T-Systems Schicksalsmonat März

Die Deutsche Telekom will ihre Geschäftskundensparte T-Systems schlanker und profitabler machen - und künftig mehr Großaufträge an Land ziehen. Im März soll eine Entscheidung über die Zukunft des Bereichs Systemintegration fallen. Auch einen Verkauf schließt T-Systems-Chef Reinhard Clemens nicht aus.

Berlin - Eigentlich gilt die margenschwache Geschäftskundensparte als Sorgenkind der Deutschen Telekom . Doch der neue Spartenchef Reinhard Clemens will T-Systems gründlich reformieren. "Die Telekom braucht das Geschäft mit den Geschäftskunden", betont Clemens bei der internationalen Pressekonferenz des Bonner Konzerns am Dienstag in Berlin. Denn der Bereich sei "strategisches Geschäftsfeld" des Unternehmens. "Die Telekom wird in T-Systems investieren", so der T-Systems-Chef. "Dabei gibt es klare Vorgaben in Richtung Profitabilität, die wir steigern müssen."

Clemens, seit Dezember Lenker der Geschäftskundensparte, hat seinem Management höhere Ziele gesetzt. Bis zum Jahr 2010 soll der Gewinn von T-Systems im Vergleich zur bisherigen internen Planung um eine Milliarde Euro zulegen, der Umsatz um drei Milliarden Euro.

Eine wichtige Rolle bei der Neuausrichtung spielt die Suche nach einem ausländischen Partner für den Bereich Systemintegration. Auch eine Veräußerung schließt Clemens nicht aus: "Alles ist möglich - von einem Verkauf bis hin zu einem Partnering." Im März solle eine Entscheidung gefällt werden. "Wir sind in finalen Gesprächen", sagt Clemens.

Zuletzt hatte es aus dem Konzernumfeld geheißen, dass eine Kooperationsvereinbarung mit einem indischen IT-Dienstleister unmittelbar vor dem Abschluss stehe. Gute Chancen habe das Unternehmen Tata Consultancy Services. Als Alternative wäre offenbar der Verkauf an ein nordamerikanisches Unternehmen denkbar. Insgesamt gebe es drei bis vier Interessenten.

"Zugriff auf Ressourcen in Indien bekommen"

Das Partnermodell werde allerdings bevorzugt, heißt es. Clemens sucht den schnellen Zugang zu indischen Programmierern, ansonsten sei die Wettbewerbsfähigkeit bedroht: "Indien hat einen hohen Qualitätsstandard und eine hohe Verfügbarkeit von ausgebildeten Ressourcen im Anwendungs- und Entwicklungsbereich." Man müsse eine Lösung finden, "bei der wir Zugriff auf diese Ressourcen bekommen." Bislang habe man bereits rund 2500 Mitarbeiter in Indien angeworben. Der eigene Mitarbeiteraufbau in Indien gehe jedoch zu langsam.

Die Systemintegration soll internationaler und kostengünstiger aufgestellt werden. Im Falle eines Verkaufs würde die Telekom künftig IT-Leistungen vom externen Partner kaufen. Das Kooperationsmodell sähe vor, dass der Partner Software im Niedriglohn-Ausland entwickelt und exklusiv der Telekom zuliefert. Ein Joint Venture schließt Clemens allerdings aus - dies widerspräche dem Bemühen um Vereinfachung und Fokussierung.

"Wir müssen schlanker werden", so der Spartenchef, Vertriebsstrukturen bei T-Systems sollen vereinfacht und Kosten gesenkt werden. Außerdem plant Clemens die Konzentration auf europäische Konzerne und deren Märkte: "Wir werden in diejenigen Länder investieren, die für europäische Kunden wichtig sind." Vertriebsstandorte im Ausland müssten kritisch überprüft und gegebenenfalls geschlossen werden. Ein Ausstieg werde überall dort geprüft, wo T-Systems nicht mindestens die Nummer fünf im Markt sein könne. Er wolle eine globale Lieferstruktur, sagt Clemens, aber nicht unbedingt die lokale Vertriebspräsenz in jedem Land.

Konzentration auf "Big Deals"

Konzentration auf "Big Deals"

Chancen für Wachstum sieht Clemens vor allem im internationalen Geschäft. Verstärkt will er "attraktive, rentable Großaufträge" an Land ziehen. "Ich spreche hier von Verträgen mit einem Auftragsvolumen im deutlich dreistelligen Millionenbereich", erläutert der T-Systems-Chef. Jedes Jahr wolle er mindestens zwei derartige "Big Deals" für die Telekom-Geschäftskundensparte an Land ziehen. Auch für 2008 stellt er zwei bis drei Großaufträge in Aussicht. Gleichzeitig solle jedoch das Mittelstandsgeschäft nicht aus den Augen verloren werden.

"Wir haben die Möglichkeit, der ICT-Betreiber für europäische Kunden zu werden", sagt Clemens. ICT ist die Infrastruktur, die Informationstechnik mit Telekommunikation verbindet. Derzeit verknüpft T-Systems beispielsweise die neuen Produktionsstätten des Flugzeugbauers Airbus in China mit dessen Zentrale in Toulouse mittels ICT. Außerdem ist T-Systems als IT-Dienstleister für Autokonzerne wie Daimler  und Volkswagen  tätig. Bereits heute sei die Telekom-Sparte weltweit die Nummer drei in diesem Markt. "Morgen wollen wir die Nummer eins sein, der Automotive-Experte weltweit", sagt Clemens. Dazu müsse man weitere Kunden aus der Automobilindustrie gewinnen.

Zuletzt konnte T-Systems den Triebwerkehersteller MTU Aero Engines  als Kunden gewinnen. Einer der weltweit größten Outsourcingdeals, ein Auftrag der Deutschen Post , ging dem Dienstleister dagegen durch die Lappen.

In einigen Marktsegmenten von T-Systems schrumpfte zuletzt der Umsatz, wie Clemens erläutert: insbesondere bei den klassischen Sprachdiensten (minus 15 Prozent) und Datenservices (minus 6,3 Prozent). "Mit dem Fokus auf netzzentrierte ICT setzen wir dem etwas Neues entgegen", so Clemens.

Fortschritte bei T-Home

Während T-Systems die Neuausrichtung erst noch vor sich hat, vermeldet der Bereich T-Home bereits Fortschritte. So ist die Zahl der DSL-Kunden im vergangenen Jahr um 1,9 Millionen auf 9,02 Millionen gestiegen. Der Marktanteil bei den Neukunden habe sich auf 44 Prozent erhöht und damit mehr als verdreifacht, erklärt Timotheus Höttges, Chef der Festnetz- und Breitbandsparte T-Home. Zugleich hat sich der Marktanteil insgesamt bei rund 45 Prozent stabilisiert: "Wir haben es geschafft, den rückläufigen Trend zu stoppen", sagt Höttges. Im traditionellen Festnetzgeschäft hat die Telekom im vergangenen Jahr allerdings erneut 2,1 Millionen Festnetzkunden verloren.

Besser sieht die Bilanz neuer Produkte aus: Nach verpatztem Start entwickelt sich inzwischen auch das Internetfernsehen (IPTV) positiv. Bis Ende 2007 konnte die Telekom rund 150.000 Kunden für sogenannte "Entertain"-Pakete gewinnen. In diesem Jahr soll die Zahl auf mehr als 500.000 Kunden steigen.

Außerdem sei der Service der Telekom signifikant verbessert worden, sagt Höttges. "Noch vor einem Jahr waren wir kaum in der Lage, Aufträge innerhalb von ein bis zwei Tagen durchzuführen", so Höttges. Dies sei heute anders.

Überdies seien die Callcenter wesentlich leichter zu erreichen als früher: Vor einem Jahr schaffte es nicht einmal die Hälfte der Kunden, zu einem Betreuer durchzudringen. Inzwischen werden immerhin 75 Prozent der Kunden mit dem richtigen Ansprechpartner verbunden. Bis Ende dieses Jahres soll es möglich sein, dass mehr als 80 Prozent der Anrufer innerhalb von 20 Sekunden einen Kundenberater an die Strippe bekommen.

Beim Mobilfunk in Deutschland steigerte sich die Telekom um 14,5 Prozent auf rund 36 Millionen Kunden. In den USA verzeichnete T-Mobile ein Kundenwachstum von 14,6 Prozent auf 28,7 Millionen Kunden. Weltweit verfügt T-Mobile über 119,6 Millionen Kunden. Das sind 10,3 Prozent mehr als Ende 2006. "T-Mobile ist der Wachstumstreiber der Deutschen Telekom", sagt T-Mobile-Chef Hamid Akhavan.

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