Nokia NRW wittert Subventionsbetrug

Das Land Nordrhein-Westfalen hat ein Argument gefunden, um den Handyhersteller Nokia für die geplante Schließung des Bochumer Werks abzustrafen. Weil die Finnen nicht die geforderte Stellenzahl geschaffen haben, könnte das Land Subventionen zurückfordern. Nokias Image in Deutschland ist im Keller.

Düsseldorf - Der Handy-Hersteller Nokia  hat offenbar gegen Subventionsauflagen für sein Werk in Bochum verstoßen. Die bisherige Prüfung habe ergeben, dass zwischen 200 und 400 Arbeitsplätze zu wenig geschaffen worden seien, sagte ein Sprecher von Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) am Samstag. Der vollständige Bericht der NRW-Bank solle in den nächsten Tagen vorliegen. Dann würde darüber entschieden, ob und wie die Landesregierung daraus Konsequenzen ziehe.

Laut einem Vorabbericht des Magazins "Focus" bezieht sich der mögliche Verstoß auf die Jahre 2002 bis 2005. Die NRW-Bank habe im Auftrag der Landesregierung ermittelt, dass die Zahl der an eine öffentliche Förderung von 58 Millionen Euro gebundenen Stellen im Werk Bochum nicht erreicht wurde. Auch die Staatsanwaltschaft Bochum prüfe nun, ob sie Ermittlungen wegen Subventionsbetrug aufnehme.

Unterdessen warf Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) Nokia vor, in Bochum ein "Doppelspiel" betrieben zu haben. "In Bochum wurden mit den Mitarbeitern Zukunftspläne gemacht und in Rumänien in Wahrheit neue Fakten geschaffen", sagte Steinmeier der in Essen erscheinenden "Neuen Ruhr/Rhein Zeitung" (Samstagausgabe). Dafür habe er kein Verständnis.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kündigte massiven Widerstand gegen die Schließung des Nokia-Werkes an. "Wir erleben eine Mobilisierung wie seit langem nicht mehr, wenn die Finnen sich nicht bald bewegen, dann kann das so dramatisch werden wie bei dem Massenprotest in Rheinhausen 1987", sagte DGB-Landeschef Guntram Schneider der "Rheinischen Post" (Samstagausgabe). Nokia müsse seine Entscheidung revidieren.

Das Image des finnischen Herstellers in Deutschland ist auf den Tiefpunkt gesunken. Nach täglichen Umfragen des Kölner Marktforschungsinstitutes Psychonomics liege Nokia bei allen sieben Kriterien im negativen Bereich und damit deutlich hinter den Wettbewerbern Motorola , Sony Ericsson , Samsung , Panasonic, Philips , Sharp  und LG, meldete die Zeitschrift "Wirtschaftswoche" am Samstag vorab. Vom 15. Januar, dem Tag der Bekanntgabe der Werksschließung, bis zum 23. Januar sei der allgemeine Imagewert von plus 41 auf minus 14 Prozent gesunken.

Nokia will seine Handyproduktion in Deutschland einstellen und den Standort Bochum mit rund 2300 Mitarbeitern bis Mitte 2008 schließen.

manager-magazin.de mit Material von ddp

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