Reizfigur Zumwinkels Konfliktfelder

Gegen Post-Chef Klaus Zumwinkel wird ermittelt - eine anonyme Anzeige soll das Verfahren ausgelöst haben. Der umtriebige Manager hat viele Eisen im Feuer und mit Erfolgen wie Misserfolgen den Zorn anderer erregt. manager-magazin.de zeigt die wichtigsten Konfliktfelder.

Hamburg - "Glückwunsch an Zumwinkel! Er hat auf der ganzen Linie gewonnen!" Mathias Döpfners Gratulation, geäußert in einem SPIEGEL-Interview, war bitter. Der Springer-Chef hatte im Dezember eingestehen müssen, sich mit der Investition bei dem Post-Konkurrenten Pin Group vergaloppiert zu haben, trotz Discountlöhnen für die Pin-Zusteller. Klaus Zumwinkel dagegen hatte einen Mindestlohn für den Berufszweig durchgesetzt, mit tatkräftiger Unterstützung aus der Politik und auf dem ambitionierten Niveau von 9,80 Euro - zum Leidwesen Döpfners. In Berlin gilt kaum ein Manager als so gut mit der Politik verdrahtet wie der Post-Privatisierer Zumwinkel.

Postzusteller: 9,80 Euro Mindestlohn hält auch Konkurrenz vom Leib

Postzusteller: 9,80 Euro Mindestlohn hält auch Konkurrenz vom Leib

Foto: DDP

Springer-Kritiker meinen, Döpfner könne Zumwinkel noch dankbar sein, habe er doch so einen Sündenbock für sein verunglücktes Investment. Zumwinkel-Kritiker halten ihm vor, dass er den Postmindestlohn zwar als soziale Wohltat verkaufe, damit aber nur das Monopol seines früheren Staatsbetriebs bei der Briefzustellung sichert.

Aktienverkauf zur Unzeit

Aktienverkauf zur Unzeit

"Nun hat er seinen eigenen Mindestlohn gesichert!" Die Häme in den deutschen Medien war groß, als Zumwinkel ein Aktienpaket der Post  verkauft und damit privat etwa 4,7 Millionen Euro erlöst hatte - der Privatisierer privatisiert Gewinne. Der Zeitpunkt war schlecht gewählt, denn tags zuvor hatte die Große Koalition den Post-Mindestlohn beschlossen. Es blieb der Eindruck hängen - insbesondere bei den gelackmeierten Wettbewerbern -, dass Zumwinkel diese politische Pokerpartie auch im eigenen Interesse gespielt haben könnte.

Post-Chef Zumwinkel: "Der Zeitpunkt war falsch"

Post-Chef Zumwinkel: "Der Zeitpunkt war falsch"

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Aktienrechtlich gab es ebenfalls Bedenken. Hatte Zumwinkel nicht kurz zuvor den möglichen Verkauf der Postbank ins Gespräch gebracht? In einer Weihnachtsbotschaft schließlich entschuldigte sich der erfahrene McKinsey-Mann und gestand ein, dazugelernt zu haben: "Ich verstehe die öffentliche Kritik und weiß jetzt, dass der Zeitpunkt inmitten einer intensiven politischen Diskussion falsch war."

Umstrittenes Timing beim Postbank-Verkauf

Umstrittenes Timing beim Postbank-Verkauf

Im November 2007 hat Post-Chef Klaus Zumwinkel ein Tabu gebrochen. Seit dem Börsengang der Postbank  im Sommer 2004 hatte Zumwinkel stets betont, die Finanztochter gehöre zum "Kerngeschäft", und die Post werde die Mehrheit an der Postbank behalten. Dann, auf dem Höhepunkt der Kreditkrise, der Sinneswandel: Je konkreter die Aussagen Zumwinkels über die Zukunft der Postbank und über mögliche Partner wurden, desto deutlicher erholte sich der Aktienkurs des Unternehmens.

Postbank: Zumwinkels goldene Worte über einen baldigen Verkauf des früheren "Kerngeschäfts" halfen der Aktie - und lenkten auch von den Schwierigkeiten der Konzernmutter in den USA ab

Postbank: Zumwinkels goldene Worte über einen baldigen Verkauf des früheren "Kerngeschäfts" halfen der Aktie - und lenkten auch von den Schwierigkeiten der Konzernmutter in den USA ab

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Die Kurspflege kam zur rechten Zeit - nicht nur für die Aktie der Postbank, sondern auch für das Papier der Konzernmutter Deutsche Post. Kritiker werfen Zumwinkel vor, die Eigenständigkeit der größten Privatkundenbank in Deutschland zu opfern, um damit das finanzielle Desaster der Post mit der Expresstochter DHL in den USA zu überdecken.

An der Erfolgsstory der Postbank mit knapp 15 Millionen Kunden in Deutschland mag kaum jemand rütteln - nur das Timing bei dem Vorhaben, die Postbank einem Partner zuzuführen, wirft Fragen auf.

