Skandalbank SocGen gerät unter Geldwäscheverdacht

Auch das noch: Laut einem Pressebericht hat die Société Générale ein Netz von Scheinkonten entdeckt. Millionen an Schwarzgeld sollen nach Russland geflossen sein. Gleichzeitig steht Bankchef Daniel Bouton zweifach vor Gericht: als Zeuge gegen den Spekulanten Jérôme Kerviel und als Angeklagter in einer früheren Geldwäscheaffäre.

Paris - Die französische Société Générale (SocGen)  kommt nicht zur Ruhe. Nach den Milliardenspekulationen eines Händlers und den Vorwürfen des Insiderhandels gegen ein Mitglied des Verwaltungsrats sieht sich die Bank nun auch mit einer Geldwäsche-Affäre konfrontiert.

In der vergangenen Woche hätten Kontrolleure der Bank das Finanzministerium darüber in Kenntnis gesetzt, dass ein Netz von hunderten Konten entdeckt worden sei, über das möglicherweise Schwarzgeld aus Russland geflossen sei, berichtet die Zeitung "Le Parisien" am Mittwoch unter Berufung auf ungenannte Quellen.

Vermutlich seit 2006 sei über die Bank Schwarzgeld zum Teil in große Immobilienprojekte in Paris geflossen, zitiert die Nachrichtenagentur AFP aus dem Bericht. Mehr als 800 Konten seien von Strohmännern oder Scheinfirmen eröffnet worden. In mehreren Fällen hätten sich zwei reiche Brüder aus Russland, die in London leben, als Hintermänner herausgestellt.

Nach der Spekulationsaffäre um den Händler Jérôme Kerviel, dessen Wetten auf steigende Aktienindizes die Bank 4,9 Milliarden Euro kosteten, stehen die Kontrollen der Bank erneut schlecht da. Es gehe um "dutzende oder gar hunderte Millionen Euro ungeklärter Herkunft", die auf den Konten liegen würden, berichtet die Zeitung weiter. Weder die SocGen noch das französische Finanzministerium waren für eine Stellungnahme erreichbar.

Bouton vor Gericht - in einer anderen Schwarzgeldaffäre

Im Fall Kerviel vernahmen die Richter Renaud van Ruymbeke und Françoise Desset am Mittwoch den Bankchef Daniel Bouton, wie aus Justizkreisen verlautete. Bouton vertrat die Bank, die Anzeige gegen ihren Angestellten Kerviel gestellt hatte. AFP meldete, Kerviel habe sich jetzt ebenso wie die SocGen einen Imageberater genommen. Der Kommunikationsexperte Christophe Reille sagte, es sei Zeit, die weltweite "Verfolgungsjagd" auf Kerviel zu beenden. Der 31-jährige Händler hatte sich am Dienstag erstmals in einem Interview geäußert.

Seit Montag steht Bouton in einer anderen Geldwäscheaffäre aus den 90er Jahren vor Gericht. Dabei soll ein Pariser Betrügerring im großen Stil in Frankreich gestohlene Schecks in Israel eingelöst haben. Die Société Générale wird wie mehrere andere Geldinstitute in dem Verfahren beschuldigt, vor der Geldwäsche die Augen verschlossen zu haben.

Die Aktien der SocGen verbuchten gegen den Trend der europäischen Großbanken am Mittwoch ein Plus von gut 3 Prozent, zwischenzeitlich hatten sie gar 6 Prozent gewonnen. Händler verweisen auf Spekulationen über ein Übernahmeangebot der britischen Bank HSBC . "Die Gerüchte sind zurück, und diesmal ist es HSBC", sagte ein Händler an der Pariser Börse. HSBC lehnte eine Stellungnahme ab.

manager-magazin.de mit Material von dow jones und reuters