermandat übernehmen würde, rechnet sie nicht auf Erfolgsbasis ab. Anwälte in derlei Kanzleien rechnen nach Stundensätzen ab. Hinzu kommt, dass Anwälte in den USA die Höhe ihrer Vergütung selbst festlegen können: eine dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) entsprechende Regelung gibt es dort nicht.

Rechtsanwälte, die ihr Honorar nach Stunden berechnen, lieben nichts mehr, als zeitintensive Aufgaben, die ihren Mandanten viel Geld kosten, sie selbst aber auch gut daran verdienen lassen. Anwälte, die auf Erfolgsbasis arbeiten, haben dagegen ein vitales Interesse daran, nur erfolgversprechende Fälle anzunehmen und die Ansprüche ihrer Mandanten dann auch effizient durchzusetzen.

Überflüssige Verfahrensmaßnahmen wie wenig oder nichts erbringende Beweiserhebungen, Anhörungen und Anforderung zahlreicher überflüssige Dokumente oder überflüssige summarische Verfahrensanträge sind ineffizient, bringen ihnen und ihren Mandanten nichts und werden daher strikt vermieden.

Institutionelle Anleger, die in CDOs oder ähnliche Verbriefungen investiert und dadurch bedeutende Verluste erlitten haben, werden zunehmend unter Handlungsdruck geraten. Sie sind aber in einer sehr guten Ausgangslage, um in den USA Entschädigungsansprüche ohne Kostenrisiko geltend machen zu können.