Finanzkrise LBBW kalt erwischt

Die Krise an den Finanzmärkten hat der Landesbank Baden-Württemberg gehörig das Ergebnis verhagelt. Die Marktverwerfungen führten bei der größten deutschen Landesbank zu Belastungen von 1,1 Milliarden Euro. Der Gewinn brach um zwei Drittel auf 311 Millionen Euro ein.

Frankfurt am Main - Eine Prognose für das laufende Jahr traute sich Siegfried Jaschinski, Chef der Landesbank Baden-Württenberg (LBBW) nicht zu. "Uns ist bewusst, dass das Umfeld an den Kapitalmärkten zumindest noch bis Mitte des Jahres außerordentlich herausfordernd bleiben dürfte", sagte er am Freitag. Wenn es weiterhin zu so starken Kursverlusten wie in den vergangenen Monaten komme, werde sich dem auch die LBBW nicht entziehen können. Allerdings sehe sich das Institut aufgrund seiner guten Kapital- und Liquiditätsausstattung in der Lage, die Abschreibungen zu verkraften.

Die im vergangenen Jahr vorgenommenen Wertkorrekturen auf das 22 Milliarden Euro schwere Portfolio an forderungsbesicherten Wertpapieren schlugen sich nur zum Teil direkt im Gewinn nieder. Rund 635 Millionen Euro verbuchten die Stuttgarter über die Neubewertungsrücklage, in der als vorübergehend geltende Wertminderungen erfasst werden.

"Aus heutiger Sicht wird die LBBW den weit überwiegenden Teil der Wertkorrekturen aufholen, da wir echte Zahlungsausfälle nur in geringer Höhe erwarten", zeigte sich Jaschinski optimistisch. In den derzeit besonders kritischen amerikanischen Ramschhypotheken (subprime mortgages) ist die LBBW nach eigenen Angaben nicht direkt investiert.

Zinsüberschuss rückläufig - Provisionen legen zu

Die LBBW gehört zu den Instituten in Deutschland, die die Finanzkrise mit voller Wucht getroffen hat. Bei der HSH Nordbank schlugen Belastungen von 1,1 Milliarden Euro zu Buche, die BayernLB musste bisher Wertkorrekturen von 1,9 Milliarden Euro vornehmen. Deutschlands größtes Institut, die Deutsche Bank, musste bis Ende 2007 über zwei Milliarden Euro abschreiben.

Im operativen Geschäft kämpfte die LBBW mit einem Rückgang bei ihrem größten Ertragsbringer, dem Zinsüberschuss. Er sank in Folge des harten Preiskampfes um 2,7 Prozent auf 2,13 Milliarden Euro. Dies konnte auch ein um knapp 17 Prozent gestiegener Provisionsüberschuss auf 584 Millionen Euro nicht ausgleichen. Außerdem legten die Kosten um 7 Prozent auf 1,65 Milliarden Euro zu.

Wegen der Belastungen durch die Finanzkrise sackte die Eigenkapitalrendite vor Steuern auf nur noch 3,7 (2006: 15,3) Prozent ab. Mittelfristig will die LBBW die Zielmarke von 15 Prozent wieder erreichen. Das Institut veröffentlichte seine Zahlen erstmals nach dem Bilanzstandard IFRS.

manager-magazin.de mit Material von reuters