EADS Airbus-Werke sollen in deutscher Hand bleiben

Der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS setzt beim Verkauf seiner deutschen Werke auf einen deutschen Käufer. Als bevorzugter Bieter für die Werke in Nordenham, Varel und Augsburg ist MT Aerospace ausgewählt worden. Airbus-Chef Thomas Enders hatte dagegen auf einen Käufer aus den USA gesetzt.

Paris - Der Verwaltungsrat von EADS  hat die Bremer MT Aerospace auf seiner Sitzung in Amsterdam als bevorzugten Bieter ausgewählt. Damit setzte sich der deutsche Interessent überraschend gegen den US-Zulieferer Spirit Systems durch, der als klarer Wunschkandidat von Airbus-Chef Thomas Enders galt.

"Wir freuen uns sehr, dass wir ausgewählt wurden. Wir haben hart dafür gekämpft", erklärte Marco Fuchs, Vorstandschef der MT Aerospace-Muttergesellschaft OHB Technology  AG. "Wir sind guter Dinge, dass wir die Verhandlungen zu einem positiven Abschluss führen werden." Es sei schwer abzuschätzen, wie lange sie dauern würden.

Nach Einschätzung von Airbus Deutschland sei die Zusammenarbeit mit der Bremer OHB eine ideale Lösung für die Werke in Varel, Nordenham und Augsburg. "Mit OHB haben wir einen hervorragenden Partner gefunden zur langfristigen Sicherung der Standorte und für die Entwicklung der A350", sagte ein Sprecher von Airbus Deutschland am Mittwoch.

Zustimmung auch von der Bundesregierung

Zustimmung für die Entscheidung gab es auch von der Bundesregierung. "Die Entscheidung des EADS-Verwaltungsrats ist eine wichtige Weichenstellung in Richtung eines starken deutschen Herstellers im Bereich Flugzeugrumpf, der auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig ist", sagte der Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt, Peter Hintze. Der neue deutsche Produktionsverbund werde nicht nur Airbus beliefern, sondern sein Know-how auch Boeing und anderen Flugzeugherstellern anbieten. Er hoffe auf einen positiven Abschluss der Verkaufsverhandlungen zwischen EADS/Airbus und der Bremer OHB. In diesen Prozess sollten auch die Arbeitnehmer an den drei Standorten eingebunden werden.

Weitere Werke stehen zum Verkauf

EADS will sich insgesamt von sechs Werken trennen. Für die französischen Standorte Méaulte und St. Nazaire Ville werde mit Latécoère aus Toulouse weiterverhandelt. Das britische Unternehmen GKN ist bevorzugter Bieter für Teile des Werks in Filton, teilte EADS weiter mit. Man strebe eine endgültige Einigung "zum baldmöglichsten Zeitpunkt" an. Bedeutende Fortschritte bei der Einigung über den Kaufvertrag würden für das erste Quartal 2008 erwartet.

An den Standorten in Deutschland und Frankreich werde Airbus drei Jahre lang eine "substanzielle Minderheitsbeteiligung" halten, teilte EADS weiter mit. Nach Ablauf der Frist könne sich der Flugzeugbauer aus den Joint Ventures vollständig zurückziehen. Dadurch könne Airbus die Entwicklungsphase für den neuen Langstreckenjet A350 begleiten, der zum großen Teil in den ausgelagerten Werken gebaut werden soll. Filton solle gleich vollständig verkauft werden.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen