Ifo-Index Trübe Aussichten

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Dezember überraschend deutlich eingetrübt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex gab um mehr als einen Punkt nach. Auch das HWWI senkte seine Prognose und rechnet für 2008 jetzt nur noch mit einem Wachstum von 1,7 Prozent.

München - Der Ifo-Geschäftsklimaindex sei von 104,2 Punkten im Vormonat auf 103,0 Punkte gesunken, teilte das Ifo-Institut am Mittwoch in München mit. Von Thomson Financial News befragte Volkswirte hatten einen moderateren Rückgang auf 103,5 Punkte erwartet. Im Vormonat November war die wichtigste Kennzahl der deutschen Konjunktur noch überraschend gestiegen.

Die Geschäftserwartungen sanken unterdessen nur leicht von 98,3 Punkten im Vormonat auf 98,2 Punkte im Dezember. Volkswirte hatten zuvor mit einem kräftigeren Rückgang auf 97,6 Punkte gerechnet.

Die Einschätzung der Geschäftslage verschlechterte sich von revidiert 110,3 (zunächst 110,4) Punkten im Vormonat auf 108,1 Punkte. Volkswirte hatten einen geringeren Rückgang auf 109,5 Punkte erwartet.

Die konjunkturelle Dynamik lässt weiter nach", erklärte der Präsident des Ifo-Instituts. Die Aussichten für das kommende halbe Jahr würden unverändert zurückhaltend eingeschätzt.

Im verarbeitenden Gewerbe habe der Geschäftsklimaindikator nachgegeben, während er im Bauhauptgewerbe geringfügig nach oben tendiere. Das Geschäftsklima im Großhandel sei weitgehend unverändert geblieben, im Einzelhandel habe es sich indes erneut eingetrübt.

Das Ifo Geschäftsklima basiert auf rund 7.000 monatlichen Meldungen von Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes, des Bauhauptgewerbes, des Großhandels und des Einzelhandels. Die Unternehmen werden gebeten, ihre gegenwärtige Geschäftslage zu beurteilen und ihre Erwartungen für die nächsten sechs Monate mitzuteilen.

HWWI sieht Wachstumsdelle

HWWI sieht Wachstumsdelle

Auch das Hamburger Weltwirtschaftsinstitut HWWI senkte seine Wachstumsprognose für kommendes Jahr. Die deutsche Wirtschaft werde im Jahr 2008 voraussichtlich mit einer Rate von 1,7 Prozent wachsen, teilte das HWWI am Mittwoch in Hamburg mit.

Damit revidierte das Institut seine bisherige Prognose von 2,3 Prozent um 0,6 Punkte nach unten. Für das laufende Jahr erwarten die Experten wie bislang ein Wachstum von 2,5 Prozent. Für das Jahr 2009 wird eine Wachstum von 2,0 Prozent prognostiziert.

Nach recht gutem Verlauf der Konjunktur in diesem Jahr hätten sich die Perspektiven inzwischen merklich eingetrübt, schreibt das HWWI. Die Immobilien- und Finanzkrise in den USA sowie der Ölpreis- und der Eurokursanstieg belasteten das Wachstum. In der ersten Hälfte des kommenden Jahres sei deshalb mit einer Wachstumsdelle, möglicherweise sogar mit einer Stagnation zu rechnen, schreiben die Forscher.

Bei Nichtverschärfung der gegenwärtigen Risiken sei im späteren Jahresverlauf mit einer Rückkehr auf den Aufschwungspfad und 2009 mit einer Fortsetzung des Aufschwungs zu rechnen.

Die bislang positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt dürfte sich ebenfalls abflachen. Die Inflationsrate, die zuletzt mit 3,1 Prozent den höchsten Stand seit 1994 erreicht hatte, dürfte bei Beruhigung der Ölpreise und wegen des Wegfalls der Basiseffekte administrativ bedingter Teuerungsanstöße bald sinken und gegen Ende kommenden Jahres wieder unter die 2-Prozent-Marke fallen, schätzt das HWWI.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters