Bahn Transnet will Tarifvertrag ohne GDL

Bei der Bahn gerät angesichts drohender neuer Streiks das mühsam gefundene Gerüst für eine Einbindung aller drei Gewerkschaften ins Wanken. Wenn die GDL nicht in der Lage sei, einen Tarifvertrag für die Lokführer abzuschließen, wollen Transnet und GDBA notfalls die GDL außen vor lassen.

Berlin - Der Streit um den eigenständigen Tarifvertrag der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) für die rund 20.000 Lokführer mit der Deutschen Bahn ruft nun auch die anderen beiden Bahn-Gewerkschaften Transnet und GDBA auf den Plan. Wenn die GDL nicht in der Lage sei, einen Tarifvertrag für die Lokführer mit der Bahn abzuschließen, sei man nicht mehr bereit, dieser Gewerkschaft einen Vorrang für diese Berufsgruppe einzuräumen, erläuterte Transnet-Sprecher Oliver Kaufhold am Mittwoch in Berlin.

Bereits am Dienstag habe man dies in einem Brief an Bahn-Chef Hartmut Mehdorn deutlich gemacht und die Bahn aufgefordert, mit der Tarifgemeinschaft aus Transnet und GDBA umgehend einen Lokführertarifvertrag auszuarbeiten. Bis zum 12. März erwarte man dazu von der Bahn ein entsprechendes Tarifangebot.

Deutsche Bahn-Personalvorstand Margret Suckale bestätigte den Erhalt eines solchen Schreibens: "Die Tarifgemeinschaft hat uns gegenüber eine entsprechende Forderung erhoben. Wir wollen uns aber - wie ursprünglich geplant - mit allen drei Gewerkschaften gemeinsam verständigen, denn nur so können wir ein gegenseitiges Hochschaukeln der Gewerkschaften vermeiden".

Bahn will einen Abschluss für drei Partner

Dafür müsse die GDL aber endlich ihre Verweigerungshaltung aufgeben. Die Deutsche Bahn wolle, dass die Lokomotivführer endlich in den Genuss höherer Löhne kommen. "Den GDL-Funktionären geht es aber offenbar um etwas ganz anderes. Sonst würden sie sich an die bisher getroffenen Absprachen vom 30. Januar halten und die Lokomotivführer könnten elf Prozent mehr Lohn bekommen", kritisierte Suckale.

Die Unterzeichnung des eigenständigen Lokführertarifvertrages mit der GDL zieht sich seit Wochen wegen des Streits um Detailfragen hin. Die GDL hatte am Dienstag mitgeteilt, ab Montag sowohl im Fern- und Regional- als auch im Güterverkehr zu unbefristeten Streiks aufrufen zu wollen, wenn die Bahn bis dahin nicht den bereits vereinbarten eigenständigen Tarifvertrag unterschreibt

Die Bahn verlangt im Gegenzug allerdings die Unterzeichnung eines sogenannten Grundlagentarifvertrages, der die Einordnung des Tarifvertrages in das Gesamttarifsystem des Konzerns regeln soll. Die GDL sieht die Eigenständigkeit ihres Tarifvertrages dadurch ausgehöhlt.

manager-magazin.de mit Material von ddp

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