Schieder Das Stammwerk ist gerettet

Auf die Insolvenz folgt ein Neuanfang unter anderem Namen. Vier Ex-Manager des einst größten europäischen Möbelherstellers Schieder retten das Stammwerk ihres früheren Arbeitgebers.

Schieder-Schwalenberg - Eine Investorengruppe um den Liechtensteiner Unternehmer Peter Gschwend, der die frühere Schieder-Beteiligung IMS in Liechtenstein aufgebaut hatte, übernimmt zum 1. März das Werk im lippischen Schieder-Schwalenberg. Damit seien rund 300 Arbeitsplätze bei den Schieder Möbelwerken - künftig Cotta Möbelwerke - sowie 300 weitere Stellen bei Zulieferern in der Region gesichert, sagte Insolvenzverwalter Klaus Pannen am Donnerstag. "Ich kann vermelden, dass die Schieder-Möbelwerke gerettet sind."

"Wir werden dieses Jahr nur aufräumen und entscheiden, was wir produzieren", kündigte der 59 Jahre alte Mehrheitseigner Gschwend an. Ziel sei, Möbel für das "breite Publikum" zu bauen. Die Auslastung des Werks liege derzeit bei 60 Prozent, bis September erwarte er volle Auslastung. Der 59-Jährige ist Inhaber des Liechtensteiner Polstermöbelherstellers MCA, der im Oktober 2007 die polnischen Schieder-Töchter und Polsterspezialisten Nova E und Top Sofa Oborniki mit gut 500 Arbeitsplätzen übernommen hatte. Die übrigen Investoren sind Geschäftsführer Dirk Schmidtmeier (43) sowie Udo Horstbrink (58) und Dolf Langemann (63).

Gschwend sprach von langwierigen Verhandlungen. "Wir haben Voraussetzungen gefordert, mit denen wir uns mit dem Osten messen können." Er sei zuversichtlich, in drei bis vier Jahren sehr nah an die Preise osteuropäischer Wettbewerber kommen zu können. Voraussetzung sei aber Mehrarbeit: "Ich verstehe die Seite der Mitarbeiter, die haben es sehr schwer gehabt, aber sie müssen verstehen, dass sie 40 Stunden arbeiten müssen."

Darauf hatten sich die Investoren in der Nacht zum Mittwoch mit Arbeitnehmervertretern geeinigt. Für drei Jahre sei die Arbeitszeit ohne Mehrbezahlung von 35 auf 40 Wochenstunden verlängert, sagte Reinhard Seiler von der IG Metall Detmold. Außerdem verzichten die Mitarbeiter auf Weihnachts- und Urlaubsgeld. Dafür gebe es keine neuen Entlassungen. Am Schieder-Stammsitz arbeiten noch rund 310 Beschäftigte, weitere 70 sind in einer Beschäftigungsgesellschaft. Vor der Insolvenz waren es rund 1000 Mitarbeiter.

Der lippische Landrat Friedel Heuwinkel nannte die Einigung eine "Sternstunde". Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) äußerte sich nach Angaben eines Sprechers "hocherfreut".

Der Konzern Schieder mit einst rund 11.000 Mitarbeitern war nach Bilanzmanipulationen ins Trudeln geraten. Das damalige Management soll sich Kredite über 283 Millionen Euro erschlichen haben. Vier Ex-Manager kamen in Untersuchungshaft, einer sitzt noch immer hinter Gittern. Schieder-Gründer Rolf Demuth war im November gegen eine Kaution von 400.000 Euro auf freien Fuß gesetzt worden.

manager-magazin.de mit Material von dpa