T-Systems "Das muss schnell ein Ende haben"

Die Gewerkschaft Verdi appelliert an die Deutsche Telekom, bei der Partnersuche für T-Systems bald Resultate zu präsentieren. Unklar bleiben die Folgen für die Beschäftigten in Deutschland. Fest steht: T-Systems will auf Niedriglohn-Programmierer setzen, um Kosten zu senken.

Hamburg - Seit fast einem Jahr läuft nun schon die Suche nach einem Partner für T-Systems, die Geschäftskundensparte der Deutschen Telekom . Bislang fehlt jedoch ein konkretes Resultat. "Das hat die Kunden verunsichert, aber auch die Beschäftigten", sagte Lothar Schröder, Verdi-Bundesvorstand und stellvertretender Telekom-Aufsichtsratschef, am Donnerstag gegenüber manager-magazin.de, "das muss schnell ein Ende haben."

Schröder hofft auf eine Lösung, die Wachstumsperspektiven eröffne und Beschäftigung sichere. Es dürfe nicht zu betriebsbedingten Kündigungen kommen, so der Verdi-Vertreter, und die Konditionen für die Mitarbeiter sollen sich nicht verschlechtern. "Ich hoffe, dass wir zügig auf den Punkt kommen", erklärte Schröder. T-Systems-Chef Reinhard Clemens habe gegenüber Verdi Gesprächsbereitschaft signalisiert.

Clemens hatte am Dienstag in Berlin seine Zukunftspläne mit T-Systems präsentiert. Zur Disposition steht der Bereich Systems Integration (SI). "Alle Lösungen sind möglich, von einem Verkauf bis zu einem Partnering-Modell", sagte Clemens, der T-Systems seit Dezember leitet. Bei SI sind rund 13.000 Mitarbeiter beschäftigt, davon 8000 in Deutschland. Sie kümmern sich um Softwareentwicklung und Computertechnik. Insgesamt verfügt T-Systems über 56.000 Mitarbeiter.

Im März solle eine Entscheidung fallen, betonte Clemens. Man befinde sich bereits "in finalen Gesprächen". Aus dem Konzernumfeld hatte es geheißen, dass eine Partnerschaft mit einem indischen IT-Dienstleister bevorzugt werde. Gute Chancen habe das Unternehmen Tata Consultancy Services. Als Alternative käme ein Verkauf an ein nordamerikanisches Unternehmen in Frage. Eine Veräußerung würde jedoch auf den Widerstand der Gewerkschaft stoßen.

Für die Partnerschaft spricht, dass T-Systems Zugang zu billigen Arbeitskräften in Indien bekäme. Clemens hatte betont: Die Verfügbarkeit von gut ausgebildeten Programmierern, die hohe Qualität lieferten, sei in Indien besonders hoch. Man müsse eine Lösung finden, "bei der wir Zugriff auf diese Ressourcen bekommen." Überdies hatte der T-Systems-Chef deutlich gemacht, Deutschland sei für die Entwicklung von Anwendungssoftware zu teuer. Seiner Ansicht nach leidet darunter die Wettbewerbsfähigkeit der SI-Angebote.

"Es wird schwer für T-Systems"

"Es dürfte schwer werden für T-Systems"

Allerdings äußerte sich Clemens nicht zu möglichen Auswirkungen auf die Beschäftigten. Nach Angaben der Telekom kommt eine komplette Verlagerung des SI-Bereichs jedenfalls nicht in Frage. Denn rund 60 Prozent der Arbeit finde beim Kunden vor Ort statt. 40 Prozent macht die Entwicklung von Softwareanwendungen aus - und diese könnte künftig in einem Niedriglohnland erfolgen.

In Medienberichten war eine Zahl von bis zu 3000 Stellen genannt worden, die in Deutschland bedroht sein könnten. Gewerkschafter Schröder will sich an solchen Spekulationen nicht beteiligen: "Dass die Telekom die Kosten senken will, ist mir klar." Doch zunächst müsse man abwarten, welches Geschäftsmodell künftig gewählt werde. Ähnlich äußert man sich auch bei der Telekom.

Analysten halten Sparmaßnahmen für dringend notwendig: "Es ist kein Geheimnis, dass T-Systems überbesetzt ist", sagte Theo Kitz von der Privatbank Merck Finck gegenüber manager-magazin.de.

Zugleich zeigte sich Kitz skeptisch gegenüber der künftigen Strategie von T-Systems. Clemens hatte angekündigt, verstärkt Großaufträge an Land ziehen und sich auf die Betreuung von Konzernen mit europäischem Hauptsitz zu konzentrieren. Auf diese Weise soll T-Systems zum führenden Anbieter von Informations- und Telekommunikationsangeboten (ICT) in Europa aufsteigen. "Es dürfte schwer für T-Systems werden", sagte Kitz, "denn die Konkurrenz ist sehr stark." Vor allem der britische Konzern BT habe dafür gesorgt, dass T-Systems Europa noch nicht so recht für sich erobern konnte.

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