Managergehälter Kirche erteilt Mindestlohn den Segen

Der EKD-Ratsvorsitzende Bischof Wolfgang Huber schaltet sich in den Streit um Mindestlohn und Managergehälter ein. Deutschland habe ein Gerechtigkeitsproblem, sagt er. Huber fordert mehr Transparenz bei Managergehältern und implizit den flächendeckenden Mindestlohn.

Frankfurt am Main - Der EKD-Ratsvorsitzende Bischof Wolfgang Huber hat eine Ausweitung von Mindestlöhnen auf andere Branchen gefordert. In Deutschland gebe es grundsätzlich ein Gerechtigkeitsproblem, sagte Huber in einem Interview der Nachrichtenagentur AP. Der Schlüssel dazu sei die Frage der fairen Beteiligung aller am Leben in der Gesellschaft. Das schließe ein, dass Arbeitsplätze geboten würden, von denen Menschen auch ihr Auskommen haben könnten.

Mit der Umsetzung des Mindestlohns bei der Post sei das Problem noch nicht gelöst, "weil es andere Bereiche gibt, die von dieser Problematik mindestens genauso betroffen sind - etwa die Pflege", sagte Huber.

Diese Diskussion um den unteren Rand der Gehaltsskala werde umso bedrängender, wenn man sehe, wie an der Spitze Managergehälter und Abfindungen davoneilten und die durchschnittlichen Lohnsteigerungen um ein Vielfaches überträfen. "Wenn ein Manager 100 Mal so viel verdient wie ein einfacher Arbeiter und in dem entsprechenden Unternehmen zugleich 100 Arbeitsplätze aus Kostengründen wegfallen, dann kann das niemandem vermittelt werden das wird einfach als ungerecht empfunden", kritisierte Huber.

Jeder, der solche Gehaltsspannen festlege, möge dafür Gründe der Marktentwicklung oder internationale Vergleiche anführen, aber Gerechtigkeitsargumente gebe es dafür nicht.

Notwendig sei die Erhöhung der Transparenz und die Einsicht, dass man in solchen Fällen rechenschaftspflichtig sei, sagte Huber weiter. Auf die Frage, ob der Staat dabei eingreifen müsse, sagte der EKD-Ratsvorsitzende, er glaube, dass die öffentliche Diskussion das Entscheidende sei. "Die Transparenz kann man an der einen oder anderen Stelle gesetzlich fördern. Aber meine Priorität liegt auf der Debatte in der Gesellschaft", erklärte Huber.

"Debatte hat hysterische Züge"

BDI-Chef spricht von "populistischer Diskussion"

Seit Wochen kritisieren Politiker und Gewerkschafter eine "Abzocker-Mentalität" einzelner Manager, die trotz schlechter Leistungen mit Millionenabfindungen ihr Unternehmen verließen. Zuletzt hatte Post-Chef Klaus Zumwinkel für Empörung gesorgt, als er kurz nach der Koalitionsentscheidung für einen Post-Mindestlohn Aktienoptionen im Wert von 4,7 Millionen Euro eingelöst hatte. Auch das Gehalt von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking oder die Abfindung des ehemaligen Siemens-Chefs Klaus Kleinfeld waren auf Kritik gestoßen.

Während der Weihnachtsfeiertage hatten Wirtschaftsvertreter wie BDI-Präsident Jürgen Thumann ein Ende dieser in ihren Augen populistischen Diskussion gefordert. Sie gehe inzwischen "weit über das zu verantwortende Maß" hinaus, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. "Das schürt den Neid, das ist mir zu populistisch."

Auch der Arbeitgeberverband Gesamtmetall rief zur Mäßigung auf: "Diese Debatte hat streckenweise hysterische Züge angenommen", sagte Präsident Martin Kannegiesser. Wegen einzelner Fällen, die für Außenstehende schwer nachvollziehbar seien, alle Manager unter Generalverdacht zu stellen, reiße Gräben auf und könne die Gesellschaft teuer zu stehen kommen. Das deutsche System sei transparent und offen genug.

"Es ist gut, dass welche anfangen, sich zu wehren"

Auch die Gewerkschaften schalteten erneut in die Diskussion um soziale Gerechtigkeit ein. So teilte Verdi mit, der zähe Kampf für Mindestlöhne verschaffe ihnen auch neuen Zulauf. "Eigentlich können wir zufrieden sein. Wir haben den Diskurs gedreht", sagte Verdi-Chef Frank Bsirske. "Es gibt nun in großen Teilen der Gesellschaft die Stimmung: Es reicht, genug jetzt. Es ist gut, dass welche anfangen, sich zu wehren."

Bsirske kritisierte das Auseinanderfallen der sozialen Verhältnisse: Inzwischen stünden 1,9 Millionen Beschäftigte mit Stundenlöhnen unter fünf Euro da, und auf der anderen Seite explodierten die Gehälter der Manager. Das empfänden die Menschen als ungerecht - "genauso wie die Tatsache, dass Unternehmen Rekorddividenden ausschütten und gleichzeitig den Abbau Tausender Jobs verkünden".

Glos: Mindestlohn treibt Arbeitnehmer in die Illegalität

Widerstand gegen den Mindestlohn kommt von Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU), der vor einer flächendeckenden Einführung warnt: "Die Gefahr eines allgemeinen Mindestlohns liegt in einer völlig undifferenzierten Anwendung", sagte Glos der Wochenzeitung "Die Zeit". Viele Arbeitnehmer würden dadurch in die Illegalität getrieben, weil bei gesetzlich verordneten Löhnen viele Beschäftigungen nicht mehr möglich wären. "Vor allen Dingen würde dies auch die nicht sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze treffen. Es käme zu einem Abwandern von Produktionen und Dienstleistungen."

Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Andrea Nahles sieht die Einführung flächendeckender Mindestlöhne dagegen als das entscheidende arbeitsmarktpolitische Ziel ihrer Partei für das Jahr 2008. "Die SPD will flächendeckende Mindestlöhne, da bleiben wir zäh", sagte Nahles der "Thüringer Allgemeinen". Sie glaube nicht, dass die Union noch lange Argumente finden werde, "Arbeitnehmern einen Mindestlohn vorzuenthalten, den es nun für Briefzusteller und Gebäudereiniger gibt". "Der Zug rollt", sagte Nahles.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen