Sonntag, 18. August 2019

Vertrauensranking Was, bitte schön, ist Tui?

Tui war im Januar Dauergast in den Medien. Konzernchef Michael Frenzel habe keine Gesamtstrategie - diese Dauerkritik bekam neue Nahrung. Im Vertrauensranking CTI fiel Tui um 13 Plätze zurück. Schwerer noch für das Vertrauen in das Unternehmen wog allerdings die Anklage gegen Finanzchef Rainer Feuerhake.

Berlin - Was ist Tui denn nun? Ein Touristikunternehmen? Ein Schifffahrtskonzern? Eine - so die Kartellbehörden zustimmen - Billigflug-Holding? Ein Steinbruch für Investoren?

Fragen, die sich Konzernchef Michael Frenzel selbst vielleicht stellt. In jedem Fall spielen sie in der Öffentlichkeit eine zentrale Rolle, denn es herrscht Verunsicherung über Tui. Und das kostet Vertrauen.

Im aktuellen CTI-Ranking, mit dem PMG Presse-Monitor und die Universität Leipzig das öffentliche Vertrauen zu den Dax-Konzernen anhand von Medienberichten messen, fällt Tui um 13 Rangplätze zurück auf Position 21. Der absolute CTI-Wert liegt im Januar bei  minus 1,8 Zählern - auf einer Skala von 100 bis minus 150. Dieser Wert ist der Saldo der positiven und negativen Berichterstattung zu Vertrauensfaktoren in 13 deutschen Meinungsführermedien.

In diesem Zeitraum hagelte es Kritik an der strategischen Ausrichtung des Konzerns. Frenzel kündigte an, die Schifffahrtssparte Hapag-Lloyd mit der Konzernmutter zu verschmelzen, um so deren feindliche Übernahme zu verhindern. Das stieß all jenen auf, die ihr Investment bei Tui mittelfristig gern kapitalisieren würden. Andererseits war das Touristikgeschäft im vergangenen Jahr in eine neue Londoner Tochtergesellschaft ausgegliedert worden.

Vor allem der US-Investor Guy Wyser-Pratte tat sich immer wieder mit Kritik an Frenzel hervor, obwohl der Medienprofi nur rund 1 Prozent an Tui hält. Außerdem wirkte sich im öffentlichen Bild negativ aus, dass gegen Finanzvorstand Rainer Feuerhake Anklage erhoben wurde. Vor Gericht soll geklärt werden, ob sich Feuerhake bei der Übertragung des Anlagen- und Schiffbaus an Babcock Borsig der Untreue und Insolvenzverschleppung schuldig gemacht hat. Der Vorstand sprach dem Manager sein unverändertes Vertrauen aus.

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