BMW Stellenabbau löst Kurssprung aus

Der Autohersteller BMW startet ein umfangreiches Sparprogramm und streicht im nächsten Jahr Tausende Stellen. Nach Medieninformationen könnten rund 8000 Arbeitsplätze wegfallen. Auf ebenso viele Punkte stieg der Dax am Freitag - dank der BMW-Aktie.

München/Hamburg/Leipzig - Nach sinkenden Renditezahlen will der Münchener Autobauer BMW  mehrere tausend Stellen streichen. "Wir werden im nächsten Jahr mit mehreren Tausend Stellen weniger als in diesem Jahr die gleiche Leistung erbringen", sagte BMW-Personalvorstand Ernst Baumann am Freitag. Ein Unternehmenssprecher erklärte, dass der Arbeitsplatzabbau vor allem Zeitarbeitsverträge betreffen solle, betriebsbedingte Kündigungen in der Stammbelegschaft schloss er aus.

Allerdings wolle das Unternehmen auch die Zahl seiner angestellten Mitarbeiter über den Weg natürlicher Fluktuation und Altersteilzeit reduzieren. "Die Maßnahmen sind Teil der vom Vorstand beschlossenen strategischen Neuausrichtung mit dem Ziel einer nachhaltigen Profitabilitätssteigerung", sagte ein BMW-Sprecher. Die vom Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL genannte Zahl von 8000 wegfallenden Stellen wollte der Sprecher nicht bestätigen. "Ein genaue Zahl können wir nicht nennen, es entspricht jedoch einem Abbau mehrerer tausend Stellen."

In erster Linie seien Zeitarbeiter betroffen. "Die Verträge laufen einfach aus", sagte der Sprecher. Erst kürzlich hatte der mit rund 100 Zeitarbeitsfirmen zusammenarbeitende Autobauer überraschend angekündigt, Leiharbeiter künftig nach dem viel höheren Metall-Tarifvertrag bezahlen zu wollen.

"Hauptsächlich die natürliche Fluktuation nutzen"

Vom Arbeitsplatzabbau seien hauptsächlich Inlandsstandorte betroffen, sagte der Sprecher. Eine Größenordnung, um wie viele Beschäftigte der Autobauer seine feste Belegschaft reduzieren will, wollte er nicht nennen. Laut SPIEGEL sollen bei der Stammbelegschaft von derzeit 107.700 Menschen ebenfalls mehrere tausend Stellen wegfallen.

Dazu wolle der Autobauer die Altersteilzeit nutzen, die Arbeitsplätze ausscheidender Mitarbeiter nicht mehr besetzen und Beschäftigte durch Abfindungsangebote zum freiwilligen Abgang animieren. "Wir wollen hauptsächlich die natürliche Fluktuation nutzen", bestätigte der Sprecher. "Betriebsbedingte Kündigungen können wir ausschließen", fügte er hinzu.

Auch eine Verlagerung von Stellen ins Ausland sei nicht geplant. "Wir beschäftigen drei Viertel unserer 107.000 Mitarbeiter in Deutschland und das wird auch in Zukunft so bleiben", betonte er. Der Stellenabbau solle durch eine kontinuierliche Steigerung der Produktivität ausgeglichen werden. Ziel sei es, die Profitabilität nicht nur durch eine Senkung Materialkosten sondern auch der Personalkosten zu steigern.

BMW-Aktie an der Dax-Spitze

Die BMW-Aktie legte am Freitag an der Spitze des Dax  5,2 Prozent zu und half so, den deutschen Leitindex über die 8000-Punkte-Marke zu heben. An der Börse war BMW in den vergangenen Monaten wiederholt unter Druck geraten, da die Münchener zwar Absatz und Umsatz deutlich steigern konnten. Allerdings lagen die Gewinnzuwächse in den vergangenen Quartalen stets unter dem Umsatzwachstum, weshalb sich die Rendite insgesamt verschlechterte.

BMW-Chef Norbert Reithofer kündigte deshalb im September eine "strategische Neuausrichtung" des unter dem starken Euro  und steigenden Rohstoffpreisen leidenden Konzerns an. "Wir richten die BMW Group konsequent auf Profitabilität und langfristige Wertsteigerung aus", sagte der BMW-Chef damals und versprach den Anlegern damit wieder steigende Aktienkurse.

Während BMW den Erzrivalen Mercedes bereits vor zwei Jahren bei den Absatzzahlen überholt hatte, geriet der Münchener Autobauer bei der Rendite inzwischen ins Hintertreffen. Während die Stuttgarter pro 100 Euro Umsatz im ersten Halbjahr über acht Euro Gewinn erzielten, sank die Quote beim einstigen Rendite-Vorbild BMW in der Autosparte im ersten Halbjahr auf nur noch 5,6 Prozent. Reithofer will nun bis 2012 durch Kostensenkungen und kalkulierte Mehreinahmen rund sechs Milliarden Euro gut machen.

IG Metall nicht von Ankündigung überrascht

Für die bayerische IG Metall kam die Ankündigung eigenen Angaben zufolge nicht überraschend. Dass BMW Jobs streichen wolle, sei der Gewerkschaft bereits seit Mai bekannt, sagte ein IG-Metall-Sprecher. Anfang Dezember seien die Zahlen lediglich präzisiert worden. Es sei "völlig klar", dass mit einer Produktionsumstellung auch personelle Veränderungen verbunden seien. Allerdings habe BMW bisher eine Größenordnung von 3000 bis 4000 Stellen genannt. "Die Zahl 8000 kommt für uns völlig überraschend."

Der Betriebsrat des Leipziger BMW-Werkes rechnet nicht mit einem gravierenden Stellenabbau. Es gelte die Betriebsvereinbarung "Arbeitszeitkonto", die beinhalte, dass es bis 2014 keine betriebsbedingten Kündigungen geben könne, teilte der Betriebsrat mit. Ein durch Produktivitätssteigerung geringerer Personalbedarf werde sozialverträglich durch Alterszeitverträge, natürliche Fluktuation, Verringerung der Zeitarbeit und der Nutzung des Arbeitszeitkontos abgefangen. In Leipzig sind besonders viele Zeitarbeiter beschäftigt. Dort kommen auf rund 2500 Stammmitarbeiter rund 1200 Zeitarbeiter. Insgesamt arbeiten bei BMW weniger als 10.000 Beschäftigte von Zeitarbeitsfirmen.

manager-magazin.de mit Material von ap, ddp, dpa und reuters

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