Projekt Ravel J. P. Morgan soll die Rockwood-Übernahme für Altana finanzieren

Bei der Altana AG und ihrer Großaktionärin Susanne Klatten dürfte schon am Montag eine wichtige Entscheidung fallen: Dann wird sich nach Informationen von manager-magazin.de der Aufsichtsrat mit der geplanten Milliardenübernahme des US-Konkurrenten Rockwood befassen. Analysten und Mitarbeiter bewerten das Vorhaben kritisch.
Von Jochen Eversmeier und Kai Lange

Hamburg/Wesel - Die Beteiligten trafen sich am Donnerstag (6. März) im Welcome Hotel an der Rheinpromenade 10 am Altana-Sitz Wesel. Sie kamen, um über das geheime "Projekt Ravel" zu sprechen: die Übernahme der Rockwood Holdings Inc.  durch den deutschen Spezialchemiekonzern. Bei der Zusammenkunft präsentierte die achtköpfige Altana-Unternehmensleitung um Vorstandschef Matthias Wolfgruber (siehe Foto unten) ihre Akquisitionspläne den Vertretern einer Bank, die den Deal finanzieren soll. Dies erfuhr manager-magazin.de aus mit dem Vorgang vertrauten Kreisen.

Die Unternehmensleitung der Altana AG: (v.l.n.r.) Roland Peter (Additives & Instruments, Chef der BYK-Chemie GmbH), Martin Babilas (Finanzvorstand), Christoph Schlünken (Effect Pigments, Chef der Eckart GmbH), Matthias Wolfgruber (Vorstandsvorsitzender), Jörg Bauer (Human Resources), Guido Forstbach (Coatings & Sealants, Chef der Actega GmbH), Darya Nassehi (Strategische Unternehmensentwicklung, M&A), Wolfgang Schütt (Electrical Insulation, Chef der Elantas GmbH)

Die Unternehmensleitung der Altana AG: (v.l.n.r.) Roland Peter (Additives & Instruments, Chef der BYK-Chemie GmbH), Martin Babilas (Finanzvorstand), Christoph Schlünken (Effect Pigments, Chef der Eckart GmbH), Matthias Wolfgruber (Vorstandsvorsitzender), Jörg Bauer (Human Resources), Guido Forstbach (Coatings & Sealants, Chef der Actega GmbH), Darya Nassehi (Strategische Unternehmensentwicklung, M&A), Wolfgang Schütt (Electrical Insulation, Chef der Elantas GmbH)

Foto: Altana AG/Mirko Krizanovic

Bei dem Haus, das das Geld für den von Altana  angestrebten Zukauf bereitstellen soll, handelt es sich nach Informationen von manager-magazin.de um die US-Investmentbank J. P. Morgan. Insgesamt gehe es bei dem Geschäft um ein Volumen von 4,2 Milliarden Euro, erfuhr manager-magazin.de weiter. Altana-Sprecher Achim Struchholz lehnte auf Nachfrage einen Kommentar ab, J.-P.-Morgan-Sprecher Axel Lüdeke wollte sich ebenfalls nicht äußern.

Entscheidende Aufsichtsratssitzung am Montag

Da es keinen Vorratsbeschluss der Altana-Eigentümer für die erforderlichen Kapitalmaßnahmen gibt, will und muss sich die Unternehmensleitung ihr geplantes Refinanzierungspaket von der Hauptversammlung genehmigen lassen. Diese ist für den 5. Mai angekündigt. Die Weichen für die Tagesordnung, mit der die Altana-Aktionäre über umfangreiche Kapitalmaßnahmen informiert werden sollen, sind gestellt. Der Vorstandsvorschlag zur Tagesordnung soll bereits am Montag (10. März) auf einer Sitzung des Altana-Aufsichtsrats genehmigt werden.

Die Entwürfe der Tagesordnung, die am 27. März an die Aktionäre verschickt werden soll, enthalten nach Informationen von manager-magazin.de Beschlussanträge an die Hauptversammlung, die dem Management eine mehr als 50-prozentige Kapitalerhöhung erlauben - allerdings ohne ein konkretes Übernahmeziel zu nennen. Im Einzelnen soll sich das zur Genehmigung anstehende Refinanzierungspaket zusammensetzen aus: 900 Millionen Euro Kapitalerhöhung durch Ausgabe neuer Aktien, 500 Millionen Euro Hybrid (also eigenkapitalähnlichen langfristigen Krediten), 200 Millionen Euro Wandelschuldverschreibungen und 200 Millionen Euro Kreditlinie. Zusammen sind dies 1,8 Milliarden Euro.

