Montag, 14. Oktober 2019

Swap-Geschäfte Hagen verklagt Deutsche Bank

Die Stadt Hagen hat bei Zinswetten 57 Millionen Euro verloren. Jetzt klagt die Kommune gegen die Deutsche Bank auf Schadensersatz. Die Bank hatte immer erklärt, sie habe ausreichend auf die Risiken solcher Geschäfte hingewiesen. Die Klage ist indes kein Einzelfall.

Hagen/Wuppertal/Frankfurt - Die Stadt Hagen und zwei Tochtergesellschaften haben wegen eines befürchteten 57-Millionen-Euro-Verlustes aus riskanten Spekulationsgeschäften die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen beim Landgericht Wuppertal auf Schadensersatz verklagt. "Wir klagen auf Schadensersatz in voller Höhe", sagte Stadtsprecher Thomas Bleicher am Dienstag. Der maximale Verlust aus den Geschäften der Stadt belaufe sich auf knapp 51 Millionen Euro. Hinzu kämen Verluste in Höhe von maximal 5 bis 6 Millionen Euro bei den Töchtern.

Hoch gesetzt, viel verloren: Die Stadt Hagen hat bei Zinswetten insgesamt 57 Millionen Euro verloren und fordert das Geld jetzt von der Deutschen Bank zurück.
Die Stadt wirft der Bank vor, sie nicht ausreichend über die Risiken der Geschäfte beraten zu haben. Monatelange Verhandlungen mit der Bank mit dem Ziel einer gütlichen Einigung hätten zuvor zu keinem Erfolg geführt. Das Geldinstitut hatte in der Vergangenheit die Vorwürfe stets zurückgewiesen und betont, umfangreich beraten und ausführlich auf alle Chancen und Risiken hingewiesen zu haben. Das Gericht bestätigte den Eingang der Klagen. Die Stadt geht davon aus, dass der Prozess noch in diesem Jahr beginnt.

Bei den riskanten Geschäften ging es um die Verringerung von Zinszahlungen für langfristige Kredite. Die Stadt hatte beim Abschluss im Frühjahr 2005 darauf gesetzt, durch die mit Wetten vergleichbaren sogenannten Swap-Geschäfte die Zinszahlungen für Kredite mit einem Volumen von insgesamt 170 Millionen Euro deutlich verringern zu können. Die Zinsentwicklung lief jedoch anders als erhofft.

Im Juni 2007 vereinbarte die Stadt mit der Bank nachträglich eine Verlustobergrenze. Demnach kann der Gesamtverlust aus den bis 2010 laufenden Geschäften nun knapp 51 Millionen Euro nicht mehr überschreiten. Auch für die Geschäfte der Töchter wurden Verlustobergrenzen vereinbart. Insgesamt hat die Stadt bereits rund 25 Millionen Euro an die Bank gezahlt.

Gegen die Deutsche Bank sind wegen ähnlicher Geschäfte bundesweit bereits mehrere Klagen von Kommunen und Unternehmen anhängig. So fordert etwa in Würzburg die kommunale Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH (WVV) nach Millionenverlusten 2,6 Millionen Euro Schadensersatz.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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