Deutsche Bank Ackermann, die Krise und die Geburtstagsparty

Wer ein vorbildlicher Angestellter ist, arbeitet natürlich auch an seinem Geburtstag. So Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank und ab Donnerstag 60 Jahre alt. Dass er allerdings gleichzeitig die deutsche Volkswirtschaft retten soll, macht den Jahrestag des Schweizers dann doch zu einem besonderen Ereignis.
Von Arne Stuhr

Hamburg – Wenn ein Mann an seinem 60. Geburtstag auf eine internationale Karriere, einen Ehrendoktor und ein Golf-Handicap, mit dem er jederzeit bei den Profis mitspielen könnte, verweisen kann, hat er in seinem Leben wohl vieles richtig gemacht. Gut, die Frisur ist vielleicht nicht dem Alter angemessen und frühere Alkoholexzesse haben ihre Spuren hinterlassen, aber 30 Jahre an der Seite der gleichen Frau und drei Kinder haben immer wieder zurück in die Spur geholfen.

Nur um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, die Rede ist natürlich von Alice Cooper, der am Montag dieser Woche sein rundes Wiegenfest feierte und seit vielen Jahrzehnten weltweit den Schockrocker gibt.

Während Coopers Erfolg allerdings maßgeblich darauf beruht, ein möglichst schlechtes und verwegenes Image zu haben, kämpft sein prominenter Altersgenosse Josef Ackermann, der am morgigen Donnerstag ebenfalls zum sechsten Mal nullt, gegen genau so einen Ruf an. Und das zuletzt durchaus erfolgreich.

So war der Chef der Deutschen Bank  jüngst in einem TV-Porträt über Angela Merkel zu sehen, das den Schweizer bei einem gemeinsamen Termin mit der Kanzlerin in Indien zeigte. Gefragt nach Häufigkeit und Art des Austausches mit Merkel, gab Ackermann in dem Bericht staatsmännisch zu verstehen, dass er darüber mit der Regierungschefin Stillschweigen vereinbart habe.

Noch vor einigen Jahren wäre diese "Einbürgerung des Josef Ackermann" ("Die Zeit") undenkbar gewesen. Vor allem wegen des Mannesmann-Prozesses, der teilweise ja mehr zum Ackermann-Prozess wurde, nicht zuletzt nachdem dieser die Finger zum Victory-Zeichen spreizend zum Inbegriff der "hässlichen Fratze des Kapitalismus" erkoren wurde. Was bedeutet da schon ein Freispruch zweiter Klasse – Millionenstrafe inklusive.

Der Oberst führt das Regiment

Der Oberst führt das Regiment

Unvergessen auch Ackermanns Pressekonferenz vor fast auf den Tag genau drei Jahren. Kombinierte der Deutsche-Bank-Primus doch in einem Kommunikationsgau sondergleichen die Bekanntgabe eines Milliardengewinns mit der Ankündigung, Tausende Stellen streichen zu wollen. Nokia hätte also gewarnt sein sollen.

Aber das ist Vergangenheit. Denn Ackermann, der einst die ihm von Merkel-Vorgänger Gerhard Schröder angebotene Postbank noch verschmähte, ist nunmehr zur zentralen Figur von Corporate Germany aufgestiegen. Sicherung des deutschen Einflusses beim Airbus-Bauer EADS oder Rettung der durch Subprime-Zockerei – zugegeben auch mit Produkten der Deutschen Bank  – abgestürzten IKB, der Oberst der Schweizer Armee führt das Regiment.

Und so kommt es nun am Donnerstag zu der skurrilen Situation, dass ausgerechnet der Mann, dessen Konterfei in den vergangenen Jahren mindestens jeden zweiten Presseartikel zum Thema "Raubtierkapitalismus" und "Managergier" schmückte, zum Hoffnungsträger einer gesamten Volkswirtschaft wird.

Denn bleibt Ackermanns Zahlenwerk im bisher gesetzten Rahmen makellos, ist er unumstritten nicht nur in der Finanzszene, die ihm derzeit eh schon jeden frei werdenden Job zutraut, ein Held.

Bereits im dritten Quartal 2007 hatte die Deutsche Bank Wertberichtigungen in Höhe von 2,2 Milliarden Euro vorgenommen. Ackermann hatte die Subprime-Krise für sein Institut daraufhin für weitgehend abgehakt erklärt. Sollten für das vierte Quartal 2007 tatsächlich keine neuen Wertberichtigungen in Milliardenhöhe fällig werden, dürfte im Jahresschlussquartal ein Gewinn von rund 925 Millionen Euro übrig bleiben, schätzen Analysten.

Prognose für 2008 wackelt

Prognose für 2008 wackelt

In diesem Fall würde die Deutsche Bank nicht nur Konkurrenten wie UBS  oder Citigroup  distanzieren, die erneut Abschreibungen in Milliardenhöhe melden mussten. Sie würde auch mit einem Jahresgewinn für 2007 in Höhe von rund 6,5 Milliarden Euro den Vorjahresrekord deutlich übertreffen.

Ein Gewinn im vierten Quartal, ein Rekordgewinn für das Gesamtjahr 2007: Dies ist die Pflicht für Deutsche-Bank-Chef Ackermann. Als Kür käme hinzu, die ambitionierte Gewinnprognose für das Jahr 2008 zu bestätigen.

Das ist jedoch ein extrem ehrgeiziges Ziel. 8,4 Milliarden Euro Vorsteuergewinn will die Deutsche Bank  laut früheren Prognosen im laufenden Jahr erzielen - eine Summe, die Analysten auf Grund der Subprime-Krise, der Schwäche im Investmentbanking und der drohenden Herabstufung des Kreditratings für kaum noch erreichbar halten.

Viele Beobachter gehen daher davon aus, dass die Deutsche Bank ihre Gewinnprognose für 2008 reduzieren wird - trotz guter Zahlen für 2007. Sollte Ackermann jedoch die Prognose bestätigen, steht Ackermann eine rauschende Geburtstagsparty bevor.

Offenbart die Jahresbilanz allerdings doch neuen Giftmüll der Marke Subprime und schockt die Märkte mit zusätzlichen Abschreibungen, muss Ackermann wohl damit rechnen, dass ihm statt eines Geburtstagsständchens eher ein Alice-Cooper-Song entgegenschallt. Wie heißt es doch beim "Doctor of Music": "You're poison, runnin' thru my veins!"

Fotostrecke: Josef Ackermann - Prozesse, Profite, Politik

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