Gehälterdebatte BDI-Chef probt den Manageraufstand

In dem öffentlich geführten Streit um Managergehälter holt der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) zum Gegenschlag aus. In einem Brandbrief an 15.000 Unternehmen ruft BDI-Chef Jürgen Thumann die Manager dazu auf, sich gegen Vorwürfe zur Wehr zu setzen.

Hamburg - Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung (Samstagausgabe) heißt es in dem Schreiben: "Wir Unternehmer und Manager orientieren uns an klaren Werten. Moral lässt sich nicht in Zahlen gießen, aber wir folgen dem Leitbild des ehrbaren Kaufmanns."

Thumann betonte: "Die große Koalition sollte sich von den Wahlkämpfen in den Bundesländern nicht auf den Holzweg führen lassen, Vorstandsvergütungen gesetzlich zu begrenzen." Der BDI-Präsident forderte die Unternehmer auf: "Lassen Sie uns gemeinsam klarmachen, wer in Deutschland Wohlstand und Wachstum erwirtschaftet: die vielen ausgezeichneten Unternehmen mit ihren hoch qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern."

Doch auch die andere Seite greift erneut in die Diskussion ein. Der "Bild am Sonntag" sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU): "Das Problem besteht darin, dass die Proportionen aus dem Ruder geraten: Die Bezüge von Managern erhöhen sich spektakulär, während die Durchschnittsgehälter der Erwerbstätigen stagnieren." Da dürfe darf man sich nicht wundern, wenn das Gerechtigkeitsempfinden der Menschen berührt ist."

Eine gesetzliche Begrenzung von Managerbezügen lehnte Lammert allerdings ab. "Diese Frage kann von der Politik nicht überzeugend gelöst werden", betonte er. "Meine dringende Empfehlung richtet sich an die Wirtschaft selbst: Die Unternehmen sollten bei den Vorstandsbezügen mehr Fingerspitzengefühl zeigen."

Mindestlöhne hält Lammert nach der Einigung bei der Post in weiteren Branchen für denkbar. "Die Koalition hat eine klare Vereinbarung getroffen, unter welchen Bedingungen das Entsendegesetz auf weitere Branchen ausgedehnt werden kann. Ich sehe keinen Grund, davon abzuweichen", sagte der Präsident.

Die Forderung nach einer gesetzlichen Begrenzung von Managerbezügen war einer der Höhepunkte der Debatte in den vergangenen Wochen. Ausgelöst hatte die Diskussion um überzogene Managergehälter die Veröffentlichung der Bezüge des Porsche-Vorstands. Insgesamt verdiente der Führungszirkel des Nobelautobauers in nur einem Jahr 112,7 Millionen Euro - allein Porsche-Chef Wendelin Wiedeking soll 60 bis 70 Millionen Euro kassieren. Einen Tag nach dieser Nachricht, hielt Bundespräsident Horst Köhler alarmiert eine Rede, in der er eine "Kultur der Mäßigung" anmahnte. Der soziale Frieden sei wegen der wachsenden Einkommenslücke in Gefahr.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen