Übernahme durch VW Scania und die Angst vor den Deutschen

Scania-Chef Leif Östling fügt sich nach langem Kampf um die Unabhängigkeit des schwedischen Lkw-Herstellers. Die Wallenbergs haben all ihre Scania-Anteile an VW verkauft. Der deutsche Automobilhersteller hält damit 68,6 Prozent der Stimmrechte.
Von Susanne Schulz

Stockholm - Vor klassischer Kulisse am Stockholmer Strömkajen in der Operaterassen haben sich die Granden von Volkswagen, Investor AB und Scania  versammelt, um die "positiven Zukunftsaussichten Scanias" immer wieder aufs Neue zu beschwören.

Dicht gedrängt in dunklen Anzügen sitzen sie in einer Reihe: VW-Vorstand Hans Dieter Pötsch, VW-Vorstandsvorsitzender Martin Winterkorn, Investor-Chef Börje Ekholm und am Eck Scania-CEO Leif Östling. Es ist spürbar unter den schwedischen Pressevertretern: Die neue Dominanz der Deutschen an diesem Tisch ist irgendwie unangenehm.

"Wir heißen VW nun zum zweiten Mal als Großaktionär bei Scania willkommen", sagt Leif Östling mit schwachem Lächeln und fällt in den Chor über die "strahlenden Aussichten" für Scania ein. Dass das Geschäft weiterhin gut laufen werde, dass die VW-Beteiligung eine "solide Eignerstruktur" schaffe und sich das auch positiv auf den Aktionärswert auswirken werde.

Dennoch wirkt der Schwede blass und erschöpft. So lange hatte sich der als kämpferisch und burschikos geltende Scania-Chef gegen die Übernahmeversuche des deutschen Konkurrenten MAN  gewehrt und auf die Rückendeckung von der schwedischen Großindustriellenfamilie Wallenberg zählen können.

Die Wallenbergs halten über Stiftungen und ihr Finanzvehikel Investor AB  große Anteile an dem schwedischen Konzern. Oder besser: hielten.

Denn nun wurden all die Wallenbergschen Scania-Aktien für insgesamt knapp 2,9 Milliarden Euro an den anderen Deutschen im Bunde verkauft: an die Volkswagen AG .

"Ja, ich fühle mich wohl."

"Ja, ich fühle mich wohl."

Damit rückt VW seinem Plan näher, das eigene Lkw-Geschäft mit MAN und Scania zu verbinden. Das sei jedoch "keine Frage, die sich heute stellt", sagt VW-Finanzchef Pötsch, obwohl es Zusammenschluss-Potenzial zwischen allen drei Unternehmen gebe. Auch VW-Primus Winterkorn plant derzeit keine Neugründung. Scania soll weiter als eigenständiges Unternehmen an der Börse gelistet bleiben. Auch eine Platzierung von MAN-Vertretern im Scania-Aufsichtsrat sei ausgeschlossen, so Winterkorn und Pötsch.

Für Scania soll sich also eigentlich nichts ändern. Sogar die schwedischen Gewerkschaften, mit denen Scania-Vormann Östling noch am Morgen vor der Pressekonferenz gesprochen hatte, schienen seiner Meinung nach zufrieden zu sein.

Er selbst bleibe im Amt bis sein Vertrag im kommenden Jahr auslaufe. "Danach müssen wir wohl miteinander sprechen", sagt Östling. Als ihn ein Journalist auf Schwedisch fragt, ob er sich denn auch wirklich neben den Deutschen dort wohl fühle, sagt er: "Ja, ich fühle mich wohl."

VW-Lenker Winterkorn muss man danach gar nicht erst fragen. Er sitzt fröhlich und selbstsicher in der Mitte und jede seiner Äußerungen beginnt er mit einem beeindruckenden Zahlenbeispiel, das die Vorzüglichkeit der VW Group unterstreichen soll. "Wenn es ein Unternehmen gibt, das acht Automarken gut führen kann, dann ist das VW. Da werden wir ja wohl noch eine neunte stemmen", prahlt er.

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