Volkswagen/Porsche Piëchs Machtdemonstration

Am Montag Vormittag Scania, nach dem Mittagessen Volkswagen - der Automobilgrande Ferdinand Piëch hat heute an zwei wichtigen Entscheidungen mitgewirkt: Volkswagen übernimmt die Mehrheit am Lkw-Bauer Scania und der Porsche-Aufsichtsrat gibt freie Fahrt für die Übernahme von Volkswagen.

Hamburg - Der Porsche-Aufsichtsrat hat grünes Licht für die Aufstockung der Volkswagen-Anteile des Sportwagenbauers auf über 50 Prozent gegeben. "Unser Ziel ist die Schaffung einer der innovativsten und leistungsstärksten Automobilallianzen der Welt, die dem verschärften internationalen Wettbewerb gerecht wird", sagte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking am Montag in Stuttgart nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung.

Porsche  werde nun alle erforderlichen kartellrechtlichen Schritte einleiten. Die Prüfung könne einige Monate dauern. Danach werde Porsche die Aktienmehrheit an Volkswagen  erwerben. Eine Fusion der beiden Unternehmen sei jedoch nicht geplant. Derzeit hält der Stuttgarter Sportwagenbauer knapp 31 Prozent an den Wolfsburgern.

Zugleich übernimmt Volkswagen die Kontrolle beim schwedischen Lastwagenbauer Scania . Volkswagen kauft der schwedischen Familie Wallenberg deren Scania-Anteile für rund 2,9 Milliarden Euro ab, wie das Unternehmen am Montag in Wolfsburg mitteilte. Damit erhöht Volkswagen seinen Stimmrechtsanteil an Scania auf insgesamt 68,6 Prozent.

Trotz der Übernahme will Volkswagen die lange diskutierte Fusion der Schweden mit der bayrischen MAN  offenbar nicht vorantreiben; Volkswagen ist derzeit mit etwa 30 Prozent auch an MAN beteiligt. "Es wird keine Fusion von MAN, Scania und VW-Nutzfahrzeuge geben", sagte Piëch am Vorabend des Genfer Autosalons. Volkswagen-Chef Martin Winterkorn sagte den Schweden offenbar bereits zu, den fünftgrößten europäischen Nutzfahrzeugbauer als selbstständiges Unternehmen zu erhalten. An der Börse und bei MAN ist dennoch die Hoffnung auf eine Mega-Fusion zum größten Lkw-Konzern des Kontinents gewachsen.

Der Porsche-Aktionär und frühere Volkswagen-Chef Ferdinand Piëch hat heute anschließend und überraschend sein Amt im Porsche-Aufsichtsratspräsidium niedergelegt. Nachfolger werde sein Bruder Hans Michel Piëch, der ebenfalls Anteile an der Sportwagenfirma hält, teilte Porsche nach einer außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrats mit.

Die Aktien von Porsche und Volkswagen haben mit Kursgewinnen auf das grüne Licht des Porsche-Aufsichtsrats reagiert. "Das ist keine wirklich überraschende Nachricht, sie schürt aber das Feuerchen wieder ein bisschen an", erklärte Giuseppe Amato vom Brokerhaus Lang & Schwarz. "Das war jetzt nur ein formaljuristischer Schritt, und das heißt nicht, dass Porsche zwingend die Mehrheit an Volkswagen übernehmen muss."

Der Volkswagen-Aktienkurs kletterte um 1,57 Prozent auf 152,354 Euro, nachdem er in einer ersten Reaktion bis auf 154,30 Euro zugelegt hatte. Die MAN-Aktie legte um 4,31 Prozent auf 90,98 Euro zu.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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