RWE Gewerkschaft droht mit Streik

Der Energiekonzern RWE muss im neuen Jahr einen Arbeitskampf befürchten. Die Gewerkschaft IG BCE will die Angebote des Unternehmens für einen neuen Haustarifvertrag ablehnen. Sie verlangt 8 Prozent mehr Lohn. RWE nennt das "verantwortungslos".

Essen - Deutschlands zweitgrößter Energieversorger RWE  steuert auf einen Streik zu. Betroffen sind nach Angaben der Gewerkschaft IG BCE 20.000 der 35.000 Beschäftigten, die nach dem Haustarifvertrag bezahlt werden. "Wir bereiten uns intern auf eine Urabstimmung und Aktionen bis hin zum Streik vor", sagte der Verhandlungsführer der Gewerkschaften, Karl-Heinz Römer, der Tageszeitung "Die Welt" (Freitagausgabe).

Die Gewerkschaften Verdi und IG BCE hatten 8 Prozent mehr Lohn gefordert. Das Unternehmen hatte mehrere Varianten angeboten, unter anderem eine Erhöhung um 3,2 Prozent und 1500 Euro Einmalzahlung bei 12 Monaten Laufzeit.

Die Verhandlungskommission der IG BCE empfiehlt, die bisher vorliegenden Angebote der Arbeitgeber abzulehnen und das Scheitern der Verhandlungen festzustellen. Über die Empfehlung der Verhandlungskommission soll am 17. Januar die Große Tarifkommission entscheiden. Arbeitskampfmaßnahmen seien dann frühestens Anfang Februar möglich, sagte der Verhandlungsführer der IG BCE, Michael Winkler, der Nachrichtenagentur dpa am Freitag.

RWE nennt eigene Angebote "tragfähig"

RWE bezeichnete die Angebote als "tragfähig". Bei einem Einigungswillen sei eine schnelle Lösung möglich. Dass dies möglich sei, zeigten andere Abschlüsse in der Energiebranche, die allerdings in Flächentarifverträge eingebunden seien. Darunter seien auch RWE-Konzerngesellschaften. Das Ergebnis solcher Tarifrunden in 2007 setze den Rahmen dafür, welcher Spielraum bei den noch offenen Haustarifverhandlungen für den Rest der RWE-Belegschaft gegeben sei.

Die unterschiedlichen Angebots-Varianten von RWE haben Laufzeiten zwischen 12 und 24 Monaten. Die prozentualen Erhöhungen liegen zwischen 3,2 und 4,5 Prozent. Hinzu kommen Einmalzahlungen zwischen 1200 und 3600 Euro. "Angesichts solcher Angebote mit Streik zu drohen, wird den Fakten in keiner Weise gerecht und ist verantwortungslos. Der RWE-Vorstand bemüht sich weiterhin um eine einvernehmliche Lösung", hieß es in einer Mitteilung.

Sollte die Tarifkommission Mitte Januar für den Arbeitskampf stimmen, würde nur wenige Wochen nach Amtsantritt des neuen RWE-Chefs Jürgen Großmann der erste Streik in der Geschichte des Konzerns drohen. Der zurzeit geltende RWE-Haustarif läuft am 1. Januar aus. Alle bisherigen RWE-Angebote liegen nach Gewerkschaftsbewertung unterhalb der Inflationsrate. Die Beschäftigten müssten demnach Reallohnkürzungen hinnehmen. Römer beklagte, dass die Mitarbeiter nicht an den "sprudelnden Gewinnen des Unternehmens beteiligt werden".

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.