Freitag, 6. Dezember 2019

Finanzmarktkrise Letzte Hoffnung Buffett

Seit die Kreditkrise die Märkte durchrüttelt, ist die Aktie von Warren Buffetts Investmentholding Berkshire Hathaway im Höhenflug. Anleger vertrauen nicht nur auf Buffetts angeblich krisenfestes Portfolio: Sie setzen auch darauf, dass der Meister inmitten der Krise die lukrativsten Deals aufspürt.

Hamburg - Kreditkrise, Vertrauenskrise? Seit Ende Juli irrlichtern Indizes wie Dow Jones Börsen-Chart zeigen, Dax Börsen-Chart zeigen und S&P 500 Börsen-Chart zeigen auf und ab. Banken misstrauen einander, und Anleger nehmen beim kleinsten Schwächezeichen Geld vom Tisch. Notenbanken kaufen mit immer neuen Milliardenspritzen Zeit, damit Kreditinstitute ihre Bücher bereinigen können. Doch die Last der faulen Kredite, kunstvoll versteckt in "Structured Investment Vehicles", ist so groß, dass Vertrauen nicht einkehren will.

Der Geldvermehrer: Aktien von Buffetts Holding Berkshire Hathaway haben seit Sommer die großen Indizes klar abgehängt
Genauer gesagt: Vertrauen sich nur auf ganz wenige beschränkt. Zum Beispiel auf Warren Buffett.

Seit Ende Juli ist die Aktie der von ihm geführten Investmentholding, schon zu Beginn der Turbulenzen der teuerste Anteilschein der Welt, noch einmal um rund 25 Prozent gestiegen. Mitte Dezember hatte die A-Aktie von Berkshire Hathaway Börsen-Chart zeigen sogar kurzzeitig die Marke von 150.000 Dollar geknackt: Während Anleger von einer allgemeinen Vertrauenskrise reden, zahlt sich für Berkshire-Aktionäre das Vertrauen auf Buffett aus.

"Aktie leicht unterbewertet"

"Es geht nicht nur um einen Vertrauensvorschuss. Der Kursanstieg ist durch handfeste, solide Zahlen begründet", sagt Hendrik Leber, Geschäftsführer der Frankfurter Fondsgesellschaft Acatis und seit Jahren treuer Berkshire-Aktionär.

Allein im dritten Quartal haben die im Berkshire-Portfolio versammelten Unternehmen - darunter Coca-Cola Börsen-Chart zeigen, Procter & Gamble Börsen-Chart zeigen, Tesco Börsen-Chart zeigen, die Versicherer Geico oder General Re - einen Gewinnanstieg von rund 65 Prozent verbucht. Bezogen auf die aktuell gehaltenen Aktien im Portfolio käme der Berkshire-A-Anteilschein aktuell auf einen "inneren Wert" von rund 167.000 Dollar, sagt Leber. "Die Aktie läuft in der Regel ihrem inneren Wert hinterher, ist also leicht unterbewertet", so der Fondsmanager.

Der Berkshire-Aktie kommt in den aktuell turbulenten Börsenzeiten auch zugute, dass sie in keinem Index gelistet ist. Fondsmanager, die einen Index abbilden, müssen bei fallenden Indizes entsprechend Anteile verkaufen. "Buffett ist auf Index-Tracker als Investoren nicht angewiesen, sie agieren in seinen Augen viel zu hektisch", sagt Leber. Auf diese Weise spart Berkshire nicht nur Gebühren an die Indexanbieter, sondern überlässt das Holdingvermögen auch überwiegend den "ruhigen Händen". Bei einer durchschnittlichen Langzeitrendite von mehr als 20 Prozent pro Jahr besteht für hektisches Raus und Rein auch kein Anlass.

Buffett verdient viel Geld mit Unterwäsche, Kinderbekleidung, Speiseeis, Möbeln, Softdrinks und Versicherungen. Die Beteiligungen von Berkshire sind so breit gestreut und gelten als so ertragsstark, dass sie so schnell nichts umwirft.

Doch mit einer "Flucht in sichere Werte" allein ist der Run auf Berkshire-Aktien nicht zu erklären: Investoren vertrauen auch auf Buffetts legendäres Gespür, inmitten der Krise die langfristig lukrativsten Deals festzuzurren.

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