UBS Zoff auf dem Aktionärstreffen

Die Aktionäre der Schweizer Großbank UBS haben dem Einstieg von Staatsfonds aus Singapur und Nahost widerwillig zugestimmt. Die Bankspitze musste heftige Kritik einstecken. Doch am Ende zählte, dass die Milliardenspritze das Überleben der UBS sichern soll.

Basel - Der Staatsfonds von Singapur kann sich an der Schweizer Großbank UBS  beteiligen. Die UBS-Aktionäre stimmten am Mittwoch auf der außerordentlichen Generalversammlung in Basel für eine solche Beteiligung der Government of Singapore Investment Corporation (GIC). Der Fonds wird elf Milliarden Franken (6,8 Milliarden Euro) über eine Pflichtwandelanleihe einschießen und damit etwa 8,8 Prozent des Aktienkapitals der Bank halten. Damit ist der Stadtstaat größter Einzelaktionär der Bank.

Mit weiteren zwei Milliarden Franken eines unbekannten Investors aus Nahost will die UBS ihre Schäden aus der Kreditkrise begrenzen, in der sie 21 Milliarden Franken abschreiben musste. Erstmals wurde 2007 auch ein Verlust von knapp 4,4 Milliarden Franken ausgewiesen, der Ausblick für 2008 ist nicht gut. Dennoch lehnten die Aktionäre mit knapper Mehrheit eine Sonderprüfung der Bank ab.

Dass aber immerhin 45 Prozent der Aktionäre für den Ethos-Antrag stimmten, werteten Experten als Schuss vor den Bug für Präsident Marcel Ospel. Ospel musste herbe Kritik einstecken. "Eine Bank ist kein Kasino. Sie haben hohe Wetten abgeschlossen und sie haben viel verloren", sagte ein Aktionär. Und das war noch eine der zurückhaltenderen Äußerungen. Ein anderer Anteilseigner etwa sagte, es wäre wohl besser, den gesamten Verwaltungsrat zu ersetzen und ihm seine Pensionen zu streichen. Das Verfahren des Einstiegs der Staatsfonds war unter anderem auch dafür kritisiert worden, dass sich die bisherigen Anteilseigner an der Kapitalerhöhung zunächst nicht beteiligen können.

Die Aktionäre genehmigten die Pläne der UBS-Führung, den Altaktionären bis zu 103,7 Millionen von insgesamt bis zu 381,5 Millionen neu zu schaffenden UBS-Aktien anzubieten. Die neuen Aktien werden durch die Umwandlung von 10,3 Milliarden Franken (6,4 Milliarden Euro) frei verwendbarem Eigenkapital in Aktienkapital geschaffen. Dank der Pflichtwandelanleihe, der Umwandlung der Dividende und einer Neuklassifizierung von ursprünglich zur Vernichtung bestimmten eigenen Aktien kann die UBS ihre Kapitalbasis um insgesamt 19,4 Milliarden Franken erhöhen.

Ospel lehnt Rücktritt ab

Ospel lehnt Rücktritt ab

Die Führung der Schweizer Großbank räumte erneut Fehler bei der Behandlung der Kreditkrise in den USA ein. "Wir sind zutiefst enttäuscht, dass es uns nicht gelungen ist, die Marktsignale im amerikanischen Immobilienmarkt frühzeitig zu erkennen", sagte der Präsident des UBS-Verwaltungsrates, Marcel Ospel. "Es steht außer Frage, dass wir gewisse Entwicklungen falsch beurteilten."

Einen mehrfach geforderten Rücktritt lehnte Ospel erneut ab. "An der Spitze eines Unternehmens zu stehen, erfordert neben der Pflichterfüllung auch Loyalität, Ausdauer und Mut", sagte der UBS-Chefaufseher.

Am Rande der Generalversammlung wurden Berichte bestätigt, dass sich die UBS gegen eine Klage der HSH Nordbank aus Hamburg mit einer Gegenklage wehrt. Die Landesbank hatte am 24. Februar angekündigt, wegen eines Investments auf dem US-Immobilienmarkt gegen die UBS vorgehen zu wollen. Das Investment sei von UBS strukturiert und verwaltet worden. Damit hat die HSH Nordbank nach eigenen Angaben erhebliche Verluste erlitten.

Nun reichte die UBS ihrerseits in London eine Gegenklage ein. Die UBS habe alle vertraglichen Verpflichtungen erfüllt, die Transaktion stelle keine Vertragsverletzung dar. UBS habe HSH zu einem Schlichtungsverfahren geladen, hieß es weiter.

Ein Sprecher der HSH Nordbank bestätigte die Klage. Darin gehe es darum, das Verfahren von New York nach Großbritannien zu verlagern. "Wir sehen das als unzulässig und gegenstandslos an", sagte ein HSH-Nordbank-Sprecher am Mittwoch. Dies sei ein "prozessuales Störmanöver". Die Klage der norddeutschen Bank gegen die UBS in New York sei inzwischen eingereicht.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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