Donnerstag, 23. Januar 2020

Standort D Deutschlands Ansehen steigt wieder

Die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands als Wirtschaftsstandort ist in den vergangenen Jahren offenbar deutlich gestiegen. In einer Befragung von Topmanagern bekommt das Land wesentlich bessere Noten als vor vier Jahren - und setzt sich damit an die Spitze im europaweiten Vergleich.

Düsseldorf - Deutschland liegt in einem Ranking von zehn internationalen Wirtschaftsräumen gemeinsam mit der Schweiz auf dem zweiten Platz. Auf Platz eins steht China. Den dritten Platz der Rangliste, die von der Unternehmensberatung Droege & Comp. im Auftrag des "Handelsblatts" auf Grundlage einer Befragung von rund 1200 Führungskräften und Topmanagern aufgestellt wurde, teilen sich Österreich und Großbritannien.

China vor Deutschland: Zusammen mit der Schweiz werden die beiden Länder von Führungskräften als Standorte favorisiert
Weit mehr als die Hälfte aller Befragten (59 Prozent) hält die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands für "sehr gut" oder "gut" und gibt der Bundesrepublik auf einer Skala von eins (sehr gut) bis fünf (sehr schlecht) eine Durchschnittsbewertung von 2,3, schreibt das "Handelsblatt". Dieses positive Urteil haben nach Angaben der Zeitung im Jahr 2003 nur 13 Prozent der Befragten gefällt. Seither habe sich das Ansehen des Standorts Deutschland in den Augen der Manager Jahr für Jahr um insgesamt mehr als einen Notenpunkt gesteigert.

"Die deutsche Wirtschaft ist in den letzten Jahren in der Tat stets wettbewerbsfähiger geworden - vor allem dank der Unternehmen, aber auch dank der Tarifvertragsparteien und der Politik", unterstreicht laut "Handelsblatt" der Vorsitzende des Sachverständigenrats, Bert Rürup. Die Unternehmen hätten durchweg ihre Organisationsstrukturen neu aufgestellt und gemeinsam mit den Gewerkschaften moderate und flexible Tarifabschlüsse vereinbart. Schon die rot-grüne Regierung habe den Arbeitsmarkt flexibler gemacht, und die Große Koalition erhöhe jetzt die steuerliche Standortattraktivität.

Konjunktur kühlt sich ab

Aller Wettbewerbsfähigkeit zum Trotz wird allerdings auch Deutschland wahrscheinlich von einer Abkühlung der Konjunktur nicht verschont bleiben. Bisher war die Bundesregierung von einem Wachstum von mindestens zwei Prozent ausgegangen, doch nach skeptischen Analysen einiger Konjunkturexperten korrigierte auch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos die Prognosen der Bundesregierung nach unten. "Die Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Prognosen mehrfach nach unten gesenkt. Das kann auch die Bundesregierung nicht übersehen", sagte er der "Bild"-Zeitung. "Für eine genaue Prognose ist es aber noch zu früh. In der Tendenz rechne ich aber mit einem Wirtschaftswachstum von knapp unter zwei Prozent im Jahr 2008."

Als Hauptursache nannte er die Immobilienkrise in den USA: "Die Finanzkrise in den USA ist noch nicht überstanden. Es gibt - bildlich gesprochen - noch viele unentdeckte Leichen in den Kellern der internationalen Banken." Eine große Gefahr sei, dass sich die Kredite für mittelständische Unternehmen verteuerten.

Mit dem Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) und dem Münchner Ifo-Institut hatten im Dezember gleich zwei renommierte Wirtschaftsinstitute eine Abschwächung der Konjunktur für 2008 vorausgesagt. Das IfW korrigierte seine Wachstumserwartung für das nächste Jahr von 2,4 Prozent auf 1,9 Prozent. Noch skeptischer ist das Ifo-Institut, es geht statt 2,5 Prozent sogar nur noch von 1,8 Prozent Wachstum aus.

manager-magazin.de mit Material von ddp und dpa-afx

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