Versicherer Gothaer und Baloise vor Fusion

Der Schweizer Versicherer Baloise und die deutsche Gothaer arbeiten an einem Zusammenschluss. Im Falle einer Einigung der Unternehmen würde einer der zehn größten Versicherer Deutschlands mit jährlichen Prämien von rund 8,5 Milliarden Euro entstehen.

Düsseldorf/Zürich - Wie Baloise und Gothaer am Donnerstag mitteilten, verhandeln beide Versicherer über eine Fusion. Eine Absichtserklärung sei zwar schon unterzeichnet, festgezurrt seien die Pläne aber noch nicht: Die Transaktionsstruktur und die Verteilung der Anteile stünden nicht fest, sagte eine Gothaer-Sprecherin. Die "Financial Times Deutschland" berichtete indes, unter dem Dach einer Holding in Köln sollten die Gothaer-Unternehmen, die Aktivitäten der Baloise-Niederlassung Basler in Bad Homburg und die Gesellschaften des Deutschen Rings zusammengefasst werden.

An der Holding solle Baloise mit 51 Prozent die Mehrheit halten und die Gothaer die übrigen 49 Prozent. Die Sprecherin wollte sich nicht zu der Frage äußern, bis wann die Gespräche abgeschlossen werden sollen. "Die Idee ist, eine Gruppe (aus den beiden Unternehmen) zu machen", sagte ein Baloise-Sprecher. Details nannte auch er nicht. Die Unternehmen stünden noch mitten in den Gesprächen. "Der Ausgang der Verhandlungen ist offen", hieß es. Beide Versicherer prüften derzeit gegenseitig ihre Bücher.

Die in Köln ansässige Gothaer hatte 2006 Bruttobeiträge von 3,9 Milliarden Euro verbucht. Die Basler Versicherung verzeichnete ein Geschäftsvolumen von umgerechnet 4,65 Milliarden Euro. In Finanzkreisen hieß es, beide Versicherer stünden seit vergangenem Herbst in Gesprächen. Entschieden sie sich für ein Zusammengehen, entstünde ein Versicherer, der in den Bereichen Leben, Sacherversicherungen und Gesundheit unter den ersten Zehn in Deutschland rangieren würde. Zudem könnten "Skaleneffekte" gehoben werden. Welche Auswirkungen dies auf die Beschäftigten haben könnte, ist offen.

Die Gothaer kommt auf über 3,5 Millionen Mitglieder und beschäftigt in Deutschland rund 5500 Menschen. Sie ist nach eigenen Angaben einer der größten Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit in Deutschland. Die Baloise-Gruppe beschäftigt rund 8000 Mitarbeiter, davon etwa 2700 in der Bundesrepublik. Ihre Märkte sind die Schweiz, Deutschland, Belgien, Luxemburg, Österreich und Kroatien.

Schweizer Versicherungsbranche in der Konsolidierung

Da die Gothaer in Deutschland deutlich größer sei als ihr möglicher Partner, erhalte die Gothaer Versicherungsbank VVaG als Teil des Geschäfts auch Aktien der Baloise, schreibt die "FTD". Dort wäre sie dann mit rund 15 Prozent größter Einzelaktionär. Gothaer-Chef Werner Görg solle auch die neue Holding führen.

Bei einer Fusion müssten zwei Gruppen mit unterschiedlichen Rechtsformen zusammen geführt werden. Baloise ist eine Aktiengesellschaft, die Gothaer ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit. In den Kreisen hieß es, auch bei einem Zusammengehen könnten die wohl Baloise-Aktien notiert bleiben.

In den Märkten hatten bislang Spekulationen die Runde gemacht, Baloise könnte übernommen werden. Die Schweizer Versicherungsbranche befindet sich in einer Konsolidierungsphase. Zuletzt wurde der Rückversicherer Converium durch Scor übernommen, davor Winterthur durch die französische Axa. Die Gothaer hatte in der Vergangenheit erklärt, nach Zukäufen ausschauen zu wollen. Der Gothaer-Vorstand hatte im vergangenen November angekündigt, der Konzerngewinn werde 2007 voraussichtlich um 7,5 Prozent auf 129 Millionen Euro steigen. Die gebuchten Bruttobeiträge würden um 2,5 Prozent auf 3,952 Milliarden Euro zulegen.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

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