Kreditkrise Merrill Lynch sucht Hilfe bei Staatsfonds

Eine weitere große Investmentbank begeistert sich für staatliche Investoren. Merrill Lynch hofft laut einem Zeitungsbericht auf eine Kapitalspritze von fünf Milliarden Dollar aus Singapur. Auch andere Investoren kämen infrage. Der Bank drohen erneut Milliardenabschreibungen.

New York - Wie zuvor andere Banken weltweit sucht nun auch die krisengeplagte US-Investmentbank Merrill Lynch  laut einem Zeitungsbericht nach einer Kapitalspritze in Milliardenhöhe. Das Institut verhandle mit dem Staatsfonds Temasek aus Singapur über frisches Kapital in Höhe von fünf Milliarden Dollar, berichtete das "Wall Street Journal" am Freitag. Merrill Lynch drohe durch die Kreditkrise die Verdopplung ihrer bisherigen Abschreibungen auf die Rekordsumme von rund 16 Milliarden Dollar (11 Milliarden Euro).

Temasek Holdings habe einer möglichen Beteiligung vorläufig zugestimmt, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf informierte Personen. Details müssten aber erst verhandelt werden. Das Geschäft sei daher noch nicht in trockenen Tüchern. Merrill Lynch spreche womöglich auch mit anderen Investoren. Weder die Bank noch Temasek wollten sich zu dem Bericht auf Anfrage der Zeitung äußern.

Temasek gilt mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 100 Milliarden Dollar als einer der ältesten und erfolgreichsten Staatsfonds Asiens. Solche regierungsnahen Investoren legen die Handelsüberschüsse ihrer Länder Gewinn bringend auf den internationalen Kapitalmärkten an.

Die ganze Wall Street ruft nach Staatsfonds

In den vergangenen Wochen hatten mehrere Banken Staatsfonds aus asiatischen und arabischen Ländern für Milliardenbeträge an Bord geholt. Der US-Finanzkonzern Citigroup  verkaufte einen 4,9-prozentigen Anteil für 7,5 Milliarden Dollar an Adia aus dem Golfemirat Abu Dhabi. Der China Investment Council will für fünf Milliarden Dollar eine Wandelanleihe von Morgan Stanley  zeichnen, die in einen Aktienanteil von 9,9 Prozent der Bank umgewandelt werden kann.

Dieses Modell verfolgt auch die Schweizer Großbank UBS . Sie stützt sich auf Temaseks große Schwester, die Government of Singapore Investment Corporation (GIC), die für elf Milliarden Schweizer Franken Anspruch auf einen rund 9-prozentigen Anteil erwirbt. Ein weiterer Staatsfonds, der laut UBS anonym bleiben will, steigt mit zwei Milliarden Franken ein. Die "Financial Times" meldete nun, es handle sich um einen Fonds aus Saudi-Arabien. Die saudische Königsfamilie pflege seit langem enge Beziehungen zum Private-Banking-Vorstand der UBS, Michel Adjadj. Kronprinz Sultan habe den Deal eingefädelt.

UBS-Aktionäre revoltieren gegen Singapur

Für die außerordentliche Hauptversammlung im Februar, auf der über den Einstieg der Staatsfonds abgestimmt werden soll, muss die Bank sich laut "Financial Times" auf Widerstand gefasst machen. Mehrere institutionelle Investoren aus der Schweiz wollten dagegen stimmen, schreibt die Zeitung.

Sie kritisierten, dass bestehende Aktionäre benachteiligt würden. Die Wandelanleihe wird mit 9 Prozent verzinst. Die Kapitalspritze führt dazu, dass der Wert des bestehenden Aktienkapitals verwässert wird. Außerdem forderten sie, das Geheimnis um die Identität des zweiten Staatsfonds zu lüften. Die Schweizer Nationalbank sah sich zu dem ungewöhnlichen Schritt veranlasst, den Aktionären die Zustimmung zu dem "sehr guten Deal" zu empfehlen.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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