Debatte Offener Schlagabtausch um Managergehälter

Der Streit um die Managergehälter eskaliert. Verdi-Chef Frank Bsirske fordert höhere Steuern auf Spitzengehälter und die Wiedereinführung der Vermögensteuer. Die SPD will überhöhte Gehälter indirekt durch Gesetze deckeln, die CDU übt sich als Bedenkenträger und Industrieboss Jürgen Thumann ruft die Manager zur Gegenwehr auf.

Hamburg - Die Diskussion um die Höhe der Managergehälter in Deutschland hat am Wochenende erheblich an Schärfe gewonnen und ist zu einer allgemeinen Gerechtigkeitsdebatte mutiert. Angesichts der starken Einkommensunterschiede in Deutschland forderte Verdi-Chef Frank Bsirske höhere Steuern auf Managergehälter und große Privatvermögen.

"Wenn Firmeneigner durchsetzen, dass die Bezüge ihrer Vorstände explodieren sollen, dann bitte sehr. Aber aus meiner Sicht sollten diese Managergehälter wenigstens vernünftig besteuert und für die Gesellschaft abgeschöpft werden", forderte der Gewerkschaftsvorsitzende in einem Interview der Nachrichtenagentur AP.

SPD drängt auf neue Gesetze

Die SPD drängt derweil verschärft auf Gesetzesänderungen, um gegen überhöhte Managergehälter vorzugehen. Fraktionschef Peter Struck forderte in der Berliner "B.Z." laut Vorabbericht, dass künftig alle Vorstandsbezüge ohne Ausnahme öffentlich gemacht werden müssten. Dazu solle eine Klausel abgeschafft werden, wonach die Hauptversammlung eines Unternehmens dies mit Drei-Viertel-Mehrheit verhindern kann. Zudem sollten überhöhte Abfindungen künftig nicht mehr als Betriebsausgaben von der Steuer absetzbar sein. Das müsse erst recht für Abfindungen nach Entlassung wegen Misserfolg gelten, erklärte der SPD-Fraktionschef.

SPD-Chef Kurt Beck forderte erneut, alle Bezüge von Managern offenzulegen. "Der Staat darf gegenüber wirtschaftlichen Entwicklungen nicht hilflos sein. Das schadet sonst der Demokratie", sagte Beck der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Allerdings räumte Beck ein, dass Union und SPD in diesen Fragen noch weit auseinander lägen. Er drängte Bundeskanzlerin Angela Merkel, ihren Worten auch Taten folgen zu lassen.

Der Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Jürgen Thumann, sieht die Manager in Deutschland zu Unrecht an den Pranger gestellt. In einem Brandbrief an 15. 000 Unternehmer wehrt sich Thumann gegen Vorwürfe aus der Politik, die Managergehälter in Deutschland seien zu hoch. Laut "Bild"-Zeitung (Samstagausgabe) heißt es in dem Schreiben: "Wir Unternehmer und Manager orientieren uns an klaren Werten. Moral lässt sich nicht in Zahlen gießen, aber wir folgen dem Leitbild des ehrbaren Kaufmanns."

Thumann betonte: "Die große Koalition sollte sich von den Wahlkämpfen in den Bundesländern nicht auf den Holzweg führen lassen, Vorstandsvergütungen gesetzlich zu begrenzen." Der BDI-Präsident forderte die Unternehmer auf: "Lassen Sie uns gemeinsam klarmachen, wer in Deutschland Wohlstand und Wachstum erwirtschaftet: die vielen ausgezeichneten Unternehmen mit ihren hoch qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern."

Porsche-Vorstandsbezüge gaben den Anstoß

CDU: Bezüge von Managern erhöhen sich spektakulär

Eine gesetzlich festgelegte Lohngrenze hält die SPD nach Worten Strucks aber für unmöglich, weil dies gegen das Grundgesetz verstoßen würde. Auch Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) lehnt eine derartige Regelung ab. "Diese Frage kann von der Politik nicht überzeugend gelöst werden", sagte der CDU-Politiker der "Bild am Sonntag". Die Unternehmen sollten mehr Fingerspitzengefühl zeigen.

Lammert äußerte sich zugleich besorgt über große Einkommensunterschiede in Deutschland. "Die Bezüge von Managern erhöhen sich spektakulär, während die Durchschnittsgehälter der Erwerbstätigen stagnieren." Man dürfe sich nicht wundern, wenn das Gerechtigkeitsempfinden der Menschen berührt sei.

Porsche-Vorstandsbezüge gaben den Anstoß

Die Forderung nach einer gesetzlichen Begrenzung von Managerbezügen war einer der Höhepunkte der Debatte in den vergangenen Wochen. Ausgelöst hatte die Diskussion um überzogene Managergehälter die Veröffentlichung der Bezüge des Porsche-Vorstands. Insgesamt verdiente der Führungszirkel des Nobelautobauers in nur einem Jahr 112,7 Millionen Euro - allein Porsche-Chef Wendelin Wiedeking soll 60 bis 70 Millionen Euro kassieren. Einen Tag nach dieser Nachricht, hielt Bundespräsident Horst Köhler alarmiert eine Rede, in der er eine "Kultur der Mäßigung" anmahnte. Der soziale Frieden sei wegen der wachsenden Einkommenslücke in Gefahr.

Einkommen: Die Schere geht immer weiter auf

Die Warnungen vor einer wachsenden Gerechtigkeitslücke sind nicht aus der Luft gegriffen: Dem Sozioökonomischen Panel des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge sind die Einkommen der ärmeren Schichten in Deutschland gegenüber dem Jahr 1992 preisbereinigt um 13 Prozent gesunken. Die Bezüge der Spitzenverdiener legten im selben Zeitraum um fast ein Drittel zu. Und viele Experten warnen: Der Trend wird sich jetzt angesichts der steigenden Inflation noch verschärfen.

Verdi bringt Vermögensteuer wieder ins Spiel

Verdi-Chef Bsirske sprach sich vor diesem Hintergrund darüber hinaus für eine höhere Besteuerung großer Erbschaften sowie die Wiedereinführung der Vermögensteuer aus. "Wenn man sich die Besteuerung großer Vermögen im internationalen Vergleich ansieht, dann sind Deutschland und Österreich Steueroasen", kritisierte Bsirske.

Im Vergleich der europäischen Kernländer der EU-15 sei die Steuer- und Abgabenbelastung in Deutschland unterdurchschnittlich. "Das heißt, gemessen am Bruttoinlandsprodukt verzichten wir relativ gesehen auf 90 bis 120 Milliarden Euro Einnahmen pro Jahr." Dieses Geld wäre in besseren Bildungsangeboten, mehr sozialer Sicherheit und öffentlichen Investitionen gut angelegt, meinte der Gewerkschaftschef. So hänge fast nirgendwo in der industrialisierten Welt der Schulerfolg so stark von der sozialen Herkunft ab wie in Deutschland.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen