Dienstag, 12. November 2019

Société Générale Mutmaßlicher Mitwisser festgenommen

In der Spekulationsaffäre um die französische Großbank Société Générale hat die Polizei einen zweiten Börsenhändler festgenommen. Die Ermittler wollen klären, ob der beschuldigte Spekulant Jérôme Kerviel allein handelte. Kerviel soll einen Schaden von 4,9 Milliarden Euro angerichtet haben.

Paris - Die französische Polizei hat ihre Ermittlungen zum milliardenschweren Spekulationsskandal bei der Großbank Société Générale (SocGen) Börsen-Chart zeigen auf einen zweiten Händler ausgeweitet.

Skandalgeschüttelte Bank: Bisher hat die Société Générale erklärt, der Händler Kerviel habe allein gehandelt
Die Behörden wollen klären, ob der Hauptverdächtige Jérôme Kerviel allein gehandelt hat, der mit unbefugten Börsenspekulationen für Verluste von 4,9 Milliarden Euro bei SocGen verantwortlich sein soll. Dazu werde nun ein zweiter Händler vernommen, der für Kerviel Wertpapieraufträge ausgeführt habe, verlautete am Freitag aus mit dem Fall vertrauten Juristenkreisen. Die 24-stündige Haft sei um einen Tag verlängert worden.

Ein Anwalt der zweitgrößten französischen Bank wollte sich zu den neuen Entwicklungen nicht äußern. Dazu sei es zu früh. Der Festgenommene arbeitete bei dem SocGen-Brokerhaus Newedge, das zu Jahresbeginn aus der Fusion von Fimat und Calyon Financial hervorgegangen war.

"Du hast nichts Illegales getan"

Die Zeitung "Le Monde" (Samstagausgabe) meldete vorab, der zweite Verdächtige habe Kerviel Ende November eine interne Botschaft mit den Worten zukommen lassen: "Du hast nichts Illegales getan." Die Büros des Brokerhauses wurden am Donnerstag von der Polizei durchsucht. Sollte sich herausstellen, dass mehrere Personen in die unerlaubten Geschäfte Kerviels verwickelt waren, könnte die Staatsanwaltschaft neue Betrugsvorwürfe erheben.

Gegen Kerviel wurde am 28. Januar ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Vertrauensbruchs, der missbräuchlichen Verwendung von Computern und der Fälschung eingeleitet. Der Vorwurf des Betrugs wurde von den Ermittlungsrichtern verworfen und der 31-Jährige wieder auf freien Fuß gesetzt. Dagegen legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein, worüber noch am Freitag entschieden werden sollte. Die Ermittler befürchten, dass Kerviel untertauchen könnte. "Wir müssen klären, ob Kerviel persönlich profitiert hat", sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Donnerstag.

In einem Agenturinterview hatte Kerviel am Dienstag erklärt, er sei bereit, seinen Teil der Verantwortung zu übernehmen, wolle aber nicht zum Sündenbock gemacht werden. Er habe sich nicht persönlich bereichern, sondern der Bank zu mehr Gewinn verhelfen wollen. Bereits zuvor hatte Kerviel erklärt, er könne sich nicht vorstellen, dass niemand bei der Bank von seinen Geschäften gewusst habe.

SocGen wirft Kerviel vor, das Institut durch den Aufbau illegaler Handelspositionen um knapp fünf Milliarden Euro gebracht zu haben. Der Verlust war entstanden, als das Institut Kerviels Positionen an Derivaten auf europäische Aktienindizes im Wert von rund 50 Milliarden Euro über die Börse verkauft hatte. Kerviel hatte die Milliardenbestände durch Scheingeschäfte aufgebaut, sodass nach Angaben der Bank niemand davon gemerkt hatte.

manager-magazin.de mit Material von reuters, ap und dpa

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