Landesbanken Rollenspiele

Der Stern vieler Landesbanken sinkt schon lange. Die weltweite Finanzkrise hat den sieben eigenständigen Instituten noch einmal schmerzlich bewusst gemacht: Landesbanken in ihrer heutigen Form haben keine Zukunft mehr.

Frankfurt am Main - Der Handlungsdruck ist größer denn je. Die wohl geplatzte Fusion von WestLB und Helaba ist aber ein Beispiel dafür, wie schwerfällig die öffentlichen Banken vom Fleck kommen. Dabei verfolgen hochrangige Banker und Politiker schon seit Jahren die Vision von einem großen Spitzeninstitut.

Was die Landespolitik nicht schafft, soll nun die Bundesregierung regeln: Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers sprach vor wenigen Tagen von einer "bundesweiten Krise" bei Landesbanken und rief sogar die Bundesregierung zum Handeln auf. Der Bund müsse eine "aktive Rolle" bei der Neuordnung des Sektors übernehmen, forderte der CDU-Politiker.

Das ist ungewöhnlich, denn bislang hatten sich die Länder-Herren vehement gegen eine Einmischung des Bundes bei "ihren Landesbanken" zur Wehr gesetzt. Einige Fusionsvorhaben in der jüngeren Vergangenheit waren nicht zuletzt an politischen Landesinteressen und persönlichen Befindlichkeiten der Ministerpräsidenten gescheitert.

Bundesfinanzministerium sieht die Länder in der Pflicht

Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis betont unermüdlich, dass es in Deutschland schon lange nur zwei bis drei Landesbanken geben würde, wenn es allein nach den bundesweit rund 450 Sparkassen ginge. Das Bundesfinanzministerium sieht jedoch eindeutig die Länder in der Pflicht, den von der Krise an den US-Märkten für bonitätsschwache Hypothekenkredite (Subprime) hart gebeutelten Sektor neu auszurichten. "Wir brauchen leistungsfähige Einrichtungen mit funktionierenden Geschäftsmodellen - bisher war das unzureichend", mahnte Finanzstaatssekretär Thomas Mirow.

Vor allem bei der SachsenLB und der WestLB wurde durch die Krise klar, wie dringend die Banken tragfähige Geschäftsmodelle benötigen, die ihnen langfristige und sichere Erträge bringen. Beide Institute hatten jahrelang einen Großteil ihrer Erträge mit riskanten Subprime-Engagements erwirtschaftet. Das solide Geschäft mit Kunden aus dem Mittelstand haben die Landesbanken dagegen vernachlässigt. Der dramatische Wertverlust der Subprime-Papiere brachte die Banken Ende 2007 plötzlich in die Bredouille. Sie konnten nur durch milliardenschwere Garantien ihrer Eigentümer - dem Land und den Sparkassen - gerettet werden. Die SachsenLB wurde schließlich an die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) verkauft. Und wohin die Reise für die WestLB nach der wahrscheinlich geplatzten Helaba-Fusion geht, steht in den Sternen.

Bayern verweigert Juniorrolle

Nach dem überraschenden Führungswechsel bei der BayernLB, die durch die US-Subprime-Krise ebenfalls empfindlich getroffen wurde und deshalb ihren Chef Werner Schmidt vor die Türe setzt, kochen wieder Spekulationen über eine Fusion mit der LBBW hoch.

Experten sind sich einig, dass ein Zusammenschluss der beiden größten Landesbanken für alle Beteiligten ein sinnvoller Schritt wäre. Doch wieder einmal gilt: Vor der Landtagswahl der Bayern im Herbst wird sich laut Kreisen aus dem Umfeld der Banken gar nichts tun. Und auch danach ist ein Zusammengehen unwahrscheinlich, so CSU-Politiker. Bayern werde sich nicht mit der Juniorrolle anfreunden und den Finanzplatz München schwächen.

Das alles macht deutlich: Die ultimative Lösung für Landesbanken ist schwer zu finden. Allein durch Fusionen komme der Sektor sowieso nicht aus seiner Krise, machte der Präsident des Bundesverbands der Öffentlichen Banken (VÖB), LBBW-Chef Siegfried Jaschinksi, diese Woche in Berlin deutlich. Nur wenn auch langfristig Erträge und Kosten durch ein Zusammengehen mit einer anderen Landesbank optimiert werden könnten und die Häuser ein solides Geschäftsmodell haben, machten Fusionen Sinn.

Patricia Nann, reuters

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