Rekordgewinn Deutsche Bank trotzt der Finanzkrise

Vorstandschef Josef Ackermann kann an seinem 60. Geburtstag entspannt lächeln: Die Deutsche Bank hat die Turbulenzen an den Kapitalmärkten fast ohne neue Abschreibungen zum Jahresende durchgestanden, 2007 einen Rekordgewinn eingefahren und das Gewinnziel für 2008 bestätigt. Allerdings schwächelt das Investmentbanking.

Frankfurt am Main - Angesichts anhaltender Nervosität an den internationalen Finanzmärkten hat Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann seine Managerkollegen erneut zur Offenlegung von Risiken gemahnt. "Es muss jetzt gemeinsam mit der Finanzindustrie alles daran gesetzt werden, das Vertrauen an den Finanzmärkten und in die Akteure zurückzugewinnen", sagte Ackermann am Donnerstag bei der Bilanzvorlage des Dax-Konzerns. Es gehe in erster Linie um Transparenz: "Jeder Marktteilnehmer muss für sich und für die Aufsicht vollständig Klarheit über seine Engagements in den betroffenen Marktsegmenten schaffen."

Seit dem Sommer hält die Krise am US-Markt für zweitklassige US- Hypothekenkredite (subprime) die Finanzbranche in Atem. Etliche Institute mussten Milliardenbelastungen verkraften. Die Deutsche Bank teilte am Donnerstag mit, von Oktober bis Ende Dezember habe sie netto "weniger als 50 Millionen Euro" abgeschrieben. Bis Ende des dritten Quartals hatte der deutsche Branchenprimus bereits 2,3 Milliarden Euro abgeschrieben. Das ist wenig verglichen mit zweistelligen Milliardenbeträgen bei vielen US-Wettbewerbern und der schweizerischen Großbank UBS.

"Insgesamt wurde die Deutsche Bank von der Subprime-Krise und ihren Auswirkungen weitaus weniger getroffen als viele unserer internationalen Wettbewerber", betonte Ackermann. Die Bank sehe in der Situation auch Chancen, verkenne aber nicht, "dass die Probleme an den Kreditmärkten sich in den nächsten Monaten auch realwirtschaftlich deutlich bemerkbar machen werden". Für Deutschland rechne er mit nur noch gedämpften Wachstum, aber nicht mit einer Rezession.

Überschuss stieg 2007 auf Rekordhöhe

Der Überschuss der Deutschen Bank stieg im Jahr 2007 um 7 Prozent auf die Rekordhöhe von 6,5 Milliarden Euro, wie Deutschlands größtes Geldhaus am Donnerstag mitteilte. Zwar brach der Gewinn der Deutschen Bank  im Schlussquartal vor allem wegen Einbußen im Investmentbanking um 47 Prozent auf 969 Millionen Euro ein. Damit übertraf das Institut aber die Analystenerwartungen von durchschnittlich 925 Millionen Euro und schnitt deutlich besser als ab als viele Konkurrenten, die mit Verlusten kämpfen.

"Die Widerstandsfähigkeit, die wir 2007 gezeigt haben, gibt uns Zuversicht für die Zukunft", sagte Vorstandschef Josef Ackermann, der heute seinen 60. Geburtstag feiert. Ackermann hatte wiederholt deutlich gemacht, dass die Krise für sein Haus weitgehend abgehakt sei. Dennoch waren an den tief verunsicherten Finanzmärkten bis kurz vor Bekanntgabe der Zahlen Zweifel geblieben.

Herausfordernde Marktbedingungen

Für 2008 erwarte er weiterhin herausfordernde Marktbedingungen, erklärte Ackermann. Die längerfristigen Trends der Branche kämen der Deutschen Bank aber entgegen. "An unserer Vision, in diesem Jahr ein Ergebnis von 8,4 Milliarden Euro vor Steuern zu erreichen, halten wir deshalb fest", sagte der Deutsche-Bank-Chef.

Das Vorsteuerergebnis sank im letzten Vierteljahr 2007 um 25 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Die neuen Abschreibungen seien ausschließlich bei zugesagten Großkrediten angefallen, die derzeit wegen des Marktumfelds nicht weiterverkauft werden könnten, erklärte die Bank. Im Geschäft mit zweitklassigen Hypotheken (Subprime), verbrieften Wohnungsbaukrediten oder anderen komplexen Schuldverschreibungen (CDOs) seien aber unter dem Strich keine weiteren Wertberichtigungen nötig gewesen. Die Bank hatte ihr CDO-Engagement im dritten Quartal auf unter eine Milliarde Euro zurückgefahren.

Spuren der Kreditkrise

Spuren der Kreditkrise

Völlig spurlos ging die Krise aber auch an der Deutschen Bank nicht vorbei. Im Investmentbanking, dem traditionellen Wachstumsmotor des Instituts, brach der Vorsteuergewinn um fast 60 Prozent auf 447 Millionen Euro ein. Im dritten Quartal hatte dort allerdings sogar ein Verlust in den Büchern gestanden. Vor allem im Geschäft mit strukturierten Anleiheprodukten sanken die Erträge, während die Bank im Devisen- und Geldmarkthandel sowie im Beratungsgeschäft Zuwächse verzeichnete.

Negativ zu Buche schlug eine auf 329 Millionen Euro deutlich erhöhte Risikovorsorge im Kreditgeschäft. Dies sei auf Probleme mit einem einzelnen Kunden im Investmentbanking zurückzuführen und kein Zeichen für eine allgemein erhöhte Ausfallgefahr, sagte ein Sprecher. In den Medien war zuletzt von einem wackelnden Milliardenkredit an den Immobilieninvestor Harry Macklowe in den USA die Rede. Das Institut bestätigte das aber nicht.

In der Finanzkrise erwies sich wie schon im dritten Quartal das Privatkundengeschäft als Treiber. Auch dank Kundenzuwächsen in Deutschland legte die Sparte ihr bestes viertes Quartal der Geschichte hin: Der Gewinn stieg um 13 Prozent auf 252 Millionen Euro. Die Kundenzahl weltweit kletterte 2007 auf vergleichbarer Basis um eine Million auf 13,8 Millionen.

Die Aktionäre können sich nun auf eine höhere Ausschüttung freuen. Der Vorstand schlage der Hauptversammlung eine Dividende von 4,50 Euro je Aktie vor, erklärte die deutsche Bank. Das sind 12,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Mitarbeiterzahl erhöht

Im vierten Quartal hat das Frankfurter Geldinstitut trotz der Finanzmarktkrise die Mitarbeiterzahl weltweit weiter leicht ausgebaut. In den drei Monaten bis Ende Dezember sei die Zahl der Vollzeitstellen um 371 auf 78.291 gestiegen, teilte die größte deutsche Bank am Donnerstag in Frankfurt mit. Im Jahr 2007 erhöhte die Bank damit die Zahl der Vollzeistellen um insgesamt 9442.

In Deutschland sank die Zahl der Mitarbeiter im Abschlussquartal dagegen um 20 auf 27.779 Ende Dezember. Im Vergleich zu Ende 2006 bedeutet dies jedoch ein Plus von 1378 Stellen oder 5 Prozent.

Trotz des Stellenausbaus um fast 14 Prozent stiegen die Lohnkosten nur um 5 Prozent auf 13,1 Milliarden Euro. Dies ist vor allem auf die deutlich geringere Bonuszahlungen im dritten Quartal zurückzuführen, als die Deutsche Bank wegen der Kapitalmarktkrise Milliarden abschreiben musste.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters