Commerzbank Interesse an IKB flaut ab

Die Commerzbank steht einer Übernahme der IKB zusehends kritischer gegenüber. Unterdessen wurde bekannt, dass die Verluste der Mittelstandsbank die Bilanz der Muttergesellschaft KfW noch bis weit ins nächste Jahrzehnt belasten werden.

Frankfurt am Main - "Ich bin nicht sicher, wie hoch der Nutzen für unsere Aktionäre, Kunden oder Mitarbeiter ist, wenn wir uns hier positionieren", sagt das für das Mittelstandsgeschäft zuständige Vorstandsmitglied Martin Blessing im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Freitagausgabe). "Die meisten Kunden der IKB  oder zumindest sehr viele davon haben ohnehin schon mit uns Bankbeziehungen", sagt der Bankmanager, der im Mai kommenden Jahres von Klaus-Peter Müller den Posten des Vorstandssprechers übernimmt.

Nach Ansicht von Blessing wird die derzeitige Finanzkrise, die vom US-Hypothekenmarkt ausgegangen ist und längst zahlreiche andere Kreditmärkte in Mitleidenschaft gezogen hat, eine Reihe von Fusionen und Übernahmen unter den großen Banken auslösen.

"Jede Verwerfung auf den Finanzmärkten hat in der Vergangenheit zu großen Zusammenschlüssen geführt. Auch die Commerzbank  ist Ende des neunzehnten und Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts so entstanden." Nun könne es wieder eine Konsolidierungswelle geben.

Für die Commerzbank sehe er daraus keinen Handlungsdruck entstehen, auch wenn die Bank demnächst wieder einmal als Übernahmekandidat gehandelt werden sollte. "Diese Konsolidierungsdebatten werden genauso hohen Unterhaltungswert haben wie frühere Diskussionen."

Unterdessen meldet das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL, dass die möglichen Verluste der IKB aus der Hypothekenkrise die Bilanz der Muttergesellschaft KfW-Bankengruppe noch bis weit ins nächste Jahrzehnt belasten werden. Das gehe aus einer internen Vorlage des staatlichen Förderinstituts hervor. Danach sei bis ins Jahr 2017 mit Verlusten zu rechnen, die sich nach bisheriger Schätzung auf rund fünf Milliarden Euro summieren. 85 Prozent der Verluste würden allerdings bis 2011 anfallen, heißt es in der Vorlage.

Notverkauf der Sachsen LB "bittere Pille"

Notverkauf der Sachsen LB "bittere Pille"

Für die Risikoabschirmung der IKB  hat vor allem die KfW, die zu 38 Prozent an dem Düsseldorfer Mittelstandfinanzierer beteiligt ist, Geld bereitgestellt. Mit rund einer Milliarde Euro sprangen aber auch andere Finanzinstitute ein. Durch die Aktion ist der KfW-eigene Fonds für allgemeine Bankrisiken in Höhe von 5,3 Milliarden Euro nahezu verbraucht. Um ihn zu schonen, hatte KfW-Chefin Ingrid Matthäus-Maier eine Bundesbürgschaft von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) über fünf Milliarden Euro verlangt. Steinbrück lehnte ab.

DER SPIEGEL berichtet zudem, dass Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) nach dem Notverkauf der Landesbank eine Neuordnung der öffentlichen Banken in Deutschland für nötig hält. In einem Interview mit dem Nachrichten-Magazin sagte der Regierungschef, angesichts der aktuellen Entwicklung im Banksektor dürfe es kein Tabu geben. Die Sachsen LB war wie die IKB nach Spekulationen auf dem US-Hypothekenmarkt in Bedrängnis geraten.

Es sei die Frage zu stellen, ob bei den Landesbanken jetzt nicht auch privates Kapital zugelassen werden müsse. Angesichts der Geldknappheit der öffentlichen Haushalte sei der Staat ansonsten meist nicht mehr in der Lage, genügend Kapital bereitzustellen.

Den Notverkauf der Sachsen LB bezeichnet Milbradt als "eine bittere Pille", eine persönliche Verantwortung für den Crash sieht er hingegen nicht. Zunächst müssten Wirtschaftsprüfer die Vorgänge durchleuchten, die zu den Milliardenrisiken der einzigen ostdeutschen Landesbank führten.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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