Kamps Robert und die Detektive

Im Auftrag der Firma Kamps schickt die Anwaltskanzlei Hansen und Nicolai Detektive durch das Land. Die Ermittler sollen Plastikkisten aufspüren, durch deren Schwund die ohnehin angeschlagene Großbäckerei nach eigenen Aussagen 2007 eine Million Euro verloren hat.
Von Grit Beecken

Hamburg - Am 28. Dezember vergangenen Jahres streiften Mitarbeiter eines Ermittlungsdienstes durch die Hansestadt Hamburg - auf der Suche nach roten Plastikkisten der Firma Kamps. Um 15.30 Uhr wurden die Detektive in einem Buchantiquariat fündig. Dessen Inhaber Robert Berridge hatte die roten Plastikkisten, in denen seine Kunden ihm die Bücher zum Verkauf brachten, für seine Auslagen verwendet.

"Wie Ihnen bekannt sein dürfte", heißt es in einem Schreiben der Anwaltskanzlei Hansen und Nicolai vom 24. Februar, "hat eine Überprüfung Ihrer Geschäftsräume in der Stresemannstraße 167 - 169 ergeben, dass Sie unberechtigterweise die roten und/oder gelben Kisten mit dem Aufdruck 'Eigentum der Firma Kamps' versehenen Transportkisten der Firma Kamps Brot- und Backwaren GmbH nutzen".

Dass Berridge die Kisten nicht einfach auf den Müll brachte, sondern sie umweltfreundlich weiterverwendete, kam ihn teuer zu stehen: 751,80 Euro verlangte die von der Firma Kamps beauftragte Kanzlei aus Schenefeld. 631,80 Euro Geschäftsgebühr zuzüglich 20 Euro Pauschale für Post- und Telefonkommunikation. Die Dienste der ermittelnden Detektei schlugen mit 100 Euro zu Buche. Viel Geld für einen kleinen Einzelhändler.

Mit dem Schreiben vom 24. Februar flatterte Berridge ein Musterurteil des Landgerichts München I ins Haus. Unter dem Aktenzeichen 17HK O 961/06 wurde am 28. September 2006 beschlossen, dass das Vorgehen von Kamps rechtmäßig sei. Berridge mutmaßt, dass Kamps auf diese Weise weitere Klagen verhindern will. Im Münchener Fall hatte ein Döner-Verkäufer, der die begehrten Brotkisten von einem Bäcker bekommen hatte, Widerspruch gegen den Zahlungsbescheid eingelegt.

In dem Urteil heißt es: "Die Antragstellerin (Kamps, Anm. d. Red.) behauptet, dass sie jährlich durch den Verlust ihrer Brotkisten einen Schaden in Höhe von drei Millionen Euro erleide". Kamps wurde 2002 für 1,8 Milliarden Euro an den italienischen Konzern Barilla verkauft, der sich schon bald über Struktur und Gewinnschwäche der deutschen Tochter beklagte und Kamps nun zerlegt: Das Industriegeschäft will Barilla behalten, die Kamps-Bäckerfilialen stehen zum Verkauf. Künftig heißt die Industriesparte nicht mehr Kamps, sondern Lieken.

Klagen tragen Früchte

Mittlerweile scheint das Vorgehen der Detektive Früchte zu tragen. "2007 konnten wir den Schaden auf eine Million Euro begrenzen", sagt Kamps-Sprecherin Christina Stylianou. "Ein Brot kostet etwas über einen Euro. Da müssen wir ganz schön viele Brote verkaufen, um die Kosten wieder reinzukriegen".

Wie viele Fälle von Kistenmissbrauch die Schenefelder Anwälte derzeit bearbeiten, konnte Stylianou nicht sagen. Die ermittelnde Detektei beauftrage die Kanzlei selbstständig. Kamps-Sprecherin geht davon aus, dass derzeit ein "gutes Dutzend" Verfahren gegen den Kistenklau laufen, die genaue Zahl sei ihr nicht bekannt, da die Anwälte selber entschieden, gegen wen sie vorgehen.

Kamps beliefert die Einzelhändler mit Brot, das in den offensichtlich begehrten Plastikkisten geliefert wird. Am folgenden Tag holt die Firma Kamps die Kisten wieder ab und reinigt sie in einer Spezialstraße. "Es ist wichtig, dass die Kästen den Kreislauf nicht verlassen", sagt Stylianou. Auch andere Großbäckereien gehen gegen die Entwendung ihrer Brotkisten vor.

Ihrer Aussage nach kämpft Kamps aus drei Gründen gegen den Kistenklau: Die Hygiene sei nur zu gewährleisten, wenn das Brot in den unternehmenseigenen Kisten verkauft wird. Zweitens solle die Marke Kamps geschützt werden. Wenn konzernfremde Bäcker Waren in Kamps-Kisten verkaufen, so könnten Kunden mutmaßen, es handle sich um Kamps-Artikel. Drittens sei der wirtschaftliche Schaden durch den Kistenschwund immens. Wer unberechtigt in den Besitz einer Kamps-Brotkiste gelange, solle sich in der Kamps- beziehungsweise Lieken-Zentrale erkundigen, wo er sie abgeben könne.

"Manchmal gelangen Unternehmen unverschuldet an die Kisten, in Einzelfällen erlassen wir dann die Zahlung", sagt Sprecherin Stylianou. Lediglich die Kistendiebe fordere Kamps zu Zahlungen auf. Berridge dürfte ein solcher Dritter sein, zahlen musste er trotzdem.

Das Musterurteil

Dieses Schreiben verschickten die Schenefelder Anwälte als Anlage

Dieses Schreiben verschickten die Schenefelder Anwälte als Anlage

Foto: manager-magazin.de