Geldvernichtung drüben - Filialabbau hüben

Geldvernichtung in den USA - Filialabbau daheim

Während in Deutschland auf dem platten Land viele Postfilialen dichtmachten, expandierte die Post mit Milliardeninvestitionen ins Ausland. Zumwinkel hat aus der ehemaligen Deutschen Bundespost einen weltweit tätigen Logistiker, die "Deutsche Post World Net", geformt.

Den Zwang zur Globalisierung könnte man den Betroffenen besser verständlich machen, wenn die Auslandsunternehmungen wenigstens Geld brächten: Doch mit der Expresstochter DHL in den USA hat Zumwinkel seit 2003 inzwischen mehr als fünf Milliarden Euro verbrannt. Börsianer vergleichen die Post inzwischen häufig mit DaimlerChrysler, das sich erst nach jahrelangem Siechtum von der maroden US-Tochter getrennt hat. Sie hoffen, dass nach einem Abgang Zumwinkels das teure US-Abenteuer endlich beendet werden kann.

DHL-Maschine auf dem US-Flughafen Wilmington: Milliarden im Ausland versenkt, während im Inland Filialen geschlossen werden

DHL-Maschine auf dem US-Flughafen Wilmington: Milliarden im Ausland versenkt, während im Inland Filialen geschlossen werden

Foto: DPA

Der Ärger vieler Postkunden außerhalb der Metropolen ist dagegen konkreter. Das Unternehmen fahre langjährige Monopolgewinne ein, doch Zumwinkel versenke sie im Ausland, lautet der Vorwurf. Das Unternehmen müsse eine "flächendeckende Versorgung" sicherstellen, doch diese sei für den bekennenden Globalisierer Zumwinkel ein dehnbarer Begriff.

Multi-Aufsichtsrat und Staatsprivatisierer

Multiaufsichtsrat und Staatsprivatisierer

Er ruft zur Ordnung, erteilt das Wort und lässt, wenn es nötig ist, auch mal einen aufgebrachten Kleinaktionär vom Sicherheitsdienst aus dem Saal entfernen. Man möchte fast wetten, dass mehr Menschen Klaus Zumwinkel schon mal in seiner Funktion als Telekom-Aufsichtsrat in natura erlebt haben denn als Vorstandsvorsitzenden der Post.

Auf die beiden Aufgaben beschränkt er sich aber nicht. Zumwinkel beaufsichtigt außerdem Lufthansa , Allianz , Morgan Stanley, die Tchibo Holding und die frühere KarstadtQuelle AG, heute Arcandor . Zwischen all diesen Namen ist ein Faible Zumwinkels auszumachen: Privatisierte Staatsbetriebe, zu denen neben Post und Telekom   ja auch die Lufthansa zählt.

Garant für einen korrekten Ablauf: Als Aufsichtsratschef leitete Klaus Zumwinkel auch zahlreiche Hauptversammlungen der Telekom - und schickte knappen Dank an den später geschassten Konzernchef Kai-Uwe Ricke (l.)

Garant für einen korrekten Ablauf: Als Aufsichtsratschef leitete Klaus Zumwinkel auch zahlreiche Hauptversammlungen der Telekom - und schickte knappen Dank an den später geschassten Konzernchef Kai-Uwe Ricke (l.)

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Viele Gelegenheiten, sich einzubringen, viele Gelegenheiten, sich unbeliebt zu machen. Unvergessen ist sein knapper, frostiger Dank an den scheidenden Telekom-Vorstand Kai-Uwe Ricke, als dessen Nachfolger René Obermann vorgestellt wurde. Andererseits erfährt Zumwinkel aus diesen Tätigkeiten auch Zuspruch. Nur wenige Stunden nach den ersten Berichten über die Razzia in seiner Villa sprach sich Arcandor-Chef Thomas Middelhoff für den Verbleib des Post-Manns im Aufsichtsrat seines Unternehmens aus: "Zunächst gilt die Unschuldsvermutung." Das ist richtig.

Kritik am Steuerprivileg der Post

Kritik am Steuerprivileg der Post

Nicht nur durch die Mindestlohndebatte hat sich Zumwinkel den Ärger privater Konkurrenz eingehandelt. Benachteiligt fühlen sich private Postdienstleister auch durch das Steuerprivileg der Post, die mit ihrem gesetzlichen Auftrag als "flächendeckender Versorger" von der Mehrwertsteuer befreit ist. Post ist ein Grundbedürfnis, früher hat sie der Staat befördert; die privatisierte Post wird immerhin noch vom Fiskus gefördert.

Privater Paketzusteller Hermes: Klage gegen Steuerprivileg der Deutschen Post angekündigt

Privater Paketzusteller Hermes: Klage gegen Steuerprivileg der Deutschen Post angekündigt

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Derzeit streitet die Koalition mal wieder über die Zukunft dieses Steuerprivilegs: Der private Paketdienst Hermes zum Beispiel hat bereits eine Klage vor Gericht angekündigt, sollte er nicht ebenso wie die Post von der Mehrwertsteuer befreit werden.

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