Fall Zumwinkel Der Tipp kam vom BND

Trotz der Vorwürfe wegen Steuerhinterziehung war Klaus Zumwinkel laut Post Donnerstagabend noch "voll handlungsfähig". Sein Amt an der Spitze des Konzerns übe er weiter aus. Im Vorfeld der Razzia in den Büro- und Privaträumen des Konzernlenkers bekam die Bochumer Staatsanwaltschaft offenbar Schützenhilfe vom BND.

Bonn - Inzwischen hat Zumwinkel bekanntlich seinen Rücktritt von der Post-Spitze sowie als Chef des Aufsichtsrates der Postbank angekündigt. Dem Post-Chef wird Steuerhinterziehung in Höhe von rund einer Million Euro vorgeworfen. Über Stiftungen in Liechtenstein soll er das Geld am Fiskus vorbei geschleust haben. Die Ermittlungen im Zusammenhang mit Geldanlagen in Liechtenstein richten sich laut Staatsanwaltschaft Bochum nicht nur gegen Zumwinkel, sondern auch gegen weitere Beschuldigte. Neben der Bochumer Staatsanwaltschaft seien mehrere Steuerfahndungsbehörden an den Ermittlungen beteiligt.

Nach Informationen des SPIEGEL existiert die Akte Zumwinkel schon seit geraumer Zeit. Demnach hat sich im vergangenen Jahr ein Informant beim Bundesnachrichtendienst (BND) gemeldet, der Interna über Post-Chef Klaus Zumwinkel anbot. Der Geheimdienst habe Amtshilfe geleistet und den Kontaktmann an die Wuppertaler Steuerfahndung vermittelt. Weitere Hilfe habe der BND anscheinend nicht geleistet.

Laut SPIEGEL soll der Informant Material über Zumwinkels Steuersparmodell bei einem Vaduzer Geldinstitut mitgebracht haben. Daraufhin habe die Oberfinanzdirektion Rheinland schon im August eine Sondergruppe von Prüfern eingesetzt, die sich um den Fall kümmerte. So wurden die Steuerakte von Zumwinkel sowie Berichte von Betriebsprüfern angefordert. In den Akten habe es jedoch keinen Hinweis auf ein Konto in Vaduz oder Einkünfte aus einer Stiftung gegeben. Es soll jeglicher Hinweis auf eine ordnungsgemäße Versteuerung des Liechtensteiner Vermögens, das rund zehn Millionen Euro betrage, gefehlt haben.

Heute morgen wurden nun die Privat- und Büroräume von Zumwinkel durchsucht. Ein Haftbefehl gegen Zumwinkel sei nicht vollstreckt worden, weil der Manager sich kooperativ gezeigt habe, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Zumwinkel habe sich zum Vorwurf eingelassen und eine Sicherheitsleistung in nicht unerheblicher Höhe angeboten. Der Post-Chef hat nach seiner Vernehmung die Staatsanwaltschaft Bochum am frühen Nachmittag wieder verlassen. Nach Informationen von manager-magazin.de zahlte Zumwinkel eine Kaution in Höhe von zwei Millionen Euro.

Ermittler tragen Kisten aus dem Haus

Ermittler tragen Kisten aus dem Haus

"Weitere Angaben zum Stand des Verfahrens können aus ermittlungstaktischen Gründen derzeit nicht gemacht werden", heißt es in einer schriftlichen Mitteilung der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftssachen.

Wenige Minuten nachdem Zumwinkel und sein Anwalt am Nachmittag die Villa verlassen hatten, trugen Ermittler Kisten mit Unterlagen aus dem Haus, die sie anschließend in die Kofferräume ihrer Autos verstauten.

SPIEGEL ONLINE hatte bereits am Donnerstag morgen berichtet, Zumwinkel werde vorgeworfen, seit zwei Jahrzehnten mithilfe einer Stiftung im Fürstentum Liechtenstein Steuern hinterzogen zu haben. Das Vermögen der Stiftung habe zuletzt mehr als zehn Millionen Euro betragen. Aus umfangreichen Aufzeichnungen eines Liechtensteiner Geldinstituts solle hervorgehen, dass der Post-Chef auch überlegt habe, sein Vermögen nach Asien oder auf die Cayman-Inseln zu verlagern. Die Staatsanwaltschaft Bochum ermittele schon seit Monaten.

