Entlassungswelle Politiker drohen Managern

Siemens, BMW, Henkel: Obwohl die Konzerne hohe Gewinne einfahren, werden Tausende Arbeitsplätze abgebaut. Politiker fordern nun Maßnahmen. Die SPD schlägt sogar vor, Managern die Aktienoptionen zusammenzustreichen.

Berlin - Der Autokonzern BMW  will 8100 Mitarbeiter entlassen , Henkel  will 3000 Stellen streichen. Und das, obwohl bei beiden Unternehmen die Gewinne sprudeln. Auch Siemens  reduziert weltweit Tausende Arbeitsplätze. Die Politik gerät angesichts der aktuellen Entlassungswelle in Rage.

Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) kritisierte die Großkonzerne für die angekündigten Massenentlassungen. Die Unternehmen sollten ihre gute Auftragslage nutzen und ihrer Verantwortung gerecht werden. Statt Beschäftigung trotz guter Geschäftslage abzubauen, sollten sie Menschen einstellen und qualifizieren, forderte Scholz am Donnerstag in Berlin.

Die SPD prescht bereits mit Maßnahmen vor, wie man den Job-Kahlschlag bei Deutschlands Unternehmen eindämmen kann: Die Bezahlung von Managern mit Aktienoptionen müsse begrenzt werden, fordert Rainer Wend, der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion. Zudem müsse überlegt werden, die Spekulationsfrist für Aktien zu verlängern und das Stimmrecht für Aktionäre an die Haltefrist zu knüpfen.

"Wir müssen Anreize setzen, um kurzfristige Spekulationen zu reduzieren", sagte Wend der "Berliner Zeitung". Es sei problematisch, dass Unternehmen immer mehr dazu übergingen, sich nur an der nächsten Aktionärsversammlung zu orientieren, statt sich mittel- und langfristig aufzustellen.

Unions-Fraktionsvize Michael Meister (CDU) sagte der "Berliner Zeitung", es sei nicht nachvollziehbar, dass die Unternehmen einerseits über Fachkräftemangel klagten, andererseits aber Mitarbeiter entließen. Langfristiges Denken wäre, wenn Mitarbeiter entsprechend qualifiziert werden. Die Unternehmen müssten ihre Kommunikationsstrategie überdenken. "Es ist nicht vermittelbar, wenn gleichzeitig Gewinne und Entlassungen verkündet werden", sagte Meister.

In München demonstrierten nach Gewerkschaftsangaben am Donnerstag rund 800 Siemens-Mitarbeiter gegen den geplanten Stellenabbau in der Telefonanlagensparte SEN. Nach einer außerordentlichen Betriebsversammlung im SEN-Stammhaus in der Hofmannstraße marschierten die Beschäftigten mit Trillerpfeifen und Protestplakaten auf. Michael Leppek vom Siemens-Team der IG Metall forderte den Erhalt der Arbeitsplätze und ein tragfähiges Konzept für die Unternehmenssparte. "SEN muss zukunftsfähig sein", rief er unter dem Beifall der Beschäftigten. Die Gewerkschaft warte jetzt auf ein Signal des Managements. Am Standort München arbeiten der IG Metall zufolge 1700 SEN-Beschäftigte, davon 1400 im Stammhaus.

Den Arbeitsmarkt insgesamt dürfte der Stellenabbau wegen der derzeit guten Lage nicht belasten, sagte der BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise am Donnerstag in Nürnberg bei der Verkündung der aktuellen Zahlen vom Arbeitsmarkt. "Der Stellenabbau bei einigen Großunternehmen ist immer noch kleiner als der unspektakuläre Aufbau an Beschäftigung in kleinen und mittleren Betrieben."

manager-magazin.de mit Material von ddp, dpa und reuters

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