Montag, 20. Mai 2019

Siemens "Für manche Mitarbeiter ein Schock"

2. Teil: "Sehr wertvolle Informationen"

mm.de: Haben Sie Kontakt zu den Mitarbeitern?

Solmssen: Selbstverständlich. Das ist mir sehr wichtig. Ich war zum Beispiel neulich in Südamerika und habe dort insgesamt vier Gesprächsrunden geführt, jeweils mit 150 bis 200 Mitarbeitern. Es gab rege Diskussionen, die zu viel Aufklärung geführt haben. So etwas müssen wir beibehalten.

mm.de: Aus dem Unternehmen hört man, dass einige Mitarbeiter von den umfassenden Ermittlungen genervt sind. Woran liegt das?

Solssen: Ein wichtiger Bestandteil unserer Ermittlungen ist, dass teilweise auch E-Mails überprüft werden. Dazu müssen die Computer von Mitarbeitern vorübergehend konfisziert werden, um Kopien von den Festplatten machen zu können. Das ist für manche Mitarbeiter ein Schock, weil sie auch private Dinge auf ihrem Computer gespeichert haben. Es kann auch vorkommen, dass wir plötzlich alle Verträge brauchen, die mit einem bestimmten Projekt zu tun haben. Dann müssen Mitarbeiter die entsprechenden Papiere heraussuchen und Kopien machen - da fühlen sich einige von ihrer täglichen Arbeit abgelenkt. Es kamen sogar Gerüchte auf, Geschäftsgeheimnisse würden an die Konkurrenz weitergereicht werden. Das ist natürlich absoluter Unsinn.

Leider können wir den betroffenen Mitarbeitern nicht immer konkret erklären, warum die jeweilige Maßnahme gerade notwendig ist. Das könnte die laufenden Ermittlungen behindern. Wir können allerdings versichern, dass Akten bei uns absolut sicher sind und wir natürlich Datenschutzbestimmungen einhalten und Persönlichkeitsrechte wahren. Nur einige wenige autorisierte Personen haben Zugang zu den Akten.

mm.de: Seit Anfang November läuft ein Amnestieprogramm für reuige Mitarbeiter. Wie viele Mitarbeiter haben inzwischen ausgesagt und Straffreiheit erbeten?

Solmssen: Knapp 90 Mitarbeiter. Das Programm läuft noch bis Ende Februar.

mm.de: Wie wertvoll waren diese Informationen?

Solmssen: Sehr wertvoll. Ich kann natürlich nicht über Einzelheiten reden. Aber das Amnestieprogramm hat die Untersuchungen sicherlich sehr beschleunigt.

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