Tarifstreit Bahn und GDL verhandeln wieder

Es gibt doch noch Hoffnung, dass ein Lokführerstreik im Januar abgewendet werden kann. Die Deutsche Bahn und die Lokführergewerkschaft GDL wollen sich wieder an den Verhandlungstisch setzen. Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee hatte bei den Konfliktparteien interveniert.

Berlin - Nur zwei Tage nachdem die Lokführergewerkschaft GDL die Tarifverhandlungen mit der Deutschen Bahn abgebrochen und mit massiven Arbeitskämpfen ab dem 7. Januar gedroht hatte, teilte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee am Freitag mit, dass beide Seiten ab Samstag wieder verhandeln wollen.

Der SPD-Politiker hatte sich mehrere Stunden lang mit Bahn-Chef Hartmut Mehdorn und dem GDL-Vorsitzenden Manfred Schell in Berlin getroffen. Bei Aussicht auf eine Einigung in dem bereits seit Monaten andauernden Konflikt will die GDL demnach auf Streiks verzichten, auch wenn bis zum 6. Januar kein Abschluss erzielt wurde.

Die Verhandlungen sollten auch über die Feiertage laufen, sagte Tiefensee. Als Grund für die Bereitschaft für die Fortsetzung der Tarifverhandlungen sagte er: "Es war nicht nur Atmosphäre, beide Parteien haben sich auch in ganz konkreten Fragen angenähert." Details nannte er nicht.

Bahn und GDL erklärten übereinstimmend, Ergebnis des Gesprächs seien unverzügliche Verhandlungen über Entgelt und Arbeitszeit. Ziel sei es, bis zum 6. Januar zu einer Einigung zu kommen. Der Konzern hatte zuvor die Lokführer erneut zu einem Schlichtungsverfahren aufgefordert, was die GDL bereits abgelehnt hat. Die Lokführer sperren sich gegen eine Schlichtung, an der auch die anderen Bahngewerkschaften beteiligt sein sollen.

Die GDL hatte am Mittwoch ihre Verhandlungen mit der Deutschen Bahn abgebrochen, weil sie keine Aussicht auf den von ihr geforderten eigenständigen Tarifvertrag sah. Die Bahn reagierte darauf mit der Rücknahme ihres Angebots für eine Lohnerhöhung um bis zu 13 Prozent.

Die Einmischung Tiefensees in den Tarifkonflikt war auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel gedeckt. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm betonte, die gesamte Regierung unterstütze mit Nachdruck Tiefensees Bemühungen. Gegebenenfalls könnte sich auch Kanzleramtschef Thomas de Maiziere einschalten.

Der Vorsitzende des Fahrgastverbandes Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, kritisierte, vor allem die Pendler hätten kein Verständnis mehr für die andauernden Auseinandersetzungen. Er verlangte im Bayerischen Rundfunk ein Eingreifen der Politik. "Wenn die Beteiligten sich nicht einigen können aus eigener Kraft, dann bleibt ja gar nichts anderes übrig, als nach einer Schlichtung oder einer Moderation zu rufen", sagte Naumann.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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