Übernahmespekulation SocGen mit Rekordverlust

Die von einem Handelsskandal erschütterte Société Générale setzt trotz eines Rekordverlusts weiter auf ihre Eigenständigkeit. Die Spekulationen des Händlers Jerome Kerviel haben ein Milliardenloch in der Quartalsbilanz hinterlassen - einige Investoren spekulieren nun auf ein Übernahmeangebot von BNP.

Paris - Dafür habe er den klaren Auftrag des Verwaltungsrates, sagte Bankchef Daniel Bouton in einem Reuters-Interview anlässlich der Vorlage der jüngsten Geschäftszahlen. Der Fehlbetrag der Bank lag im vierten Quartal wie erwartet bei netto 3,35 Milliarden Euro, wie das französische Geldinstitut am Donnerstag mitteilte. Ihr Aktienkurs zog zu Handelsbeginn um 0,7 Prozent an.

Die Société Générale  hatte das Minus bereits im Januar nach Bekanntwerden des milliardenschweren Handelsskandals prognostiziert, für den die Bank den Händler Jerome Kerviel verantwortlich macht. Im vierten Quartal des Vorjahres hatte das Institut allerdings noch einen Gewinn von 1,18 Milliarden verbucht.

Der nun verbuchte Verlust könnte die Société Générale Marktspekulationen zufolge zu einem begehrten Übernahmeziel machen. Viele Analysten vermuten, dass Frankreichs größte an der Börse notierte Bank, die BNP Paribas , für die Société Générale bieten könnte. Bouton lehnte einen Kommentar zu diesen Spekulationen ab.

Der Verwaltungsrat habe ihn beauftragt, die Krise zu bewältigen, sagte er. Ein eigenständiges Unternehmen zu bleiben, sei trotz des Handelsbetrugs und der Finanzkrise die beste Strategie im Sinne der Aktionäre.

Die bisher angekündigten Abschreibungen im Zuge der weltweiten Kreditkrise basierten auf einigen der konservativsten Schätzungen in der Bankenbranche, sagte Bouton auf die Frage, ob weitere Abschreibungen zu erwarten seien.

Kontrollmechanismen mangelhaft

Derweil weisen interne Ermittlungen wegen des verheerenden Handelsskandals bei Société Générale auf Mängel im Kontrollsystem hin. Fehlende Kontrollmechanismen sowie nicht ausreichende Überprüfungen hätten verhindert, dass die illegalen Geschäfte des Aktienhändlers Jerome Kerviel früher aufgedeckt wurden, heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten vorläufigen Bericht. Es gebe keine Belege dafür, dass Kerviel Komplizen innerhalb oder außerhalb der Bank gehabt habe.

Der Aktienhändler habe bereits 2005 und 2006 kleinere nicht authorisierte Handelspositionen aufgebaut, ab März 2007 sei es dann um größere Geschäfte gegangen, hieß es. Die Ermittler wollen ihre Untersuchungen fortsetzen und bei der Hauptversammlung am 27. Mai einen Bericht vorlegen.

Die Société Générale war durch die Geschäfte von Kerviel in eine tiefe Krise gestürzt worden. Erst Ende Januar hatte die Bank den Skandal aufgedeckt, durch den sie insgesamt 4,9 Milliarden Euro verlor.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afx

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