Einen Teil des verbleibenden Rests von 2,4 Milliarden Euro aus dem 4,2-Milliarden-Euro-Gesamtpaket wolle Altana durch Weiterverkäufe von Rockwood-Sparten wieder hereinholen, erfuhr manager-magazin.de weiter. Etwa die Hälfte der Rockwood-Geschäfte solle nach der Übernahme verkauft werden, die zweite Hälfte komme zu Altana. Das nicht mehr benötigte Dach von Rockwood, also die Holding selbst, werde aufgelöst.

Analysten und Mitarbeiter skeptisch

Altana will Rockwoods Nichtkerngeschäfte abstoßen

Zum Verkauf gestellt werden sollen Bereiche, die nicht zum Kerngeschäft von Rockwood gehören. Altana-Primus Wolfgruber und Seifi Ghasemi, Chairman und CEO von Rockwood, wollen am 7. April zusammentreffen, um über den Deal zu sprechen. Altana-Sprecher Struchholz wollte keine dieser Informationen kommentieren.

Auch die Rockwood-Gruppe sowie ein Sprecher des Rockwood-Großaktionärs Kohlberg Kravis Roberts  (KKR) lehnten auf Nachfrage jeweils eine Stellungnahme ab. Man kommentiere keine Spekulationen, hieß es bei beiden Unternehmen.

Am Freitag hatte manager-magazin.de exklusiv berichtet, dass Altana den Spezialchemierivalen Rockwood Holdings mit Sitz in Princeton im US-Bundesstaat New Jersey für rund vier Milliarden Euro übernehmen will. Nach der Veröffentlichung verlor die Aktie von Altana  bis zum Handelsschluss am Freitag in Frankfurt fast 4 Prozent an Wert. An der Wall Street verteuerten sich die Titel von Rockwood  dagegen um mehr als 6 Prozent.

Analysten bewerteten das Übernahmevorhaben in ersten Einschätzungen am Freitag skeptisch. Einige der Rockwood-Aktivitäten würden gut zu Altana passen, aber nicht das gesamte zusammengekaufte und schwer verdauliche Konglomerat. Rockwood sei deutlich größer als Altana, zudem seien die genannten vier Milliarden Euro ein "stolzer Preis", zitierte die Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires einen Branchenexperten. Eine Reihe anderer Analysten äußerten gegenüber den Nachrichtenagenturen Bloomberg, dpa-afx und Reuters ähnliche Bedenken.

Analysten und Mitarbeiter zeigen sich skeptisch

Was Analysten zweifeln lässt, sehen auch Mitarbeiter von Altana äußerst kritisch. Sie fürchten, dass sich das derzeit nicht von nennenswerten Verbindlichkeiten belastete Unternehmen für einen Zukauf dieser Größenordnung zu stark verschulden müsse und schließlich daran verheben werde. Anlass zur Sorge bieten auch die nach der angestrebten Übernahme anstehenden Restrukturierungen und ihre womöglich negativen Folgen für Arbeitsplätze und Standorte.

Mehrheitsaktionärin von Altana ist Susanne Klatten, Tochter des Industriellen Herbert Quandt und laut manager-magazin-Ranking die reichste Frau Deutschlands. Sie hält 50,1 Prozent der Anteile und ist stellvertretende Vorsitzende des Altana-Aufsichtsrats. Das Unternehmen steigerte 2007, dem ersten Jahr nach der Abspaltung seiner Pharmasparte, den Umsatz um 7 Prozent auf knapp 1,38 Milliarden Euro. Das Vorsteuerergebnis kletterte um 130 Prozent auf 214 Millionen Euro. Der auf Spezialchemie fokussierte Konzern beschäftigt fast 4700 Mitarbeiter.

Rockwood Holdings wurde von dem Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KKR) gemeinsam mit DLJ Merchant Banking Partners (DLJMB), dem Private-Equity-Arm der Credit Suisse, aus einer Reihe zusammengekaufter Unternehmen geformt. Die beiden Partner brachten die Gruppe 2005 an die Börse und bauten ihre Beteiligung seither schrittweise ab. KKR hält nach eigenen Angaben aktuell noch knapp 40 Prozent an Rockwood, DLJ Merchant Banking besitzt etwas über 10 Prozent, gemeinsam bringen es die beiden Partner auf knapp über 50 Prozent der Rockwood-Aktien.

Rockwood beschäftigt mit 9500 Menschen etwa doppelt so viele Mitarbeiter wie Altana und erzielte im Jahr 2007 mit umgerechnet zwei Milliarden Euro auch einen deutlich höheren Umsatz. An der Börse wird Altana höher bewertet als der nach Umsatz größere Wettbewerber. Altanas Marktkapitalisierung betrug basierend auf dem Schlusskurs vom 6. März - also vor dem Bekanntwerden möglicher Übernahmepläne - rund 2,2 Milliarden Euro, Rockwood brachte es zur gleichen Zeit auf umgerechnet 1,4 Milliarden Euro.

Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.