Donnerstag, 7 Uhr Die Razzia bei den Zumwinkels

Donnerstag, 7 Uhr morgens. Bei Familie Zumwinkel im Kölner Stadtteil Marienburg klingelt es an der Tür. Draußen steht die Steuerfahndung. manager-magazin.de schildert jenen Tag im Leben von Post-Chef Klaus Zumwinkel, der - ob schuldig oder nicht - das Ende seiner Dienstfahrt eingeläutet hat.

Köln - Zuerst waren die Reporter da. Schon um 5 Uhr am Donnerstagmorgen bringt sich ein Kamerateam vor der Villa von Post-Chef Klaus Zumwinkel im vornehmen Kölner Stadtviertel Marienburg in Position. Im Haus ist zu der Zeit noch alles ruhig und dunkel. Das ändert sich erst zwei Stunden später.

Gegen 7 Uhr dann passiert, worauf die Leute vom ZDF warten: Zehn Beamte von Steuerfahndung und Staatsanwaltschaft erscheinen. Als die Ermittler klingeln, dauert es eine ganze Weile, bis im Haus das Licht angeht und die Tür geöffnet wird - der Post-Chef ist offenbar nicht auf Besuch vorbereitet.

Gut fünf Stunden sichten die Beamten bei ihrer Durchsuchungsaktion Akten, führen Gespräche auch mit zwei herbeigeeilten Rechtsanwälten. Alles hinter zugezogenen Vorhängen. Ähnliches spielt sich zeitgleich in den Büroräumen von Zumwinkel in der Zentrale der Deutschen Post in Bonn ab, die ebenfalls durchsucht werden.

In Köln belagern inzwischen Reporter das zweistöckige Haus der Zumwinkels. Gegen 12.15 Uhr fahren zwei Polizeilimousinen in die Villen-Einfahrt. Es wird spektakulär. Die Polizei nimmt den 64-jährigen Topmanager vor laufenden Kameras mit. Beobachter werden später sagen, Zumwinkel habe entspannt gewirkt, ein Lächeln sei sogar über seine Lippen gehuscht.

Tatsächlich ist der Post-Chef nur für einen kurzen Augenblick zu sehen, als er in das Auto einsteigt. Im Polizeiauto geht es dann nach Bochum, wo die Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft für Wirtschaftssachen den 64-Jährigen vernimmt. Gegen den Konzernlenker wird wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung ermittelt. Er soll mit Geldanlagen in Stiftungen in Liechtenstein Steuern in Höhe von rund einer Million Euro hinterzogen haben. Zumwinkel sagt in Bochum zum Vorwurf aus. Er kooperiert und bietet eine laut Staatsanwaltschaft nicht unerhebliche Sicherheitsleistung an. Ein Haftbefehl gegen ihn wird außer Vollzug gesetzt.

Bis der erste Anwalt - ein Kölner Steuerrechtler - eintrifft, vergehen fast zwei Stunden. Informationen kann er nicht geben. "Weil ich nichts weiß", sagt er, während er auf Einlass vor dem Tor wartet. Auf dem Beifahrersitz seines Sportwagens hat er nachlässig zwei Zettel liegen lassen: Einer trägt die Überschrift "dringend" und listet Handynummern von Kripo-Leuten auf, der zweite enthält Namen, Anschrift und die private Telefonnummer Zumwinkels.

Drei Stunden nach Beginn der Durchsuchung betritt ein namhafter Frankfurter Steuerrechtsanwalt die umlagerte Villa mit dem unauffälligen Namensschild "Zumwinkel" an der Klingel mit Kamera und Gegensprechanlage. Weiter dringen keine Nachrichten auf die hinter dem Zaun wartenden Reporter. Eine Stunde später kommt plötzlich Bewegung in die Szene.

Mehrere Streifenwagen der Polizei fahren vor. Die Straße vor dem Postchef-Haus wird mit rot-weißem Band abgeriegelt. Die Zufahrt wird vorübergehend ganz gesperrt. Steuerfahnder kommen heraus und gehen wieder herein. Fahrzeuge der Ermittler und Anwälte werden in Position vor der Villen-Einfahrt gebracht. Erste Umzugskartons weisen darauf hin, dass Akten sichergestellt werden sollen.

Nach rund sechs Stunden neigt sich die Aktion dem Ende zu. Die Fahnder verstauen dicke Aktenordner und Kisten mit Unterlagen in ihren Fahrzeugen. Die ersten Kamerateams ziehen ab. Anwohner werden wieder durchgelassen. Ein Passant kommentiert den Wirbel gelassen: "Der Verdacht überrascht mich nicht. Die Bosse haben doch alle irgendwie Dreck am Stecken."

manager-magazin.de mit Material von dpa

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