US-Vorwahlen Spannung beim Super Tuesday

Hillary Clinton gewinnt beim Super Tuesday die meisten Vorwahlen an der Ostküste und holt auch den größten Staat Kalifornien. Barack Obama erringt ebenfalls wichtige Siege, das Rennen ist offen.

Hamburg - Eine Stunde lang sah es nach einem knappen Rennen zwischen Barack Obama und Hillary Clinton aus - um 6.10 Uhr deutscher Zeit dann die Nachricht: Die frühere First Lady hat das Rennen gemacht. Mit bis zu 55 Prozent der Stimmen liegt sie nach Auszählung der ersten Bezirke an der Westküste uneinholbar vor Obama, der nur auf knapp über 30 Prozent kommt. Clinton hat die Vorwahlen in dem größten Staat dieser Super-Tuesday-Nacht gewonnen. Und sich damit im Gesamtergebnis einen knappen Vorsprung vor ihrem Rivalen gesichert.

Die Entscheidung in Kalifornien ist der Höhepunkt eines spannenden Showdowns zwischen den beiden Kandidaten, der über Stunden dauerte - und bei dem mal Clinton, dann wieder Obama vorne schien.

Bis zur letzten Minute wurde um die Anhänger geworben. Clinton trat schon vor die Kameras, als in Kalifornien die Wahllokale noch gar nicht geschlossen waren, um kurz vor 23 Uhr Ortszeit in New York. Ihre Fans jubelten ihr zu, wie immer enthusiastisch, aber auch ein wenig pflichtbewusst reckten sie die "Hillary"-Schilder in die Höhe. "Heute ist unsere Nacht", rief Clinton. "Heute ist Amerikas Nacht." Eine Dreiviertelstunde später trat Barack Obama in Chicago vor Kameras, auch er begleitet vom frenetischem Jubel seiner Sympathisanten: "Unsere Zeit ist gekommen!", verkündete er. "Unsere Bewegung ist wahrhaftig, und der Wandel kommt nach Amerika!"

Es hieß alles - und nichts. Denn die Demokraten sind nach ihrem Vorwahlmarathon um die Präsidentschaftskandidatur nicht viel schlauer. Der Super Tuesday, an dem die Partei in 22 Bundesstaaten über ihren Bewerber im Kampf ums Weiße Haus abstimmte, hat im Duell zwischen Hillary Clinton und Barack Obama keine eindeutige Vorentscheidung gebracht.

Beide feierten wichtige Erfolge. Doch keiner ist der eindeutige Sieger. Clinton siegte neben Kalifornien in den politisch wichtigen und bevölkerungsreichen Ostküstenstaaten New Jersey und Massachusetts - obwohl sich dort der einflussreiche Senator Edward Kennedy und das demokratische Partei-Establishment öffentlich hinter Obama gestellt hatten. Auch New York ging an Clinton; sie vertritt den Staat als Senatorin. Außerdem gewann sie in Arizona, Arkansas, Missouri, Oklahoma und Tennessee.

Absolut gesehen hat Obama in dieser Nacht mehr Staaten gewinnen können - nach derzeitigem Stand sind es 13: Colorado, Alabama, Alaska, Connecticut, Delaware, Georgia, Idaho, Illinois, Kansas, Minnesota, Missouri und North Dakota und Utah gesiegt. Umfragen am Wahltag zeigen, dass sich Obama bei den Vorwahlen vor allem weiterhin der Unterstützung der afro-amerikanischen Wähler sicher sein kann. In allen Staaten erhielt Obama etwa 80 Prozent dieser Stimmen. Clinton hingegen wird unverändert deutlich von den "Hispanics" gewählt: Rund 60 Prozent der Amerikaner mit lateinamerikanischen Wurzeln favorisieren die ehemalige First Lady. Bei den Frauen dieser Minderheit kommt Clinton sogar auf 70 Prozent.

Langer Zweikampf

Langer Zweikampf

Eine Wählerbefragung im Auftrag der Nachrichtenagentur ap legt jedoch auch nahe, dass es Obama am Dienstag zudem gelang, in Wählerkreise vorzudringen, in denen bislang seine Rivalin deutlich bevorzugt war. Das sind vor allem die weißen Wähler und die Frauen. Vor allem junge Weißen und Wähler mit höherem Einkommen ziehe es zu dem Senator von Illinois, erklären die Meinungsforschungsinstitute Edison Media Research und Mitofsky International.

Obama genoss demnach am Dienstag die Unterstützung von mehr als 40 Prozent der Frauen und hatte etwa den gleichen Anteil bei den weißen Wählern, wo er nur noch wenige Prozentpunkte hinter Clinton liegt. Bei den ersten Vorwahlen im Januar war dieser Abstand noch erheblich größer gewesen.

Sicher ist: Das spannende Rennen der Demokraten über den Super Tuesday geht weiter - zumal die Siege in einem Staat noch nichts über die genaue Verteilung der Delegierten aussagen, die jeder Bewerber nach den Vorwahlen für den Nominierungsparteitag zugesprochen bekommt. Selbst ein Zweitplatzierter kann durch Besonderheiten des Wahlrechts mehr Delegierte als der Sieger bekommen. Zudem verteilen die Demokraten ihre Wahlmänner im Verhältnis zu den gewonnenen Stimmen, so konnte Clinton sich zunächst nicht deutlich von Obama absetzen.

In beiden Lagern gingen die Wahlkampfstrategen davon aus, dass die Kontrahenten am Ende des Großkampftags etwa gleichviel Delegiertenstimmen auf dem Konto haben würden. "Heute Nacht wird es keine Entscheidung geben", prognostizierte auch der Vorsitzende der Demokratischen Partei, Howard Dean.

Bis zu den Wahlen vom Dienstag führte Clinton mit 261 zu 202 Stimmen, einschließlich der sogenannten Superdelegierten. Dabei handelt es sich um Abgeordnete und Parteifunktionäre, die außerhalb der Vorwahlen für den Nominierungsparteitag delegiert werden. Am Dienstag waren bei den Demokraten insgesamt 1681 Delegierte zu bestimmen. Für die Nominierung sind in dieser Partei mindestens 2025 Stimmen erforderlich. Nun dürfte sich der Zweikampf zwischen Clinton und Obama nun noch über Wochen oder gar Monate hinziehen. Sowohl Clinton wie auch Obama hatten bereits klargemacht, dass sie weiterkämpfen und ihre Kandidatur nicht zurückziehen wollen. Offiziell werden die Kandidaten bei den Nominierungs-Parteitagen der Republikaner und der Demokraten im Spätsommer ausgerufen - die Präsidentenwahl selbst ist am 4. November.

spiegel.de