Gas Kartellamt startet Massenverfahren

Das Bundeskartellamt hat ein Missbrauchsverfahren gegen rund 35 Gasversorger wegen des Verdachts überhöhter Preise eingeleitet. Betroffen sind Energieunternehmen aus allen Regionen Deutschlands. Die Aktienkurse von Eon und RWE sinken.

Bonn - Deutschlands Wettbewerbshüter haben gegen rund 35 Gasversorger ein Missbrauchsverfahren eingeleitet. Das Bundeskartellamt hat den Verdacht, dass die Unternehmen ihren Haushalts- und Gewerbekunden überhöhte Gaspreise in Rechnung stellen.

Eine vorangegangene bundesweite Untersuchung der Gaspreise aller in diesem Geschäftsfeld etablierten Gasversorger habe gezeigt, dass teilweise erhebliche Preisabweichungen von 25 bis 45 Prozent und mehr zwischen den Unternehmen bestehen, teilte die Behörde am Mittwoch in Bonn mit.

Das Kartellamt berief sich auf das Ende 2007 verschärfte Kartellrecht. Der Präsident der Behörde, Bernhard Heitzer, erklärte, die Wettbewerbsintensität im Gasmarkt für Haushalts- und Gewerbekunden sei immer noch erschreckend gering. "Nach derzeitigen Erkenntnissen erheben eine Reihe von Unternehmen Gaspreise in einer Höhe, die sie bei funktionierendem Wettbewerb nicht fordern könnten", kritisierte er. Selbst dort, wo die Netzentgelte niedrig seien, werde dieser Kostenvorteil oft nicht an die Kunden weitergegeben.

Das Kartellamt verwies darauf, dass einige Landeskartellbehörden bereits Verfahren eingeleitet haben. Zudem hätten Landesbehörden auch die Zuständigkeit für zahlreiche weitere Unternehmen an das Bundeskartellamt abgegeben. Daher werde es möglicherweise weitere Verfahren geben. Betroffen seien Unternehmen aus allen Regionen Deutschlands, städtische und ländliche Versorger, eigenständige Stadtwerke sowie Versorger, die Beteiligungsunternehmen der vier großen Verbundunternehmen EnBW , Eon , RWE  und Vattenfall Europe  sind.

Die vom Kartellamt untersuchten Preisbestandteile machen gut 55 Prozent des Brutto-Gaspreises aus. Der Erdgasabsatz in Deutschland an Haushalt und Gewerbe betrug nach Angaben der Behörde im Jahr 2006 rund 480 Milliarden Kilowattstunden. Die Unternehmen erzielten dabei einen Umsatz in Höhe von 17,28 Milliarden Euro.

An der Börse sanken kurz nach der Ankündigung des Kartellamtes die Aktienkurse von Eon  und RWE  deutlich. Die Anteilsscheine der beiden bedeutendsten deutschen Energieversorger rutschten gegen den heutigen Börsentrend bis zu 1 Prozent ins Minus.

manager-magazin.de mit Material von ddp, dow jones, dpa und reuters

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