Kosovo-Konflikt Serben stürmen US-Botschaft in Belgrad

Bei einer Massendemonstration in Belgrad gegen die Unabhängigkeit des Kosovo sind serbische Randalierer in die US-Botschaft eingedrungen und haben dort Feuer gelegt. Auch andere Vertretungen wurden von den Fanatikern attackiert - darunter auch die deutsche Botschaft.

Belgrad - An den Krawallen waren mehrere hundert junge Serben beteiligt. Mit Stöcken und Metallstangen bahnten sie sich einen Weg in die US-Botschaft, deren Fenster und Türen mit Brettern und Gittern geschützt waren. Junge Männer brachen die Stahlgitter von den Fenstern heraus und rissen im ersten Stock die US-Flagge von ihrem Mast.

Die Fanatiker zündeten das Wachhäuschen vor der US-Botschaft und die US-Flagge an und ersetzten sie durch die serbische.

Aus dem Gebäude wurden Stühle und Papiere geworfen. Die serbische Polizei schützte das Gebäude nicht, das seit einer gewaltsamen Demonstration Anfang der Woche geschlossen wurde. Augenzeugen berichteten von Flammen auch im Innern des Gebäudes.

Auch deutsche Botschaft angegriffen

Mehrere hundert junger Serben griffen auch die deutsche Botschaft in Belgrad an. Es seien zahlreiche Fensterscheiben zu Bruch gegangen, berichteten Augenzeugen vor Ort. Zum Zeitpunkt des Angriffs waren keine Polizisten vor dem Gebäude zu sehen. Die Randalierer zogen sich erst nach einem verspäteten Polizeeinsatz zurück. Die deutsche Botschaft liegt in der selben Straße wie die US-Vertretung.

Zudem bewarfen die Randalierer auch die türkische, die kroatische und die bosnische Botschaft mit Steinen.

Wie ein Sprecher des Außenministeriums in Washington mitteilte, drangen die Demonstranten nach Büroschluss in den Konsularbereich der Botschaft ein. Zu jenem Zeitpunkt befanden sich nach seinen Angaben keine Botschaftsmitarbeiter in dem Gebäude.

Washington forderte die serbischen Behörden auf, die diplomtische Vertretung zu schützen. Die US-Regierung sei mit den entsprechenden Stellen im Kontakt, damit Serbien seine internationalen Verpflichtungen erfülle, sagte Sean McCormack, Sprecher des US-Außenministeriums.

Bundesregierung in Sorge

Bundesregierung in Sorge

Die Bundesregierung beobachtet die Lage in Serbien mit großer Sorge. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) telefonierte noch am Abend mit der Regierung in Belgrad und forderte sie auf, die Sicherheit der Botschaften zu gewährleisten und für eine Beruhigung der Lage in der Hauptstadt zu sorgen.

Die jungen Leute hatten sich aus einer von der Regierung organisierten Großkundgebung gegen die Unabhängigkeit des Kosovo gelöst. An dieser Demonstrationen hatten rund 200.000 Menschen teilgenommen. Die Demonstration stand unter dem Motto "Kosovo ist Serbien".

Der Protest gilt der am vergangenen Sonntag ausgerufenen Unabhängigkeit der mehrheitlich von Albanern bewohnten, früheren serbischen Provinz Kosovo. Die Serben betrachten das Kosovo als ihr historisches Siedlungsgebiet auf dem Balkan. "Kosovo ist serbisch und wird es für immer bleiben", sagte der nationalkonservative Regierungschef Vojislav Kostunica. Serbien werde unter keinem Druck oder Drohung auf das Kosovo verzichten, sagte er in seiner emotional aufgeladenen Rede unter regem Beifall der Menge am späten Nachmittag.

Gewaltsame Ausschreitungen waren befürchtet worden. Schon zu Beginn der Woche waren in Belgrad die US-Botschaft, McDonald's-Filialen und andere westliche Einrichtungen, aber auch Büros der prowestlichen Liberaldemokratischen Partei angegriffen worden.

Trotz der Proteste Serbiens erkannte inzwischen auch Italien das Kosovo als unabhängigen Staat an. Zuvor hatten unter anderem die USA, Deutschland, Großbritannien und Frankreich die Unabhängigkeit des Kosovo anerkannt.

Auch im Norden des Kosovo kam es zu Gewalt: Hunderte serbische Reservisten attackierten am Donnerstag im Norden des Kosovos bei Merdare einen Grenzposten. Sie riefen "Kosovo ist unser! Kosovo ist Serbien!" und bewarfen Polizisten sowie Soldaten der Nato-geführten Friedenstruppe KFOR mit Steinen und zündeten Autoreifen an. Die Reservisten, die zum Teil Uniform trugen, hatten auf serbischer Seite am Kosovo-Krieg von 1998 und 1999 gekämpft. Sie waren nach Angaben der Uno-Polizei mit Bussen aus der serbischen Stadt Kursumlija angereist und brachten auch einen Bulldozer mit, mit dem sie auf kosovarisches Gebiet vordrangen. Die Polizei errichtete Straßensperren.

Das Kosovo soll laut dem Entwurf der künftigen Verfassung weiter unter internationaler Beobachtung stehen, multiethnisch zusammengesetzt sein und den Minderheiten starke Rechte zusichern. Die Verfassungskommission, die nach der Unabhängigkeitserklärung eine Informationskampagne startete, teilte auf ihrer Website mit, die Republik Kosovo sei ein unabhängiges Land, das demokratisch regiert werde und die Menschenrechte all seiner Bewohner respektiere.

manager-magazin.de/Spon/dpa/Ap

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