Gegen einen Familienangehörigen Zumwinkels wird diesen Angaben zufolge bereits seit Sommer vergangenen Jahres wegen Steuerhinterziehung ermittelt. In diesem Fall solle es um Millionen Euro in Liechtensteiner Stiftungen gehen. Eine anonyme Anzeige habe dieses Steuerverfahren ausgelöst.

Bei dem Ermittlungsverfahren gegen Zumwinkel handelt es sich nach dpa-Informationen um ein vollständig neues Verfahren im Zusammenhang mit Liechtensteiner Stiftungen. Die Bochumer Wirtschaftsstaatsanwälte ermitteln bereits seit Jahren im sogenannten Batliner-Komplex gegen Dutzende Steuersünder, die über den Treuhänder Herbert Batliner in dem Fürstentum Stiftungen eingerichtet haben sollen. In diesen Verfahren sind in Nordrhein-Westfalen bereits rund 100 Fälle abgehandelt und mehr als 100 Millionen Euro an Steuern und Strafen gezahlt worden.

Zehn Beamte vor Zumwinkels Villa

Zehn Beamte vor Zumwinkels Villa

Die Ermittler hatten mit ihren Razzien zeitgleich am Donnerstagmorgen begonnen, gegen 7 Uhr in der Zentrale des Konzerns in Bonn und in der Villa Zumwinkels im Kölner Stadtteil Marienburg. Das ZDF zeigte Bilder, wie am Morgen mindestens zehn Beamte in Zivil vor Zumwinkels Villa erschienen waren. Die Ermittler hielten sich auch am späten Vormittag noch im Inneren des Hauses auf, dessen Vorhänge zugezogen waren. Im Laufe des Morgens trafen dort auch zwei auf Steuerrecht spezialisierte Anwälte ein. Die Operation sei seit Wochen unter strengster Geheimhaltung geplant worden, heißt es.

Zumwinkel gilt als einer der profiliertesten deutschen Unternehmensführer. Seit 18 Jahren führt er die Deutsche Post und ist damit länger als jeder andere Chef eines deutschen Dau-Unternehmens. Sein Vertrag läuft Ende 2008 aus.

Zumwinkel hatte mehrfach angekündigt, sich im Sommer zu seiner beruflichen Zukunft äußern zu wollen. Als sein Nachfolger wird seit Langem Vorstandsmitglied Frank Appel gehandelt. Aus Branchenkreisen hieß es bislang, Zumwinkel wolle dann an die Spitze des Post-Aufsichtsrats rücken. Daneben sitzt er in den Aufsichtsräten der Post-Tochter Postbank, bei der Deutschen Lufthansa, dem Reise- und Kaufhauskonzern Arcandor sowie als Vorsitzender bei der Deutschen Telekom. Das Spitzenamt bei der Telekom läuft allerdings in Kürze aus.

Der mehrfach ausgezeichnete Manager war zuletzt im Dezember wegen des Verkaufs eigener Post-Aktien in die Kritik geraten. Kurz nach der Einigung über den von ihm maßgeblich geforderten Mindestlohn in der Postbranche nutzte er den Kursanstieg der Post-Aktie und erlöste aus 200.000 Aktienoptionen rund 2,24 Millionen Euro.

Aktien der Deutschen Post haben am Donnerstag 2,77 Prozent auf 22,25 Euro gewonnen. Ein Börsianer sagte: "Das ist eine private Geschichte, die wenig mit dem Unternehmen zu tun hat". Entsprechend sei die Belastung für den Kurs gering. "Die Sache an sich interessiert am Markt aber schon", betonte ein anderer Händler. Denn möglicherweise wirke sich ein Rücktritt Zumwinkels auf den Verkauf der Postbank oder die Entwicklung beim US-Express-Geschäft aus. Einige Marktteilnehmer hofften möglicherweise auf "frischen Wind" nach einem Weggang Zumwinkels.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa, ddp, reuters

Fotostrecke: Klaus Zumwinkel - die gelbe Eminenz

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